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BLOG vom: 25.09.2023

Lüneburger Heide: Salzsau und Heidschnucken

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Heidelandschaft
 

„Lila blühendes Heidekraut, dazwischen Wacholder und duftende Birkengruppen. Das ist die Lüneburger Heide“, wurde vom Bus-Reiseunternehmen Heizmann von Zell im Wiesental in einem Prospekt verkündet. Auch wurden die Besichtigungen während der 6 Tage ausführlich im Prospekt vorgestellt. Da waren meine Frau und ich gleich begeistert, zumal wir die bekannteste Heidelandschaft Deutschlands nicht kannten.

Die Anreise erfolgte über Freiburg, Frankfurt, Kassel nach Bosse, einem kleinen Ort an der Aller. Der „Allerhof“ war unser Hotel während der 6 Tage. Hier wurden die Gäste mit Buffets verwöhnt.

Nach dem Frühstück erwartete unser freundliche Busfahrer Martin Moser jeden Tag die Gäste um 9 Uhr zur Abfahrt. Auch unsere Reiseleiterin Sabine (wir durften sie so nennen)war schon da. Sie verstand es großartig, die Landschaft, Städte und viele Besonderheiten den Gästen verständlich vorzustellen. Wir bekamen eine Fülle von Infos im Bus oder in den Städten (in Celle und Bremen mit kabellosen Headsets).

Das wurde uns geboten:  Besichtigungen der Fachwerkstadt Celle, der Hansestadt Lüneburg und Aufsuchen des Klosters Wienhausen. Aber auch eine Schifffahrt auf der Weser, eine Kutschfahrt durch die Lüneburger Heide, Besuch der Hansestadt Bremen und Bremerhaven und der Besuch der Grabstätte von Hermann Löns, standen auf dem Programm. Einige Höhepunkte der Reise stelle ich nun vor.

 


Hoppener Haus
 

480 Fachwerkbauten
Beeindruckend ist die Celler Altstadt mir den gut erhaltenden 480 Fachwerkhäusern. Das Fachwerkensemble ist weltweit bekannt. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Die Balken einiger Häuser weisen alte Schmuckelemente auf. Das Hoppener Haus ist wohl das prächtigste Fachwerkhaus der Stadt. Es wurde 1532 für Simon Hoppener, Rentmeister (eine Art Finanzminister) von Herzog Ernst gebaut.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Residenzschloss, das Bormann-Museum, das neue und alte Rathaus.

Wie bei allen Stadtbesichtigungen blieb uns oft eine oder eineinhalb Stunden Zeit zum Entspannen, Einkaufen, Stöbern und Entdecken.

 


Schloss in Celle
 

Im Kloster
Danach fuhren wir zum Kloster Wienhausen. Da bestaunten wir den Backsteinbau. Die Gründung erfolgte durch Bischof Konrad von Hildesheim im Jahr 1233. Besonders beeindruckend waren die Decken- und Wandmalereien im Nonnenchor, aber auch Bildteppiche und der Kistengang. In diesem Gang standen unzählige Koffer und Kisten. Diese waren alle leer. Sie enthielten früher Kleider und andere persönlichen Dinge von den Frauen, die im Kloster aufgenommen wurden. Als wir an einer Zimmertür mit der Aufschrift „Ruhe“ vorbeikamen, sagte unsere Kennerin des Klosters: „Hier ist nicht Ruhe gemeint, die Nonne heisst Ruhe.“

 


Portal, Alte Raths-Apotheke
 

Salzsau in Lüneburg
„Lüneburg verbindet heute das Flair einer mittelalterlichen Hansestadt aus Backsteingotik und Treppengiebelbau mit der Dynamik und dem Lebensgefühl einer jungen Universitätsstadt“, schrieb Roland Pump in seinem Buch „Kleines ABC der Lüneburger Heide“. Nach Kennenlernen der Sehenswürdigkeiten durch Sabine hatten wir Zeit für einen Bummel durch die Altstadt. Besonders schön ist das farbenfrohe Portal der Alten Raths-Apotheke. Das imposante Haus hat einen Staffelgiebel und vier übereinanderliegende Fensterarkadenreihen.

Das Salzvorkommen in der Stadt brachte Wohlstand für die Hansestadt Lüneburg. Laut einer Sage wurde das Salzvorkommen durch eine Wildsau entdeckt. Jäger erlegten eine Wildsau und beobachteten im ehemals dunklen Fell Salzkristalle. Sie verfolgten die Fährte und erreichten einen Tümpel, indem die Sau sich suhlte. Es wurde eine Solequelle entdeckt. Bis ins späte 20.Jahrhundertz lieferte die Lüneburger Saline eine kräftige Sole, aus der Salz gewonnen wurde. In der Altstadt wurden zu Ehren der Entdeckerin eine metallene Sau aufgestellt.

Beim Bummel durch die Stadt suchten wir auch eine Bäckerei auf und kauften Butterkuchen. Der schmeckte köstlich. Da waren wir so begeistert, dass ich ihn zu Haus buk (Rezept: www.chefkoch.de).

Kutschfahrt in die Heide
Die Reisenden waren schon ungeduldig, da sie die Heide in den ersten drei Tagen noch nicht sahen. Erst am 4. Tag war es so weit. Mittels einer geselligen Kutschfahrt mit geprüften Kutschern wurden wir durch einen schönen Teil des Naturparks Lüneburger Heide befördert. Wir konnten gerade noch die prächtigen rosa-purpurfarbenen Blüten der Besen- und Glockenheide erblicken. Die Heideblüte ist oft vom 8. August bis 9. September zu sehen. Sie ist abhängig von der Wetterlage. Laut „Heideblüten-Barometer“ im Internet war die Blüte am 18. September vorbei. Wir hatten also Glück und konnten die Pracht genießen.

Auf der gemütlichen Fahrt zum Teil auf holprigen Wegen sahen wir sanfte Hügel, Wacholderbüsche und blühende Heideflächen. Die Fahrt war abwechslungsreich und unglaublich schön. „Wo sind eigentlich die Heidschnucken“, rief ein Gast dem Kutscher zu. „Die sind nicht immer zu sehen“, war die Antwort. Kaum ausgesprochen sahen wir eine Heidschnucken-Herde in einigen hundert Metern Entfernung an einem Waldrand. Wir erfuhren vom Kutscher, dass die Urform der Heidschnucke das genügsame Mufflon ist. Die Heidschnucken sind wichtige Landschaftspfleger.  Sie sorgen dafür, dass eine einzigartige Landschaft erhalten bleibt. Das Heidekraut muss nämlich regelmässig beweidet werden, damit sie im Frühjahr neu austreiben kann.

Der Name der Tiere setzt sich laut Roland Pump aus „Heid“ für Heidekraut und aus „Schnucke“ für schnucken, schnökern (naschen) zusammen.

 


Stadtmusikanten in Bremen
 

Stadtmusikanten und das Bremer Loch
Am letzten Tag reisten wir zur Hansestadt Bremen und nach Bremerhaven. In Bremen bewunderten wir das gotische prächtige Rathaus, den Roland und die Statue der Bremer Stadtmuskanten. Der steinerne Bremer Roland ist eine Symbolfigur für die „Freiheiten“ und Rechte der Stadt. Ein weiteres markantes Wahrzeichen sind die Bremer Stadtmusikanten mit den Figuren Esel, Hund, Katze und Hahn. Die Bronzestatue von Gerhard Marcks erinnert seit 1953 an das Märchen der Gebrüder Grimm. Während ich das Denkmal fotografierte, beobachtete ich eine Frau, die mit ihren beiden Händen die Füße des Esels umfasste. Sabine erklärte uns den Vorfall. „Wer die Füße mit beiden Händen umfasst, die Augen schließt und sich was wünscht, dann geht dieser in Erfüllung.“

„Nun zeige ich Euch das Bremer Loch“, verkündete unsere Reisebegleiterin Sabine.

Neben den Figuren der Stadtmusikanten ist ein Kanaldeckel mit Einwurfschlitz für Münzen zu sehen. „Wenn Sie eine Münze hineinwerfen, dann hören sie was.“ Neugierig, wie ich bin, warf ich eine Münze hinein und schön ertönte die Stimme des Esels. Bei jedem Wurf hört man jeweils die andere Stimme der Tiere. Die Münzen kommen der Wilhelm-Kaiser-Bürgerhilfe der Freien Hansestadt Bremen zugute. Pro Jahr kommen so 15 000 Euro in die Sparbüchse. Das Bremer Loch soll die erste unterirdische Spendenbüchse Deutschlands sein.

Auf dem Kanaldeckel war eine plattdeutsche Aufschrift zu lesen:

Kreih nich
jaul nich
knurr nich
Segg I AA
Doh wat Rin
int Bremer Loch

 


Bremer Loch
 

Fazit
Es war eine fantastische und eindrückliche Busreise mit vielen Höhepunkten. Besonders beeindruckend waren die Kutschfahrt durch die Heide, die herrlichen Backsteingebäude in Celle und Lüneburg und die Schifffahrt auf der Weser. Kleine Wanderungen zum Kloster Wienhausen, zur Ginseng-Farm und zum Grab von Hermann Löns waren eingeplant.

Unser Dank geht an die Organisation des Busunternehmens Heizmann, an unsere Reisebegleiterin Sabine und an den unermüdlichen und sicheren Fahrer Martin Moser. Er hat 2285 km zurückgelegt.

Anmerkung: Über Hermann Löns und über die der Ginseng-Farm wird in gesonderten Blogs berichtet.

 

Internet
www.heizmann-reisen.com
www.hotel-allerhof.de

Literatur
Friedrich, Florian: „Celle an einem Tag, ein Stadtrundgang“, Lehmstedt-Verlag, Leipzig, 2019.
Kogel, Kristina: „Lüneburg an einem Tag, ein Stadtrundgang“, Lehmstedt Verlag, Leipzig. 3. Auflage 2020.
Pump, Roland: „Kleines ABC der Lüneburger Heide“, Verlagsgesellschaft Husum, 2009.

 

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