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BLOG vom 15.12.2015


Therapien gegen das Altern und was daraus geworden ist

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland


Vor einigen Tagen fiel mir ein Buch mit dem Titel „Schach dem Alter“ von André Sonnet in die Hände. Diese Ausgabe erschien wahrscheinlich 1961 als Lizenzausgabe für den Bertelsmann Lesering mit Genehmigung des Katzmann Verlages, Tübingen, und ist ohne Angabe eines Ausgabejahres. Sachbücher aller Art ohne eine Jahrgangsangabe zu veröffentlichen, ist ein Trick, um einen Verkauf über längere Zeit hinweg zu gewährleisten. So kann man im Antiquariat diesen Titel mit einer Jahresangabe von 1970, bei Bertelsmann erschienen, erwerben. Die Erstausgabe aus dem Katzmann Verlag erschien 1958. Der Untertitel zu diesem Buch lautet „Von der Kunst, lange und gesund zu leben“, der Autor widmete das Buch „dem Vorkämpfer der Alterswissenschaft“, Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836).

Über den Autor André Sonnet ist nur zu erfahren, dass er sich weiteren Sachgebieten gewidmet und darüber geschrieben hat. Das mir vorliegende Buch ist eine Zusammenfassung der Alterswissenschaft mit dem Stand der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und dem Autor zufolge „das Ergebnis einer fast ein Jahrzehnt währenden Beschäftigung mit gerontologischen Problemen und einer langjährigen Tätigkeit als Dozent für Altersfragen“.

Ein Vorwort ist immer auch dazu da, um Lust auf das Buch zu wecken. Das hat Sonnet mit dieser Aussage versucht:

Altwerden und Jungbleiben ist kein Traum mehr. (.) Das Altern ist nach heutigen Erkenntnissen keineswegs naturnotwendig und ein unabwendbarer Prozess. Durch eine zweckmässige Altershygiene, die Pflege unserer geistigen Fähigkeiten und nicht zuletzt durch eine optimistische Seelenhaltung lässt es sich weitgehend überwinden.“

Diese Behauptung gilt im 21. Jahrhundert nicht mehr. Auch wenn die  vorgeschlagenen Methoden möglicherweise lebensverlängernd wirken können, lässt sich dadurch nicht „das Altern überwinden“. Heutzutage geht man davon aus, dass es kein gegen das Altern wirksames Arzneimittel gibt. Für keine Substanz wurde – unabhängig vom Zulassungsstatus – bisher der wissenschaftliche Nachweis erbracht, dass sie beim Menschen das Altern verzögern oder gar stoppen kann.

Aber vielleicht meint der Autor sein Vorwort nicht so, wie ich es verstehe, denn am Ende des Abschnitts, in dem die Gerontologie vorgestellt wird, zitiert Sonnet aus dem Buch „Die inneren Erkrankungen im Alter“, aus dem Jahre 1937 von Prof. Müller-Deham (Wien), der die ganze Problematik so umrissen habe:

„Alter und Altern sind keine wissenschaftlichen Begriffe. Worte und Inhalt entstammen der allgemeinen Lebenserfahrung, umfassen sehr Verschiedenartiges und sträuben sich daher gegen eine kurze und einheitliche Definition, die nicht gelungen ist und nicht gelingen kann.“

Jedenfalls unterstützt André Sonnet die Überzeugung, dass das Alter keine Krankheit ist, sondern ein physiologischer Lebensvorgang, der mit der Geburt beginne und mit dem Tod ende.

Zum Motiv der Gerontologie zitiert der Autor den „Gelehrten Rubner“:

„Die ganze Kunst, das menschliche Leben zu verlängern, besteht zuerst darin, es nicht zu verkürzen!“, eine Ansicht, die die heutigen Ziele dieses Wissenschaftszweiges nicht annähernd umfasst, reflektiert diese doch vor allem den Wandel des Altersbildes in der Gesellschaft und verknüpft die unterschiedlichen Fachbereiche wie Geriatrie, Gerontopsychatrie, Altenpflege und Sozialarbeit.

Im ersten Kapitel schreibt André Sonnet über viele Aspekte, die auch heute noch thematisiert werden, etwa über den Unterschied zwischen „körperlichem und seelischem Alter“, darüber, dass geistige Aktivität lebensverlängernd sei, dass Korpulenz das Leben verkürze, über „Alterstugenden“, gesunde Ernährung, richtiges Atmen, „Körperpflege und gutes Aussehen im Alter“ und so weiter.

Eine Überschrift sticht aus diesen Themen hervor: „Hypochonder leben länger!“ Wie das?

Sonnet geht von folgender lexikalischer Definition aus: „Dauernde Selbstbeobachtung des Körpers, wobei selbst harmlose Vorgänge vom Hypochonder als Krankheit gedeutet werden und das Gesamtbefinden beeinträchtigen. Sie ist meist Ausdruck einer Neurose, seltener einer echten Geisteskrankheit.“

Sonnet unterscheidet zwischen einem „vernünftigen“ und einem „unvernünftigen“ Hypochonder, beim ersteren „überlagert der Selbsterhaltungstrieb den Selbstvernichtungstrieb. – Kurz gesagt: er ist ein vernünftiger Mensch, der das Dasein schön findet und es nicht vorzeitig aufgeben möchte. Dieser Typ des Hypochonders lebt nachweislich am längsten“, und zitiert den „berühmten Arzt Oster“: „Wer  lange leben will, muss sich eine chronische Krankheit zulegen und dementsprechend achtsam leben.“

Also – fragen Sie Ihren Arzt: er wird gewiss auch bei Ihnen etwas finden und Ihnen Ratschläge geben, wie Sie damit lange leben können! Es kann nämlich auch lebensverlängernd sein, die Scheu vor dem Arztbesuch und die Angst vor dem Arzt zu überwinden. Denn: „der schlimmste Feind der Menschen ist die Neigung zum Aufschieben von Handlungen, die nicht herausgezögert werden sollten.“ Dazu gehöre auch das Verschweigen wichtiger Symptome aus falscher Scham oder aus anderen Gründen.

Bis hierhin kann man dem Autor mehr oder weniger zustimmen. Die letzten 50 des 249 Seiten umfassenden Buches sind allerdings mit grosser Skepsis zu betrachten.

Im Kapitel „Männlichkeit und Alter“ stellt André Sonnet das Testosteron vor. Er berichtet, dass wenige Milligramm genügten, um bei männlichen Erwachsenen, deren Genitalien infantil geblieben waren, er nennt sie „Euchnoiden“, „Männer“ zu machen. Selbst kleinste Dosen hätten bei Männern zwischen 53 und 67 Jahren eine messbare Verbesserung der Muskel- und Nervenkraft bewirkt, ja sogar Angina pectoris verbessert und krankhafte Altersmelancholie geheilt. Ein Arzt namens Dr. Kearnes habe bei einem Pferd eine Regeneration des alternden Organismus ermöglicht. Als Heilmittel auf den Markt gekommen, habe das Mittel Testoviron sogar vielen Kriegsheimkehrern, die an vegetativer Dystonie litten, „neue Lebenskraft geschenkt und sie wieder zu Männern gemacht“.

Testosteron ist ein Sexualhormon, das bei einigen krankhaften Befunden immer noch eingesetzt wird. Es ist aber auch als verbotenes Dopingmittel bekannt geworden.

Wikipedia macht eine interessante Anmerkung:

Da eine externe Testosteronverabreichung von der Natur nicht vorgesehen ist und künstliche Testosteronsalben und Matrixpflaster erst sehr kurz am Markt sind, ist über Risiken und Langzeitnebenwirkungen noch nichts bekannt. Externe Testosterongaben könnten die Fähigkeit des Körpers, selbst Testosteron zu produzieren, vorübergehend oder gar dauerhaft beeinträchtigen.“

Ausserdem werden eine ganze Reihe möglicher Nebenwirkungen bei Zufuhr synthetischer Testosterone aufgelistet, u.a. Leber- und Nierentumorbildung, Schädigungen des Herzmuskels und des Herz-Kreislauf-Systems, Arteriosklerose, Thrombose, Schlaganfall, Veränderung der Behaarung (Kopfhaarausfall und verstärkte Körperbehaarung) und psychische Probleme.

Dass Testosteron bei Prostata-Leidenden Krebs verursachen kann, erwähnt André Sonnet am Ende des Abschnitts allerdings auch schon einschränkend.

Im folgenden Abschnitt stellt der Autor das Bogomoletz-Serum und die Frischzellentherapie vor, die 1957 auf dem Internationalen Gerontologen-Kongress in Meran zu Proteststimmen gegen den Vortrag des sowjetischen Professors Martschuk geführt haben. André Sonnet erwähnt den Wissenschaftler Professor Kihn, der über 500 Patienten mit dem Bogomoletz-Serum behandelt und damit unheilbare Krankheiten besiegt hätte, wie hartnäckige Magengeschwüre, Ischias und Erkrankungen des Nervensystems, mit guten Erfolgen bei Herz- und Gefässstörungen (der Managerkrankheit). Professor A.A. Bogomoletz ging in dem heute nach ihm benannten Physiologischen Institut in Kiew davon aus, dass der Mensch so alt sei wie sein Bindegewebe und das Mittel, das „aus zerriebener frischer menschlicher Milz und frischem menschlichen Brustbeinmark Verstorbener“ hergestellt worden war, als Serum bei Alterserscheinungen und den Heilungsprozess nach Operationen Verwundeter im 2. Weltkrieg neben anderen positiven Ergebnissen erfolgreich gewesen sei.

Die Meinungen über das Mittel gehen weit auseinander. Neben den Befürwortern gab es vehemente Stimmen gegen das Serum, ebenso wie gegen eine Frischzellenbehandlung.
Die Weiterentwicklung des Bogomoletz-Serums wird Wiedemann-Serum-Therapie genannt, nach dem Ambacher Arzt Fritz Wiedemann (1911-1991).

Im Zuge strengerer Vorschriften zum Patientenschutz (insbesondere auf Grund von Beobachtungen zu BSE und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) bekam die Wiedemann-Kur keine Zulassung und wurde 1998 eingestellt. Einige Anbieter der Wiedemann-Seren (etwa die Schwarzwald-Privatklinik Obertal) gingen danach übergangslos dazu über, homöopathische Ersatzmittel anzuwenden (‚Sanotrop’-Produkte).

Der folgende Abschnitt im Buch ist „Wunderspritze gegen das Altern“ überschrieben. Man sei davon ausgegangen, wenn Nervengifte eine Arteriosklerose verursachen können, dann müsse ein Mittel, das beruhigend und entspannend auf das Nervensystem wirke, auch das Gegenteil erreichen. Wieder waren es Bukarester Gerontologen unter Leitung von Prof. C.J. Parhon und Frau Prof. Dr. Anna Aslan, die damit begonnen, mit Novokain zu experimentieren und „veranlasst durch die Erfolge des Düsseldorfer Arztes Dr. Huneke, der nach einem von ihm entwickelten Verfahren mittels Novokain-Einspritzungen erstaunliche Heilungen erzielt hatte“, begannen sie gleichfalls Versuche. Die westliche Welt habe sich erst spät von der Wirkung überzeugen lassen. Vor allem habe das Mittel Erfolge bei der Behandlung von Alterserscheinungen vorweisen können.

Die Methode wird jetzt „Neuraltherapie nach Huneke“ genannt. Sie liegt der Erkenntnis zugrunde, dass es sich bei chronische Entzündungszuständen um „Störfelder“ handele, die man finden müsse und durch eine Injektion eines Lokalanästetikums die Störwirkung unterbrechen könne. Vor allem naturheilkundlich orientierte Ärzte konnten die Behandlung früher durchführen, allerdings wurde die Verwendung von Procain und Lidocain (eine Weiterentwicklung von Novokain) unter Verschreibungspflicht gestellt und damit die Verwendung durch Heilpraktiker weitgehend unterbunden. Bei der Neuraltherapie kann es zu teilweise tödlich verlaufenden Nebenwirkungen kommen: Hirnblutungen, Verletzungen der Bauchspeicheldrüse, Perforation des Augapfels, Krampfgeschehen und allergische Reaktionen sind nur einige von ihnen.

Auch hier ist von der anfänglichen Euphorie, wie sie noch in dem vorliegenden Buch anklingt, nichts mehr zu spüren.

Der folgende Abschnitt „Die indische Zauberwurzel“ ist einem Mittel gewidmet, das gegen Bluthochdruck eingesetzt wurde. Es stammt aus der Wurzel eines indischen Strauches unter dem Namen „Schlangenholz“ und wurde durch den französischen Botaniker Charles Plumier“ Rauwolfia genannt, nach Leonhard Rauwolf, geboren um 1540, der entdeckt hatte, dass die Wurzel auch beruhigende Wirkung haben soll. Man entdeckte, dass die Wurzel ein Alkaloid und zwar Reserpin, das 1951 isoliert werden konnte, enthält. Was wird der Wurzel nicht alles nachgesagt! Sie scheint zentrale autonome Gebiete gegen Reize aus den peripheren Gebieten des Organismus abzuschirmen und dämpfe dadurch eine chronische Reizbarkeit, bewirke ein Absinken des erhöhten Blutdruckes und sei ein Mittel gegen Schlaganfall, Herz- und Kreislaufstörungen und gegen die Managerkrankheit geworden. Es ist eine ayurvedinasche Pflanze, die allerdings wegen verschiedener Nebenwirkungen immer seltener eingesetzt wird. Diese sind u.a. eine Schwellung der Nasenhaut (sog. „Reserpin-Schnupfen“), Libido- und Potenzverlust, Durchfall, Magen- und Darmgeschwüre, Menstruationsbeschwerden bis zur Schädigung Ungeborener.

Ginseng wird in dem Kapitel „Ein jahretausendealtes Mittel zur Jungerhaltung“ nachgesagt, es bewirke eine Verjüngung des Herzens, der Haut und der Drüsen und mache sogar verkalkte Blutgefässe wieder elastisch. Es gilt heutzutage als Stärkungsmittel und steigert die körpereigene Abwehr gegen Stress und Krankheit. Nebenwirkungen sind nur wenige bekannt, so z.B. dass es die Blutgerinnung beeinflusse und zu einer verlängerten Blutungszeit führen kann.

Der nächste Abschnitt ist trägt den Titel „Das Leben verlängern“ und beschreibt Versuche des „namhaften Wissenschaftlers und Biologen“ Prof. Dr. W. Goetsch aus Graz. Er entdeckte, wenn man Ameisen mit Stücken von Insektenfleisch, Termiten oder Mehlwürmern füttere, wüchsen „plötzlich in wenigen Stunden“ daraus Riesenlarven heran, aus denen ausschliesslich Soldaten und Arbeiterinnen entstünden, die wesentlich grössere und breitere Köpfe mit stark ausgeprägten Kiefern als ihre Artgenossen aufwiesen. Er nannte den „merkwürdigen Wachstumsstoff“ zuerst „Termitin“ und dann den „T-Faktor“. Nach einer Reihe von Versuchsstadien wurde in den 50er Jahren, der ursprünglich aus Termiten gewonnene Wirkstoff aus der Hefe „Torula“ extrahiert. Der Autor beschreibt Erfolge bei der Stoffwechselstörung „Atrophie“ bei Säuglingen und Kleinkindern, bei Tuberkulosekranken wurde der Appetit gesteigert, eine günstige Beeinflussung des vegetativen Nervensystems, u.a.

Die heute benutzte Bezeichnung ist „L-Carnitin“, eine Ammoniumverbindung, die ein natürlicher Bestandteil der Muskulatur von Säugetieren, also auch von Menschen, ist. Die Herz- und Skelett-Muskulatur weist relativ gesehen den höchsten Anteil auf. Es gehört zu den sog. Vitaminoiden, (vitaminähnliche Verbindungen) übrigens auch für Insekten, daher wird er auch als essentieller Wachstumsfaktor bei Mehlwürmern „Mehlwurmfaktor“ genannt. Es ist eine körpereigene Substanz und bei bestimmten Krankheiten können Mangelerscheinungen auftreten, auch bei vegetarischer Ernährung und starker körperlicher Belastung. In diesen Fällen wird der Wirkstoff als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt, um den Bedarf, der z.B. durch den fehlenden oder unzureichenden Genuss von Rindfleisch (100 g enthält 90mg Carnitin) und Milch (1 Liter enthält 10-20 mg) entstehen kann, zu ergänzen oder zu ersetzen. Andere Anwendungsgebiete weist die heutige Literatur dazu übrigens nicht aus!

Der vorletzte Abschnitt ist mit „Das Geheimnis des Bienenköniginnen-Saftes“ benannt und beschreibt die Nahrung für die Bienenköniginnen-Larven, „eine Flüssigkeit, die der Kondensmilch ähnelt“ und dafür sorgt, dass die die Königin „innerhalb von 4 Tagen ihr Gewicht um das 1500fache vermehrt und dass sie imstande ist, täglich das 2-3fache ihres Gewichtes an Eiern zu produzieren“. Eine Anwendung beim Menschen habe, so der Autor „selbst in kleinen Mengen eine anregende, erfrischende und verjüngende Wirkung, ohne Begleiterscheinungen“ gezeigt. Abwehrkräfte gegen alle möglichen Störungen, wie Erschöpfungszustände, Infektionskrankheiten, Verminderung der Blutgerinnung bei arteriosklerotischen Erkrankungen, usw. könnten durch dieses Stoff, der den Namen „Gelée royale“ erhielt, gesteigert werden. Es wurde auch bei der Frischzellentherapie eingesetzt.
Da es aber nur in kleineren Mengen erhältlich ist, „ein Bienenvolk kann innerhalb einer Tracht nur 1 g produzieren“, sei es allerdings sehr teuer.

Gelée royale enthält u.a. Kohlenhydrate, Eiweiss, B-Vitamine, und Spurenelemente. Der Grossteil kommt übrigens aus China und wird heutzutage lt. Wikipedia zu Preisen um 100 Euro pro Kilogramm angeboten:

Zur Gewinnung wird einem Bienenvolk die Königin entfernt und es werden vorgefertigte Königinnenzellen in den Bienenstock eingesetzt. Um den Futterstoff isolieren zu können, müssen die Königinnenlarven nach drei Tagen entfernt werden. In einer Bienensaison kann ein Bienenvolk dazu gebracht werden, ca. 500 g Gelée Royale zu produzieren. Das Entfernen der Königin bedeutet für das Bienenvolk eine extreme Stresssituation und einen massiven Eingriff in das Gleichgewicht des Volkes, daher lehnen naturnah wirtschaftende Imker die Produktion von Gelée Royale generell ab. Gelée Royale findet Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln und in kosmetischen Präparaten; als Ausgangsstoff für Präparate der Arznei hat es zumindest in den deutschsprachigen Ländern heute keine Bedeutung mehr.“
Bei dem Produkt aus China wird auch bezweifelt, ob es wirklich reines Gelée Royale ist, da die Gewinnung sehr aufwendig ist.

Denn auch bei Genuss dieses Mittels kann es zu Nebenwirkungen, wie allergischen Reaktionen, kommen, bis zu lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schocks.

Im Nachwort zitiert André Sonnet Konfuzius:

„Drei Wege gibt es für den Menschen, klug zu handeln: erstens: durch Erfahrung – das ist das Bitterste, zweitens: durch Nachahmung – das ist das Leichteste, drittens: durch Nachdenken – das ist das Edelste.“

Der Autor gibt noch den guten Rat, wie man dem „psychischen Alpdruck des Alters“ begegnen kann und zitiert dazu Marie von Ebner-Eschenbach:

Man bleibt jung, solange man lernt, neue Gedanken anzunehmen, und Widerspruch vertragen kann!“

Die Lektüre dieses Buches bringt die Bestätigung, dass eine erste Euphorie bei „Wundermitteln“ immer zu einer gesunden Skepsis führen sollte, denn – wie wir gesehen haben – bewahrheiten sich die damit verbundenen Versprechungen meistens nicht. Nebenwirkungen zeigen sich erst nach einiger Zeit. Irrtümer lassen sich nie ausschliessen; auch wenn es die vermeintlichen Erfolge suggerieren, kann es keine absolute Gewissheit geben.

 

Quellen:
Sonnet, Andrée, Schach dem Alter – Von der Kunst, lange und gesund zu leben, Bertelsmann Lesering, Gütersloh, o.J.

Eine gute Übersicht zum Thema ist zu finden in:
Stoff, Heiko, Ewige Jugend: Konzepte der Verjüngung vom späten 19. Jahrhundert bis ins 3. Reich – Böhlau Verlag Köln 2004

Internet
http://wirksam-oder-unwirksam.blogspot.de/2013/01/hat-gelee-royale-gesundheitsfordernde.html
http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/STAPFIA_0075_0031-0038.pdf
http://d-nb.info/986596841/34
https://en.wikipedia.org/wiki/Gerovital
https://de.wikipedia.org/wiki/Testosteron
https://www.psiram.com/ge/index.php/Serumtherapie_nach_Bogomoletz
http://www.chemikalienlexikon.de/cheminfo/6622-lex.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Neuraltherapie
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Steinach
Ewige Jugend: Konzepte der Verjüngung vom späten 19. Jahrhundert bis ins Dritte Reich

 


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