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BLOG vom 02.02.2016


Ernährung mit ‚Bio’-Siegel oder ohne?

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

„Ernährst du dich biologisch?“
„Wie sonst?“
„Ich meine ‚Bio’!“
„Kann man sich auch nicht-biologisch ernähren?“
„Ich meine, wo das ‚Bio-Siegel’ draufsteht.“
„’Bio’ heisst bekanntlich ‚Leben’ und von toter Materie kann ich nicht leben!“
„Da stimme ich dir zu, aber ‚Bio’ bedeutet ‚besser’!“
„Wenn du einen Komparativ benutzt, musst du einen Vergleich hinzuziehen! Also ‚besser als’ was?“
„Besser als ohne Siegel!“
„Biologisch ernährst du dich mit oder ohne!“
„Ich kaufe jedenfalls nur Produkte mit einem ‚Bio’-Siegel nach der EG-Öko-Verordnung oder dem ‚Bioland’-Siegel.“
„Warum?“
„Weil ich mich gesund ernähren will.“
„Heisst das im Umkehrschluss, wenn ich Produkte ohne ‚Bio’-Kennzeichnung esse, ernähre ich mich ungesund?“
„Auf jeden Fall weniger gesund!“
„Was ist denn ‚gesund’?
„Richtig, vernünftig, normal, der Gesundheit zuträglich.“
„Also ernähre ich mich falsch?“
„Vielleicht nicht vernünftig!“
„Unnormal?“
„Es kommt darauf an, was man unter ‚unnormal’ versteht!“
„Ich dachte immer, dass es ‚ausserhalb der Norm stehend’ bedeutet.“
„So kann man das sehen.“
„Was ist denn die Norm?“
„Sich vernünftig zu ernähren!“
„Sieh’ mich an: Ich kaufe keine Produkte mit dieser Kennzeichnung. Ich esse alles, was mir schmeckt. Ich schränke mich ein mit dem Fleischgenuss, esse also nicht jeden Tag Braten oder Hühnchen. Ich fühle mich gesund. Den Arzt sehe ich selten. Bin ich unvernünftig?“
„Jedenfalls nicht nachhaltig!“
„Schon wieder so ein Wort! Und was heisst das nun wieder?“
„Sich nachhaltig zu ernähren heisst, mit einer länger anhaltenden Wirkung, und auch, dass ich nur soviel esse, wie auch wieder nachwächst!“
„Bleibt man vom Verzehr von ‚Bio’-Lebensmitteln länger satt oder was wirkt länger?“
„Na ja, ich will jedenfalls nachhaltig gesund bleiben!“
„Meinst du mit ‚nachhaltig’ mehr Lebensjahre?“
„Ich denke schon, jedenfalls glaube ich daran. Und besser für die Umwelt.“
„Ich bin der Meinung, keiner weiss, wie alt er wird, trotzdem soll ich ‚Bio’ leben?“
„Musst du nicht, das bleibt dir überlassen. Aber vernünftiger wäre es!“
„Für wen? Für mich oder für den Bauern, der damit mehr Geld verdienen kann?“
„Für beide, für dich und für den Bauern. Der tut auch etwas dafür: Er hat nur so viele Kühe, wie er auch selbst deren Futter erzeugen kann. Er hält die Tiere artgerecht. Er vermeidet Chemie in der Aufzucht der Tiere, bei der Schädlingsbekämpfung und verwendet keine Hormone oder Antibiotika und Gentechnik.“
„Du willst also sagen, wenn ich mich nicht ‚Bio’ ernähre, belaste ich meinen Körper mit Schadstoffen.“
„Genau!“
„Also ist in der Gülle, die die Bauern auf die Felder schütten, keine Chemie und darin sind keine Schadstoffe?“
„Gülle ist ein Naturprodukt! Natürlich kommt es immer auf die Menge an!“
„Du meinst also, wenn du dich ‚Bio’ ernährst, wirst du nicht so schnell krank und lebst länger!“
„Genau!“
„Und woher kommt das, dass die Lebenserwartung allgemein immer weiter ansteigt? Nur durch ‚Bio-Ernährung’?“
„Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass ich mich vernünftiger ernähre als du!“
„Vernünftiger für den Geldbeutel?“
„Na ja, wenn ich mehr für Lebensmittel ausgebe, kann ich mir weniger andere Sachen kaufen.“
„Und das ist vernünftig?“
„Jedenfalls belaste ich die Umwelt dadurch weniger!“
„Wenn ich der Meinung bin, das muss ich nicht haben wollen, lasse ich es auch!“
„Also lebst du auf deine Art auch nachhaltig.“
„Auch ‚Bio’?“
„Das kann man nicht sagen. Du stopfst mehr Chemie in dich hinein.“
„Du nicht? Chemie bedeutet Eigenschaften, Aufbau und Umwandlung von Stoffen. Verarbeitet dein Körper die Lebensmittel nicht?“
„Du willst mich nicht verstehen! Ich meine chemische Schadstoffe.“
„So wie Lebensmittelfarben, Aromastoffe, Konservierungsstoffe?“
„Ja genau, die sind in ‚Bio’-Produkten weniger vorhanden.“
„Aber ganz ohne das geht es auch bei ‚Bio’ nicht!“
„Das kann schon sein! Aber auf jeden Fall fühle ich mich gut dabei!“
„Und ich fühle mich auch gut ohne ‚Bio’!“
„Ich verlasse mich auf mein Gefühl!“
„Und was machst du jetzt?“
„Ich muss zum Arzt, ich habe eine Allergie!“
„Trotz ‚Bio’?“
„Das hat damit nichts zu tun! Das ist umweltbedingt!“
„Weisst Du, warum ich keine Allergien habe?“
„Erzähl’s mir!“
„Weil ich als Baby Sand gegessen habe!“
„Verstehe ich nicht!“
„Jedenfalls haben sich in meinem Körper dadurch bei meinem Immunsystem mehr Abwehrzellen entwickelt!“
„Jetzt spinnst du aber!“
„Ist aber so! Das ist richtig biologisch!“
„Unsinn, Sand hat kein Umweltsiegel!“
„Dafür kostet er nichts!“
„Ich bleibe bei ‚Bio’, es schmeckt mir besser!“
„Besser als ‚Nicht-Bio-Lebensmittel’? Wenn das nicht bloss Einbildung ist!“
„Wie meinst du das?“
„Lies mal:
‚Die Stiftung Warentest hat acht Jahre lang 250 Bio- und mehr als 1 000 konventionelle Produkte getestet und miteinander verglichen. Das Ergebnis dürfte einigen Bio-Fans gar nicht schmecken: Die teuren Produkte sind nicht zwingend gesünder oder besser als herkömmliche Lebensmittel. - Ein Preis, der sich auszahlt, meint man. Schliesslich erwirbt man Qualität, Gesundheit und ein gutes Gewissen gleich dazu. Doch das stimmt so nicht ganz, erklärt jetzt die Stiftung Warentest nach einer Langzeitstudie. In der Gesamtqualität, so das abschliessende Urteil, ist Bio im Durchschnitt nicht besser, als herkömmliche Lebensmittel, enthält im Schnitt sogar genauso viele Keime. Auch der oft gepriesene gute Geschmack von Bio-Produkten konnte nicht belegt werden.’“
Und was sagst du jetzt?“
Schmollt: „Ich bleib’ doch bei ‚Bio’!“

 

Quelle:
http://eatsmarter.de/gesund-leben/gesundheit/neue-test-ergebnisse-warum-bio-besser  (Nov. 2015)

 


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