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BLOG vom 06.02.2017


Pflanzen-Kuriositäten (1): Spektakulärer Drehwuchs

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


 

Vor einigen Wochen entdeckte ich in einem Garten in Schopfheim-Fahrnau ein Fliederbäumchen mit Drehwuchs. Der Besitzer sagte mir, er habe den Flieder nicht manipuliert, also das junge Stämmchen nicht mit einem Draht umwickelt. Er sei so gewachsen, wie er betonte.

Da ich in der Vergangenheit schon des Öfteren Prof. Bertold Hock bezüglich Pflanzenbesonderheiten anschrieb, war es diesmal wieder so weit. Er antwortete rasch. In einer E-Mail vom 15.01.2017 gab er mir folgende Erklärung:

„Ihr Foto zeigt ein spektakuläres Beispiel für Drehwuchs. Dieser beruht auf einem schraubenförmigen Faserverlauf im Baumstamm, hier mit einem ungewöhnlich geringen Steigungswinkel. Umweltfaktoren, wie Windrichtung, einseitige Verschattung, Ausfall von Teilen der Wurzel oder Krone, wie sie auch für den Drehwuchs von Buchen, Lärchen oder Kiefern diskutiert werden, dürften hier kaum die Ursache sein. Vermutlich sind in diesem Fall genetische Faktoren für den Drehwuchs verantwortlich.“

Dann gab er mir noch einen Tipp. Man solle doch einen kleinen Zweig bewurzeln und an einer ganz anderen Stelle auspflanzen und das Wachstum beobachten. Dies dauert jedoch. Den Tipp werde ich an den Gartenliebhaber weitergeben.

Drehwuchs findet sich oft an Bäumen in Küstenlagen oder in Hochgebirgszonen in Folge des starken Windes. Als Holzfehler gilt ein abnorm starker Drehwuchs. Typisch stark drehwüchsig ist die Lärche. Sie eignet sich wenig als Konstruktionsholz. Als Auslöser für Drehwuchs werden die Genetik und die Umwelt angesehen.

Ein Waldbauer soll Ausmass an genetischen Ursachen kennen. Hier nähere Informationen (www.waldwissen.net) :

„Aus waldbaulicher Sicht ist es wichtig, für dieses Merkmal das Ausmass an genetischen Ursachen zu kennen. Steuert direkt oder indirekt keines der rund 50.000 Gene der Rotbuche dieses Merkmal, so wird das Merkmal ausschliesslich durch Umweltbedingungen bestimmt. Unterliegt das Merkmal hingegen ausschließlich oder zumindest zum Teil den genetischen Ursachen, so kann der Praktiker durch eine entsprechende Auswahl an Beständen oder von Einzelindividuen die Wertholzproduktion erhöhen.

Feldversuche in Frankreich und Deutschland (Teissier du Cros et al. 1980)  haben gezeigt, dass der Erblichkeitsgrad (Heritabilität) bei diesem Merkmal nahezu 70 % beträgt. Da die Nachkommen drehwüchsiger Saatgutbäume ausschließlich dieselbe Drehrichtung aufwiesen, kann für die Drehrichtung ebenfalls ein hoher genetischer Anteil der Merkmalsausprägung erwartet werden.“

Unser Gartenfreund dürfte sich keine Gedanken darüber machen. Er sieht diesen Drehwuchs an einem Fliederbäumchen als Kuriosität an. Er und auch die Besucher dürften sich an dieser Besonderheit erfreuen.


Internet
https://de.wikipedia.org/wiki/Holzfehler
www.waldwissen.net

 


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