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BLOG vom 25.02.2017


Hafergeschichten: Landvolk war kräftig, dank Hafer

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Haferpflanze
 

Rolf Hess sandte mir ein amüsantes Video über eine mit „Hafer gestochene“ Wandergruppe zu. Man kann es kaum glauben, was die älteren Herren da zustande brachten. Sie turnten auf einer Wippe. Dann passierte etwas, womit die Burschen nicht gerechnet hatten. Der Wanderführer, der nicht auf der Wippe stand, lief ganz ungläubig herum und begutachtete das Geschehene.
Mehr wird nicht verraten. Schauen Sie sich das folgende Video an:
http://i.imgur.com/2SvpTAA.gifv

Ich bin überzeugt, die Burschen haben zum Frühstück Haferflocken oder ein gehaltvolles Müesli verzehrt. Wie ich schon in meinem 1. Haferblog erwähnte, bringt Hafer nicht nur Pferde, sondern auch dem Menschen Kraft und Ausdauer. Das gilt im Besonderen auch für ältere Knaben.

Aufschrei des Kräuterpfarrers Künzle
Der Aufschrei des Kräuterpfarrers Johannes Künzle (1857−1945) bezüglich des hohen Fleischverzehrs und der Vielesserei erschallte schon 1911! Er könnte heute noch lauter aufschreien, da der Fleischverzehr in den letzten Jahren immer  mehr zunahm. Die Massentierhaltung ermöglicht es, zu erschwinglichen Preisen an viel Fleisch zu kommen.

Künzle empfahl den vermehrten Verzehr von Hafermus, Hülsenfrüchten, Getreideprodukten, Gemüse, frisches und gedörrtes Obst und Milchsuppen. Er berichtete von einem Mann in den Vierzigern, der „verstopft war wie eine Weinflasche“. Kein Mittel half. Als er wegen eines Geschäfts ein Vierteljahr unter Bauern des nördlichen Frankreichs leben musste und kein Fleisch, sondern nur Milch, Gemüse, Hafermus und Dünnbier erhielt, hatte er seine Verstopfung los.

Was Bircher-Benner bei Bauern entdeckte
Maximilian Oskar Bircher-Benner (1867−1939) entdeckte die Heilwirkungen einer vegetarischen Kost durch eigene Studien und Beobachtungen. Er studierte beispielsweise die Ernährungsgewohnheiten der Bauern in Küttigen/AG (Schweiz). Aus diesem Juradorf unweit von Aarau kamen die Vorfahren der Birchers her. Die Bauern ernährten sich von Hafergrütze, Vollkornbrot, Kartoffeln, Rüben, frischem und gedörrtem Obst, Mangoldkraut, Bohnen, Kohl und Salat. Nur ab und zu gab es Butter, Eier und Milch. Nach den Ernährungsdogmen des Jahres 1895 hätten die so ernährten Menschen kraftlos und krank sein müssen. Aber das Gegenteil war der Fall. Das Landvolk hatte wohl einen krummen Rücken, war jedoch zäh und kräftig.

Alfred Vogel: Kräftige Nahrung durch Hafer
Alfred Vogel (1902−1996) weist in seinem grossartigem Buch „Der kleine Doktor“ darauf hin, dass Hafer nicht nur den Pferden Kraft gibt, sondern auch dem Menschen. Er empfiehlt bei Magenverstimmungen und Verdauungsstörungen eine Hafersuppe. Er betonte auch, dass die Haferpflanze „wunderbare Heilmittel“ liefert. „Das im Hafer enthaltene Avenin wirkt direkt nutritiv, d.h. ernährend auf das Nervensystem, wirkt auf die Nervenzellen und ist daher als äusserst wertvolles Nervenmittel anzusprechen.“ Alfred Vogel weist auch auf die gute Wirkung von Haferstrohbad und Hafertee bzw. Hafertrunk hin

Sebastian Kneipp über den Hafer
Sebastian Kneipp (1821−1897) wies in seinem Buch „So sollt ihr leben!“  auf die kräftigende Wirkung von Haferspeisen hin. Die aus Milch und Hafermehl zubereitete Speise verlieh den Allgäuern ihre kräftigen und gesunden Naturen. Er bemerkt, dass schon zu Kneipps´ Lebzeiten der Haferbrei durch Luxusartikel, z.B. durch Kaffee und durch feines Kunstmehl verdrängt wurde. „Man will doch nicht den verwöhnten Magen durch Haferkost nicht ärgern. Wenn ich 50 Kinder mit Haferkost ernähren könnte und sie nach 2 Jahren neben 50 andere stellen würde, die Kaffee und Speisen aus Kunstmehl erhielten, wie verkümmert an Körper-und Geistes- Kraft würden die letzteren im Vergleich mit den ersteren dastehen!“
Er hoffte damals, dass man dem Hafer eines Tages wieder mehr Aufmerksamkeit schenken würde.*) Er verwies dann noch auf seine Eltern, bei denen der Hafer und die Gerste hoch im Kurs standen. „Ich verdanke meiner Jugendernährung den grössten Teil meiner jetzigen Ausdauer und Kraft.“
In seinem Werk „Meine Wasserkur“ empfahl er Rekonvaleszenten einen Hafertrunk mit Honig. „Dieses Nährmittel ist ein wahres Labsal“, berichtet euphorisch Pfarrer Kneipp. Er weist auf die gute Wirkung eines Wickels mit Heublumen- oder Haferstrohabsud bei Rheuma und Gicht hin. Bei Hautunreinheiten, Ausschlägen und Flechten empfahl Kneipp u.a. ein Haferstrohbad und Wasseranwendungen. Bei Fussleiden half ein Fusswickel mit Haferstroh oder Heublumen.

*)Sebastian Kneipp würde heute hocherfreut sein, wenn er den heutigen Haferverbrauch in der Ernährung erführe. So verarbeitet beispielsweise die Firma Peter Kölln KGaA in Elmshorn Hafer aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und aus Skandinavien zu den berühmten Blütenzarten-Köllnflocken und Köllns Echte Kernige Haferflocken. Pro Jahr verlassen Millionen Packungen die Mühlenwerke in Elmshorn (www.koelln.de).  
In dem exzellenten Buch „Peter Kölln – Geschichte eines Familienunternehmens in Bildern namhafter Künstler“ von Ernsthermann Kölln wird auf S. 121 auf die gesundheitliche Wirkung so hingewiesen:

„Haferflocken sind ein gesundes Nahrungsmittel, leicht verdaulich und nahrhaft. Sie enthalten hochwertiges Eiweiss, leicht verdauliche Fette und Kohlenhydrate, ausserdem Mineralien und Vitamine. Als Brot, Brei oder als gehaltvolles Getränk aus Hafermehl oder Grütze zubereitet, wird Hafer seit Menschengedenken zur Ernährung und als Heilmittel genutzt. Hafer reguliert den Blutzuckerspiegel und reduziert das Cholesterin.“

Sie hatten den schönsten Hafer
Die Leute von Eichen (heute ein Stadtteil von Schopfheim) waren in frühen Zeiten bereits sehr schlau. Es gab viele Neider. Nicht wegen der Schlauheit, denn wer gibt schon gerne zu, dass andere schlauer sind. Nein, die Wehrer (Nachbarort von Schopfheim) oder die Schopfheimer wunderten sich, warum die Eichener den schönsten Hafer hatten. Im Gasthaus „Sonne“ wollte ein Wehrer vom alten Kuhny endlich wissen, warum das so ist. Nach einigen Viertelliter Wein gab dieser das Geheimnis preis. Kuhny meinte, die Eichener würden im Winter den Hafer in Kübel ziehen und im Frühjahr die Hafersetzlinge ins Feld stecken.
Quelle: „Im Belchenwind“ von Gerhard A. Jung, Daisy und Eugen Stepperger, Kehrer Verlag, Freiburg 1993.

Der nächste Blog befasst sich mit köstlichen Hafer-Rezepten.

Hinweis auf einen Blog über Hafer
23.02.2017: „Hafer ist die Arzneipflanze des Jahres 2017

 

 


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