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BLOG vom 22.04.2017
Übersetzungscomputer und ihre Leistung

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland


In einer Ausgabe der Zeitschrift "bild der wissenschaft" wird über die beeindruckende Fähigkeit gesprochen, die Übersetzungscomputer im sprachlichen Bereich bereits jetzt leisten können.

Gestern habe ich im Unterricht die untrennbaren und trennbaren Verben behandelt. Es gibt bekanntlich Verben, die beides sind. Dies kann man vor allem an der Betonung erkennen: sie sind trennbar, wenn das Präfix (die Vorsilbe) betont ist oder untrennbar, wenn es unbetont ist.

Hier einige Beispiele:

Ich durchlaufe eine Ausbildung. - Ich laufe durch eine Stadt.
Ich übergehe den Einwand. - Ich gehe über die Strasse.
Ich unterstelle ihm, gelogen zu haben. - Ich stelle mich unter, um mich vor dem Regen zu schützen.
Sie hintergeht mich. - Sie geht hinter mir her.
Er wird mir gegenübergestellt. - Ich stelle mich ihm gegenüber.
Ich muss bei Wind gegenlenken. - Ich lenke das Auto gegen die Wand.
Bei der Flugreise muss ich zwischenlanden. - Ich lande beim Sturz zwischen Bürgersteig und Strasse.

 

Die bekannteste Übersetzungsmaschine im Internet "für alle" ist die von Google. Ich wollte aber einmal eine andere ausprobieren und kam auf PONS, ein der Klett-Gruppe (Stuttgart) zugehöriger Verlag, der Wörterbücher verlegt.

Hier erhielt ich folgende Ergebnisse:

I go through an education. - I ran through a town.
I pass over the objection.  -I go over the street.
I subordinate to him to have lied.  - I position myself under to protect myself from the rain.
She deceives me.  - She goes behind me.
He is confronted with me. -  I oppose him.
I must countersteer with wind. - I steer the car against the wall.
With of the flight I must interland.  - I land with the fall between sidewalk and street.

Auf den ersten Blick sieht die Übersetzung gar nicht so schlecht aus, wenn ich auch manches anders formulieren würde, z. B. Ich gehe über die Strasse. - I cross the road.

Es ist spannend, die Umkehrung zu machen, das heisst den englischen, maschinenübersetzten Text zuerst! Hier ist das (teilweise) überraschende Ergebnis:

Ich gehe eine Ausbildung durch. - Ich habe eine Stadt durchbohrt.
Ich übertrage den Einwand. -I sehen die Straße durch.
Ich ordne ihm unter, um gelogen zu haben. - Ich stelle mich ein unter, mich vom Regen zu schützen.
Sie täuscht mich. - Sie geht hinter mir.
Er stellt sich mir. - Ich setze ihm entgegen.
Ich muss mit dem Wind gegensteuern. - Ich steuere das Auto gegen die Wand.
Mit des Flugs muss ich zwischenlanden. - Ich lande mit dem Fall zwischen Gehsteig und Straße.

Mein Wörterbuch Englisch-Deutsch/Deutsch-Englisch führt aus:

- to go through: 1. ~ through: 1. durchgehen, -nehmen, -sprechen. 2. - go into (1.in die Politik gehen,

  1. geraten in; 3. genau untersuchen, prüfen) 3. erleiden, durchmachen, erleben.

- durchlaufen: run through (Strecke); ~pass through school. (Haben Sie schon einmal eine Stadt "durchbohrt?)

~pass over s.th.: (die 25. Worterläuterung zu ~ pass) = übergehen, ignorieren

~ subordinate: I. untergeordnet; III. zurückstellen  (was etwas anderes ist als ~ unterstellen im Sinne  von ~allege = behaupten!) 
~ position myself kann man noch akzeptieren im Sinne von "auf den rechten Platz stellen".

~täuschen als eine Form des ~hintergehen ist noch akzeptabel.

~Er stellt sich mir.": ist doch etwas anderes als: ~gegenüberstellen, obwohl ~confront
mit ~gegenübertreten, ~gegenstehen einigermassen passend übersetzt ist.
~ oppose bedeutet hingegen ~ sich widersetzen, also gegen etwas (jmd.) zu sein, passt also nicht, wenn ich mich gegenüber jmd. stelle.

~ countersteer ist eine passende Übersetzung von ~ gegensteuern!

~ interland?? Ich habe bisher keine Bestätigung dafür gefunden, dass es das Wort im Englischen überhaupt gibt! Obwohl die Rückübersetzung zwar einen grammatisch falschen Satz, aber die richtige Übersetzung des ursprünglichen Textes gefunden hat.

Soweit die Hin- und Herübersetzung.

Aus einer "Hausarbeit" im Internet:
"Die automatische Sprachübersetzung stiess dann auch relativ schnell an ihre Grenzen und musste sich auf unterstützende Sachtextübersetzung beschränken. Worin die grundsätzlichen Schwierigkeiten von Übersetzung bestehen, die v. a. bei literarischen, philosophischen, religiösen oder allgemein geisteswissenschaftlichen Texten bis zur Unübersetzbarkeit führen können, kann nur von einigen Überlegungen zum Verhältnis von Gedanken und Sprache und dem der Sprachen untereinander ausgehend bestimmt werden.
Die Überwindung des rationalen Sprachbegriffs brachte die Erkenntnis der Unterschiedlichkeit der Sprachen, nicht nur formal und grammatikalisch, sondern v. a. in Bezug auf die Sicht der Welt. D. h. dass die Welt in jeder Sprache verschieden strukturiert ist. In der Linguistik nennt man dieses Phänomen die, linguistische Relativität´“. (Der Autor bezieht sich dabei auf Friedmar Apel: Sprachbewegung. Heidelberg 1982. Seiten 11-16.)
"Oder in Anlehnung an Wittgenstein: Denken vollzieht sich nur innerhalb der Begrifflichkeit der Sprache; darüber hinaus kann nicht gedacht werden."

Quellen
"bild der wissenschaft": Computer lernen Denken, von Ulrich Eberl, Heft 7.2016
Langenscheidts Taschenwörterbuch Englisch, Langenscheidt Verlag München, 1990
Kalt, Hans, Das Problem der literarischen Übersetzung, Friedrich Schleiermachers theoretischer Standardtext 'Über die verschiedenen Methoden des Übersetzens'; in: http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/117473.html

siehe auch:
Goethes „Über allen Gipfeln ist Ruh’“ hin und her übersetzt:
http://www.textatelier.com/index.php?id=996&blognr=5324

 


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