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BLOG vom 21.11.2016


Beruf Einbrecher - Berufsberatung

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Zurzeit wird einmal wieder diskutiert, dass in Nordrhein-Westfalen bundesweit die meisten Wohnungseinbrüche begangen werden, die Aufklärungsquote liegt in diesem Bundesland bei lediglich 13,8%.

"Um annähernd auf das Deliktniveau Nordrhein-Westfalens zu kommen, muss man alle Wohnungseinbrüche aus Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt zusammenrechnen.", schreibt die CDU-Fraktion im "Landtag Intern 9/2016".

Ich gebe bei Google die Stichwörter "Beruf Einbrecher" ein. Es werden 274.000 Seiten gezählt. Nach einer Anzeigenankündigung mit dem Titel "Welcher Beruf passt zu dir? - Du bist unsicher über deine Zukunft" und dem Hinweis, dass Werdegänge dem Fragenden den Weg zeigen können, folgen weitere Websites mit interessanten Überschriften:

"Kriminalstatistik: Einbrecher? Ein Beruf mit Zukunft"

"Prozess: Beruf: Einbrecher"

"Beruf: Einbrecher-Beruf: Einbrecherspiele auf Spielekarussell.de"

"Von Beruf Einbrecher - Berliner Zeitung"

"Einbrecher: Ein Beruf ohne Gefahr /Alternative für Deutschland" (Ob da Bezüge zur gleichnamigen Partei existieren, kann man nicht erkennen!)

Beruf: Einbrecher Spiele Spielen"

"Kriminalstatistik: Einbrecher? Ein Beruf mit Zukunft! - Hafenradar"

"Nächster Beruf Einbrecher den(n) mit arbeiten kommt man zu nichts. Arbeitsprojekt"

"Die Tricks der Einbrecher - W wie Wissen - ARD - Das Erste
Frank Klopowski kennt alle Tricks der Einbrecher. Er hat einen ungewöhnlichen Beruf. Er ist Testeinbrecher."

"Mitten in Nürnberg - Einbruch ist mehr als nur ein Job - Bayern" - In dem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 11. Oktober 2015 steht:
"Wenn aber nun jemand seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, in anderer Leute Häuser einzusteigen und deren Eigentum an sich zu nehmen? Dann ist er kriminell, klar, ein Einbrecher. Aber das ist schliesslich kein Beruf. Bisher wenigstens. In Nürnberg allerdings stehen zurzeit drei Männer vor dem Landgericht, die genau das sind: Einbrecher. Und weil sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht haben und damit auch ihr Geld verdienten, also das krumme Geschäft gewerbsmäßig betrieben, hat der Staatsanwalt ihnen kurzerhand die entsprechende Berufsbezeichnung verpasst. So steht es nun in der Anklageschrift. Beruf: Einbrecher."

Und was man dazu braucht, wird auch beschrieben, wenn auch nicht ausführlich genug:
"Eine qualifizierte Ausbildung braucht es dafür offenbar nicht, möglicherweise reicht ein gewisses Talent und die notwendige kriminelle Energie. Und eine gewisse Flexibilität."

Auch gegenüber Einbrecher soll man höflich sein, das rät der STERN:
"www.stern.de/politik/.../last-call-sehr-geehrte-einbrecher--6822848.html
20.03.2015 - Dagegen spricht allerdings die große Sorgfalt, mit der sie vorgingen. Die Polizei sagte, sie seien wohl ein Profi oder Profis. Beruf: Einbrecher."

Wer diesen Beruf ergreifen will, muss sich allerdings im Klaren über die Konsequenzen sein. Das konnte man in der Südwestpresse vom 20.05.2016 nachlesen:

"Zwielichtiger Beruf: Mutig und glücklos - Er erfordert planvolles Vorgehen, Mut, entschlossenes Handeln und einen Schuss Dreistigkeit: der Beruf des Einbrechers. Wer ihn ergreift sollte sich allerdings im Klaren darüber sein, dass es kein ehrenwerter Beruf ist. Noch schlimmer: Der Einbrecher ist in der Öffentlichkeit nicht gelitten, denn er agiert in der Illegalität. Das ist auch der Grund dafür, dass der Berufsstand von der Polizei gnadenlos verfolgt wird."

Dass man ohne "qualifizierte Ausbildung" auskäme, wie oben behauptet wird, kann man zumindest infrage stellen. Die Entwickler von Computerspielen haben es schon erkannt:

Die schweizer Website "geschicklichkeit.funspiele.ch/beruf-einbrecher-spiele.html" fordert die Interessenten dazu auf, spielerisch den Beruf auszuüben, natürlich erst einmal nur am Computer!

Auf der Seite "https://sites.google.com/site/info4drachenkrieg/anleitungen/berufe"
geht es um Spiele, in denen man zu Berufserfahrung kommen kann:

"Einbrecher -  Beschreibung: Zugänglich ab dem 3. Level. Der Einbrecher ist auf das Aufschliessen von Schlössern jeglichen Typs und Schwierigkeitsgrades spezialisiert. Meistens wird dieser Beruf verwendet, um Truhen, Schatullen und andere Gegenstände, in denen die Bewohner der Feo-Welt ihre Schätze aufbewahren, zu öffnen. Als Einbrecher kannst du Mitglied in der Reputation Bruderschaft der Tugend oder auch der Reputation der Übeltäter werden, wo du Zugang zu Schriftrollen, Tränken und speziellen Artefakten hast. - Lehre: Der Beruf des Einbrechers wird von Meisterin Soigura und vom Handwerker Ostap gelehrt."

Um zu einer gewissen Geschicklichkeit zu kommen, sollte man vorher an einem Objekt üben, das zur Verfügung gestellt wird!

Wie auch im sonstigen Berufsleben, ist Spezialisierung sicher ein erfolgreicher Weg. Darüber klärt die Seite "budoten.org" auf:

"Einbrecher lieben Lockpicking - Die neuesten Studien von Polizei und Versicherungen sind alarmierend. Immer mehr Einbrüche werden gänzlich ohne Spuren verübt. Das bedeutet, die neue Generation der Einbrecher ist bestens ausgebildet und vermeidet Lärm und Zerstörung. Diese Kriminellen sind wahre Spezialisten im Bereich des zerstörungsfreien Öffnen der Schlösser. Versicherungen zahlen keinen müden Penny ohne Einbruchsspuren, und genau hier liegt auch einer der Probleme. Denn ein professioneller Lockpicker öffnet jedes Schloss in wenigen Minuten, manchmal sogar in Sekunden."

Die "Ausbildungsbetriebe" werden auch genannt:
"... für die Einbrecher ist es die beste und sicherste Methode in eine Wohnung zu gelangen. Lockpicking ist absolut leise und geht bei guter Übung extrem schnell. „Lernen kann man es in jedem dieser Hinterhofklubs, die als Sportverein angemeldet sind.“

Für manche ist das Knacken von Schlössern auch nur ein Hobby, wie uns am 17.08.2009
berichtet wird: 
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/deutschlands-bester-schlossknacker-ich-habe-mehr-gefuehl-als-ein-einbrecher-1840172.html

"Deutschlands bester Schlossknacker - 'Ich habe mehr Gefühl als ein Einbrecher'
Manfred Bölker ist Zahnarzt und Deutschlands bester Schlossöffner. Er versteht seine Arbeit nicht als rabiates Knacken, sondern als eine Mischung aus Sport und Kunst: 'Man muss sich hineinversetzen in das Schloss, das man öffnen will.' - Vor zehn Jahren hat Manfred Bölker sein Hobby entdeckt, Schlösser zu knacken. Seitdem holte er sich schon siebzehn Mal den deutschen Meister-Titel.
Herr Bölker, wie lange brauchen Sie, um in meine Wohnung einzubrechen?
So was mache ich natürlich nicht. Aber wenn, hätte ich das Sicherheitsschloss wohl in 30 Sekunden geöffnet. Ein normaler Einbrecher bräuchte länger. - Was haben Sie dem Ganoven voraus?
Ich will den durchschnittlichen Einbrecher nicht diskriminieren. Aber die haben einfach zu wenig Gefühl und Zeit, gehen mit dem Schraubendreher oder Kuhfuss ran. Man braucht sehr viel Übung, um das clever zu lösen. (..) Ich bin kein Schlossknacker. Das klingt so nach Gewalt. Offiziell nennen wir uns 'Sportsfreunde der Sperrtechnik'. Das ist kein rabiates Knacken, sondern eine Mischung aus Sport und Kunst. Wichtig ist dabei das Gefühl. Man muss sich hineinversetzen in das Schloss, das man öffnen will."

Ein möglicher Berufsweg wird auch aufgezeigt, wenn man weiterliest:
"Im Hauptberuf sind Sie Zahnarzt. Hilft die Feinfühligkeit des Schlossöffners beim Bohren?
Das ist eine wechselseitige Sache. Im Studium hab ich die Feinmotorik ja schon gelernt, das hat beim Schlossöffnen geholfen, wobei ich die Technik dabei natürlich verbessert habe. Es gibt auch Parallelen: Die Werkzeuge, mit denen wir die Schlösser bearbeiten, sind Zahnarztwerkzeugen sehr ähnlich."

Wie wäre es denn mit der Berufsbezeichnung: "Sportsfreund der Schliesstechnik/Einbrecher"? Das klingt doch gleich viel schöner!

Haben Sie die Kritik gelesen? Da spricht jemand ausserhalb der Branche den Einbrechern "zu wenig Gefühl" zu!

Es geht eben nichts über eine gute Ausbildung, um Sportsfreund zu werden! Und wo man sie bekommen kann, ist bei https://www.berlinjournal.biz/berliner-einbrecher-trainieren-in-osteuropa/
vom 18.11.2015 zu erfahren:

"In den osteuropäischen Heimatländern der Bandenmitglieder existierten regelrechte Trainingsstätten, welche deutschen Einfamilien-, Reihen- und Mietshäusern nachempfundene sind.
Die Gebäude in diesen Trainingsstätten seien mit den besten Sicherungssystemen ausgestattet. Dort lernen die Einbrecher, wie man die verschiedenen Systeme überwindet und ausschaltet.
'Wer dann nach Deutschland oder in ein anderes west- oder nordeuropäisches Land kommt, ist fachlich topfit', sagt Rainer Fuchs, (Inhaber einer Detektei, die für Versicherungsgesellschaften arbeitet.) Außerdem beschäftigen die ausländischen Banden eigene Computerexperten, die permanent neue Software zum Überwinden elektronischer Sicherungen entwickeln."

Zum Abschluss der Schulzeit informieren Berufsberater der Arbeitsagenturen über mögliche Lebenswege, die die Schüler einschlagen können. Ich kann mir fast sicher sein, dass dieser "Beruf" nicht empfohlen wird!

Aber: er hat eine lange Tradition! Mich hat jedenfalls die Geschichte "Oliver Twist" von Charles Dickens als Kind sehr interessiert. Auch darin wird von exzellenter Londoner Einbruchsarbeit berichtet.

Ich habe mich damals jedenfalls nicht für diesen Beruf entschieden, sondern wollte Lehrer werden. Ob diese Arbeit weniger gefährlich ist, eine Untersuchung könnte aufschlussreich sein:
http://archiv.kindgerechte-schule.ch/v_912/docs13/ta_040713lf_lehrer_verlangen_mehr_lohn.pdf

"Als Lehrperson steht man täglich mit einem Fuss im Gefängnis: Ein Unfall, ein Todesfall genügt, denn nichts ist so wertvoll wie die Unversehrtheit der ihnen anvertrauten Kinder. Eltern, die mit Anwalt drohen wegen Disziplinarstrafen oder ungenügender Noten, Beschimpfungen oder gar Drohungen gehören leider zum Alltag, und Schulen mussten Konzepte für Amokläufe erstellen."

Da könnte man doch zu dem Schluss kommen: Egal, wie man seinen Lebensunterhalt erwirbt, risikoreich ist es immer!

Oder dem Lied von Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1775) folgen:
"Üb' immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab.." Demjenigen, der sich nicht daran halte, wird übrigens vorausgesagt, er würde auch nach seinem Tod keine Ruhe finden:, denn "dem Bösewicht wird alles schwer":

"Er findet, nach des Lebens Raum
Im Grabe keine Ruh.
Dann muß er in der Geisterstund
aus seinem Grabe gehn
und oft als schwarzer Kettenhund
vor seiner Haustür stehn."

Also: Es ist immer besser, nicht nur abends das Haus zum Schutz vor Lebenden (Sportsfreunden?) und Toten gut zu verriegeln! (Wer kennt oder kannte schon seine Mitbürger so richtig?)

 


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