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BLOG vom 29.06.2017
Aufregung, wenn der Strom nicht mehr fliesst

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Gleich begann das Suchen nach einem defekten Kabel
 

„Die ausgeknipste Weltmacht“ las ich am 16.08.2003 in der Online-Ausgabe des Spiegels. Es war ein Bericht über einen Stromausfall (auch englisch blackout) in den USA und Teilen von Kanada. Kurz danach begann laut Spiegel die „Jagd nach dem Kurzschluss- Teufel.“ In New York dauerte es mehrere Stunden, bis die U-Bahnen wieder liefen. In den meisten Gebieten der USA und Kanada dauerte es 1,5 Tage, bis der Strom wieder floss. Die Ursache war ein Blackout im Ausfall einer Leitung in Cleveland am US-Ufer des Erie-Sees.
Am 22.04.2017 kam es in San Francisco zu einem Ausfall eines Sicherungsschalters, der ein Feuer auslöste.
Ein magnetischer Sonnensturm führte 2003 zu einem 1-stündigen Netzausfall in Malmö.
Unter de.wikipedia.org sind historische Stromausfälle aus etlichen Ländern aufgeführt.

Als ich damals die Spiegel-Schlagzeile las, dachte ich mir, die haben wohl nicht die besten Geräte und Überwachungsanlagen. Das könne bei uns nicht passieren, dachte ich mir und ich konnte ein Schmunzeln nicht zurückhalten. Falsch gedacht. Am Wochenende (23./24.Juni 2017) kam es in Schopfheim und einigen Ortschafen der Umgebung zu Stromausfällen in den frühen Abendstunden. Jeweils 2 Stunden an den beiden Tagen waren wir ohne Strom.

Techniker der ED Netze waren schnell im Einsatz. Sie lokalisierten mit dem Kabelmesswagen  defekte 20-kV-Mittelspannungskabel. In meiner Wohnstrasse, der Statthalterstrasse, musste in der Nähe eines Schaltkastens mit einem Rundschleifer an 2 Stellen die Asphaltschicht des Gehweges eingefräst und dann die Asphaltdecke und Erde über 0,5 m ausgehoben werden (s. Foto).

Da wir nicht wussten, wie lange die Reparatur dauerte, packte ich sämtliche tiefgefrorene Lebensmittel aus dem Gefrierschrank in eine Kühltasche und brachte sie zu meiner Tochter. Das war so nach knapp 2 Stunden nach dem Stromausfall. Die ersten Eissorten waren schon leicht angetaut. Kaum waren die Lebensmittel im Gefrierschrank meiner Tochter deponiert, kam ein Anruf von Paula und berichtete, der Strom wäre wieder da. Am nächsten Tag wurde wieder umgeräumt. Dann kam der 2. Stromausfall, aber diesmal wartete ich 2 Stunden ab. Dann floss der Strom wieder.

Bei einem Stromausfall wird einem bewusst, wie abhängig wird vom Strom sind. Nichts funktionierte mehr, kein Licht, kein Telefon, kein Computer, Elektroherd, Lüfter, Kühl- und Gefrierschrank und kein Fernsehen. Natürlich fiel auch die Türklingel aus, dann war Klopfen angesagt. Ich suchte schon Taschenlampen und Kerzen heraus, um die bald dunklen Räume zu erhellen. Zum Glück war es bei den erwähnten Stromausfällen noch länger hell.
Mittels Handy konnten wir unsere Tochter benachrichtigen. Ein Handy ist bei solchen Fällen Gold wert.

In den 50er und 60er Jahren hatten wir immer einen Spiritus- oder Espitkocher parat, um bei Stromausfällen ein Kochgerät zu haben. Aber wer hat heute noch solche  stromlosen Kocher?
Eine alleinstehende Nachbarin sage mir, nun könne sie endlich einmal wieder ein Buch lesen. Wir vertieften  uns in diversen Zeitschriften. Andere hielten sich auf ihren Balkonen auf und klönten. Wiederum andere waren unglaublich neugierig. Sie standen in der Nähe der Arbeiter herum und schauten zu, was hier ablief. Ich dachte mir noch „3 arbeiten und 2 schauen zu.“
Ich fragte meinen Zahnarzt, ob er ein Notstromaggregat habe. Er verneinte und bemerkte, man könne dann nur die Patienten nach Hause schicken.

Folgen eines längeren Stromausfalls
Wie in Wikipedia nachzulesen ist, kann im privaten Bereich ein längerer Stromausfall die folgenden unangenehmen Folgen haben:

  • Beleuchtung: Elektrisches Licht, Ampeln, Signale fallen aus, ebenso elektrische Rollladenantriebe.
  • Mobilität: Aufzüge, Skilift, Seilbahn oder Parkhausschranken fallen aus, genauso wie Abfahrtsanzeigen des öffentlichen Verkehrs. Eisenbahnen haben zum Teil eigene Stromversorgungsnetze. Akkus für Radbeleuchtung oder Taschenlampen können nicht mehr so einfach aufgeladen werden.
  • Wärme: Die Heizung/Lüftung bzw. Klimaanlage fällt aus, Elektroheizungen, aber auch Öl-, Gas- und Pellets-Zentralheizungen haben ohne elektrischen Strom keine Steuerung, keinen Zündfunken und keine Umwälzpumpe. Wäsche kann nur noch an Luft trocknen.
  • Lebensmittel: Lebensmittel werden im Kühl- sowie Gefrierschrank nicht länger gekühlt und können bei einem längeren Stromausfall verderben bzw. auftauen.
  • Kochen: Elektroherd, Mikrowelle, Kaffeeautomat, Wasserkocher usw. funktionieren ohne den elektrischen Strom nicht.
  • Nachrichten: Rundfunk und Fernsehen mit Netzspannung funktionieren nicht. Radiogeräte mit Akkus oder Batterien funktionieren unter Umständen, sofern die Sendeanlagen nicht vom Stromausfall betroffen sind.
  • Kommunikation: Mobiltelefonie, Festnetz sowie Computer und Internet stehen bei längeren Stromausfällen nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung.
  • Geld: Geldautomaten von Banken sind meistens nicht funktionsfähig.
  • Einkaufen: In Supermärkten gibt es meist Einschränkungen, da weder Kassen noch die Kühlung der Lebensmittel funktionieren, wenn kein Notstromaggregat vorhanden ist. Getränkebonier- und -zapfsysteme in der Gastronomie fallen aus. Elektrische Schiebe- und Drehtüren sind funktionsunfähig.
  • Treibstoff: Die meisten Tankstellen haben weder einen eigenen Stromerzeuger noch eine Einspeisevorrichtung für einen Stromerzeuger. Ohne Strom funktionieren die Pumpen nicht, die die Zapfsäulen und Zapfhähne mit dem Treibstoff aus den unterirdischen Tanks speisen.
  • Wasser: Bei einem längeren Stromausfall fallen Trinkwasseraufbereitung und Abwasserentsorgung mit Pumpen aus. Bei Wasserversorgungsnetzen, welche durch das natürliche Gefälle und ohne Pumpen betrieben werden (wie bei der Wiener Wasserversorgung über die Hochquellenwasserleitungen), hat ein Stromausfall auf die Versorgung nur geringe Auswirkung.
  • Sicherheit: Türsprechanlagen und Türöffner, Zutritts-Sicherungssysteme, Alarmanlagen, Feuermelder und Warnlichter für Flugverkehr auf hohen Bauwerken funktionieren nur, falls und solange Akkus oder Notstromsysteme ersatzweise liefern. Krankenhäuser haben hierzulande Notstromaggregate und besonders kritische Bereiche wie Operationssaal und Intensivmedizin haben eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Fluchtwegmarkierungsleuchten in größeren (Wohn-) Gebäuden sind meist einzeln akkugestützt und leuchten eine Zeitlang.

Zum Glück dauerte der Unterbruch der Stromversorgung bei uns nicht so lange. Aber man weiss nie, ob sich ein solcher Ausfall irgendwann ereignet.

Infos
www.ednetze.de
www.ednetze.de/unterbrechungen
https://de.wikipedia.org/wiki/Stramausfall
www.spiegel.de

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