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BLOG vom 09.08.2016


Die längste Hängebrücke Deutschlands

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Jeder von uns hat seine Vorstellung von Hängebrücken. Mehrere Seile, über ein Tal, einen Fluss gespannt, an denen Trittbretter so befestigt sind, dass man Schritt für Schritt den Weg bewältigen kann. Die Hängebrücke schwankt mit jeder Bewegung. Menschen mit Höhen- und Fallängsten meiden sie. Andere wagen sich mutig darüber, hoffen, dass nichts passiert. Manchen bleibt auch mangels Alternativen keine andere Möglichkeit. Je weniger sie professionell gebaut worden sind, je älter sie sind, je mehr sie Regen, Wind und Temperaturunterschieden sie ausgesetzt sind, je seltener sie repariert und gewartet werden, desto gefährlicher sind sie, desto schwieriger ist es, sie zu überwinden, desto häufiger kann es zu meist tödlichen Abstürzen kommen. Lebensgefährlich können solche Hängebrücken sein, es kann vorkommen, dass die Seile reissen, die Trittbretter sich lösen, man sich nicht mehr halten kann.

Auf der Website http://brainz.org/10-most-terrifying-bridges-earth/ kann sich jeder davon überzeugen und nicht wenige werden sagen, dass sie nie im Leben sich dieser Gefahr aussetzen würden, man sei doch nicht lebensmüde. In Europa mit den vielen Sicherheitsvorschriften ist das anders.

Es gibt in der Schweiz und in Österreich Hängebrücken, die sind länger und verlaufen über grössere Höhen. In Deutschland ist die längste Hängebrücke 360 m lang und die maximale Höhe ist knapp 100 m.

Dank der Medien und des Internets ist sie schnell bekannt geworden. Sie ist noch kein Jahr alt und wurde im Oktober 2015 in Gebrauch genommen. Seit der Eröffnung wurde sie bereits von 45000 Menschen besucht.

Die Mosel ist ein Nebenfluss des Rheins. Sie entspringt in den Vogesen und durchquert den deutschen Bundesstaat Rheinland-Pfalz, bis sie in Koblenz in den Rhein mündet. Der Fluss bildet die südliche Grenze der Eifel und auf der anderen Seite beginnt der Hunsrück, beides Teile des Rheinischen Schiefergebirges. Das Gebiet nördlich und südlich des Flussverlaufes ist, nicht zuletzt auch wegen des Weinanbaus und einiger alter Burgen, ein beliebtes Touristenziel. Etwa 40 km von Koblenz entfernt, nicht weit von der gern besuchten Stadt Cochem liegt der Ort Treis-Karden an der Mosel. Von dort sind es nur 15 km in den Hunsrück hinein über eine landschaftlich wunderschöne Strasse, die sich grösstenteils an einen Bach schmiegt, der in vielen Kurven und Schlingen durchs Tal fliesst, bis man über Berg und Tal das Dorf Mörsdorf erreicht.

Nach einem etwa 2 km langen Spaziergang vom Parkplatz aus erreicht man die Geierlay-Hängebrücke.

Die Aussicht, wie sich die Brücke über das Tal schwingt, ist beeindruckend.

 


Foto: R.G.Bernardy
 

 „Als Brücken gelten alle Überführungen eines Verkehrsweges über einen anderen Verkehrsweg, über ein Gewässer oder über tieferliegendes Gelände, wenn ihre lichte Weite zwischen den Widerlagern 2,00 Meter oder mehr beträgt. […]“    Definition nach DIN 1076 aus Verkehrsblatt-Dokument Nr. B 5276 Vers. 07/97

Es gibt viele verschiedene Arten von Brücken. Diese Hängebrücke darf nur von Fussgängern benutzt werden, Fahrzeuge sind grundsätzlich verboten. Sie schwingt sich von einem Berg am Rande des Ortes Mörsdorf zum anderen am Rande des Ortes Sosberg. Der erste Eindruck ist, dass sie jeweils mit ihren Enden auf den beiden Bergplateaus aufliegt.

Zuerst geht man über die Brücke bergab, dann ein Stück horizontal und dann wieder bergauf, bis man das Ende auf der anderen Seite erreicht hat. Der Blick nach unten geht in der Mitte der Brücke nicht bis hinunter ins Tal, sondern man sieht einen Wald von oben. Man bekommt deshalb nicht den Eindruck, dass es bis ganz unten  ca. 100 m Tiefe sind. Die Brücke schwankt ein wenig, hervorgerufen durch einen leichten Wind und durch die sich auf ihr befindenden Fussgänger. Schliesst man die Augen, kann man den Eindruck bekommen, auf einem schwankenden Boot zu stehen, unter dem die Meereswellen rollen, aber nicht so stark, dass ich davon seekrank werden würde, sondern nur leicht. Auch durch ein Rütteln am Stahlseil am Rand der Brücke ist kaum eine Schwingung zu erzeugen.
Sie ist also sehr stabil gebaut. Technikinteressierte bekommen durch einen Blick nach unten und von unten hinauf unter die Brücke einen Eindruck.

Die tragende Konstruktion besteht aus vier unteren, geschlossenen Spiralseilen mit einem Durchmesser von 40 mm sowie zwei oben verlaufenden offenen Spiralseilen, die zusätzlich als Handlauf dienen und 32 mm stark sind. Die Verankerungen der Tragseile wurden je mit 6 Widerlager Dywidag-Ankerstangen von 63 mm Durchmesser realisiert, die bis zu 25 m tief in den Fels einzementiert wurden.

Schräg unterhalb der unteren Lastseile verlaufen zwei parabolisch montierte Windlastseile, die bei einer Vorspannung von 100 kN mit 9 m tiefen Geoflex-Ankern im Fels montiert sind. An diesen Seilen ist die Brücke schräg abwärts abgespannt, wodurch sie seitlich stabilisiert wird, damit sie sich bei starken Winden nicht überschlägt und generell ein gedämpftes Schwingungsverhalten zeigt.“ (Wikipedia)

 


Foto: R.G.Bernardy
 

Ich habe jedenfalls beim Hinüberlaufen keinen Nervenkitzel empfunden, im Gegenteil, es war ein kurzer Spaziergang mit einer hübschen Aussicht auf leicht unsicherem Untergrund, nichts weiter.
Die Brücke ist sicher, die Geländer hoch genug.

Wir entschieden uns, den Weg zurück nach Mörsdorf nicht wieder über die Brücke zu nehmen, sondern machten eine 3 km lange Wanderung durchs Tal. Zuerst ging es über einen breiten Weg, nach mehreren Schlingen wurde der Weg enger und schmaler, auf der einen Seite der Berg, auf der anderen Seite der Abhang. Längst war er nicht mehr fest, sondern durch die Regenfälle der vergangenen Wochen aufgeweicht und matschig. Die Sonnenstrahlen konnten selten bis zum Boden kommen, deshalb hilft der Erde wohl nur eine längere Trockenperiode. Unten im Tal plätschert der Bach, den man über ein paar Holzplanken überqueren konnte. Es blieb schmal und kurvenreich und direkt nach dem man den Talgrund verlassen hatte, versperrte ein dicker, entwurzelter Baum den Weg. Man musste über die Wurzeln hinüberklettern und aufpassen, dass man nicht im Matsch ausglitt. Die Hängebrücke war durch den dichten Baumbestand nicht zu sehen.

Der Pfad führte uns in Serpentinen immer weiter recht steil bergauf, bis irgendwann wieder ein breiterer Weg erreicht war. Die ersten Häuser des Dorfes kamen in Sicht. Mir kam der Gedanke, dass der Rückweg interessanter gewesen war als die Brückenüberquerung.

Es war etwa 2 Uhr am Mittag, wir wollten aber nicht essen gehen, sondern nur Kaffee trinken und ein Stück Kuchen oder ein Brötchen zu uns nehmen. Das Dorfcafé machte Werbung für sich auf kleinen Schildern, die an Laternenpfählen angebracht waren, aber auf der angegebenen Kirchstrasse war es nicht zu finden.

Wir entschlossen uns, zum Auto zurück zu laufen und auf dem Heimweg bei Maria Laach, ein Kloster mit Klosterkirche, einem Hotel, einem Café und kleinen Läden einzukehren und warfen vorher einen Blick auf den runden gleichnamigen Vulkansee, einer von mehreren Maaren in der Eifel.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Geierlay
https://www.google.de/?gws_rd=ssl#safe=active&q=Mörsdorf+Hängebrücke

 


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