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BLOG vom 12.12.2015


Recherchen 23: Helfen Hühnersuppe und Zink bei Erkältung?

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D


Aus dem Leserkreis und bei Vorträgen werden immer von Wissbegierigen Fragen gestellt. Eine kleine Auswahl von Fragen und die dazugehörigen Antworten werden in diesem Blog präsentiert.

Im Vortrag „Erkältungsschutz mit Heilpflanzen und Hausmitteln“ von Frank Hiepe (s. Blog vom 03.12.2015) im „Klösterle“ in Schönau wurde die Frage gestellt, ob Hühnersuppe wirklich bei Erkältungen helfe.

Meine Oma und Mutter empfahlen immer wieder diese Suppe, schon bei den geringsten Anzeichen einer Erkältung. Damals und auch heute konnten wir nicht so recht glauben, dass dieses alte Hausmittel eine Wirkung erzielt.
Inzwischen ist die Wirkung von Hühnersuppe wissenschaftlich erwiesen. Wie die Zeitschrift „Brigitte“ erwähnte, zeigten Forscher der Universität Nebraska im Laborversuch, wie die Suppe wirkt. Das Ergebnis war interessant: Die Hühnersuppe blockiert bestimmte weisse Blutkörperchen, die für Entzündungen und Schwellungen der Schleimhäute verantwortlich sind.
Darüber hinaus enthält die Suppe Vitamine, Eisen und Zink – und diese sind wirksam bei einem geschwächten Immunsystem.

Wir mussten damals die Suppe heiss schlürfen, das wärmte von innen und man kam gehörig ins Schwitzen. Übrigens wurde auf das Schwitzen viel Wert gelegt. Manchmal mussten wir uns noch mit einem Betttuch und einer Decke dick einpacken. Wir Kinder waren dann froh, wenn wir aus diesem „Korsett“ wieder befreit wurden.

Was tun bei Halsschmerzen?
In der Serie „Achtung Pflanze“ der „Badischen Zeitung“ publizierte Frank Hiepe auch einen Beitrag über Erkältungsschutz. Ein Leser (Martin) lag die folgende Frage auf dem Herzen:
„Ich hatte bis vor einigen Tagen auch gedacht, ich könnte mit Wärme (Salbeitee und Salzlösung gurgeln und trinken; Salbei- und Kamillendämpfe inhalieren) meine Halsschmerzen bekämpfen. Im Gegenteil. Aus anfänglichen Halsschmerzen (denen man mit Wärme noch entgegenwirken kann) wurde eine Rachenschleimhautentzündung und schliesslich eine Mandelentzündung, die ich nach 2-3 Tagen mit Antibiotika behandelte.“

Antwort von Frank Hiepe: „Wahrscheinlich kam zu dem viralen Infekt noch ein bakterieller dazu. Dann sind Antibiotika erforderlich. Die bewährten Hausmittel sollte man dennoch begleitend anwenden.“

Meine Frau ist schwanger, was einnehmen?
Michael H. schrieb: „Meine Frau ist im 4. Monat schwanger und hat sehr starken Husten. Was kann sie einnehmen/anwenden, um nicht dem Baby zu schaden?“

Antwort von Frank Hiepe: „Für Schwangere sind geeignet: Spitzwegerichsaft, eine Teemischung aus gleichen Teilen Thymian, Spitzwegerich und Wollblumen, gesüsst mit Tannenhonig. Weitere Empfehlungen: Heisser Holunderfrüchtesaft und Brustwickel.“

Ab und zu erfahren wir auch Tipps von Lesern. Christine schrieb: „Den Blog finde ich gut und auch wichtig: Die Natur hat doch sehr viel zu bieten! Mein Tipp: Frischpresssaft von Thymian und Spitzwegerich, wenn es zum Teetrinken noch einen zusätzlichen Heilungsschub oder Beschleuniger braucht.“
Empfohlen wird der Press-Saft aus frischem Spitzwegerichkraut und aus frischem Thymiankraut von der Firma Walther Schoenenberger.

Spitzwegerich ist hilfreich bei Husten, Heiserkeit, Keuchhusten, Verschleimung. Gebraucht wird er auch als Gurgel- und Spülmittel bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes.

Thymian wirkt bei Bronchitis, Husten, Heiserkeit, Blähungen und Völlegefühl. Ein Thymianbad ist wirksam bei Ekzemen, Bronchitis, Husten, Schnupfen.

Helfen Zink und Vitamin C?
Ein Leser, der schon vor der Erkältungszeit Zink und Vitamin C einnimmt, wollte wissen, ob diese Stoffe unentbehrliche Helfer sind oder gar nicht so helfen, wie propagiert wird.
Die Umsätze mit diesen Mitteln lagen 2014 in Deutschland bei über 60 Millionen Euro.
Betrachten wir einmal die Wirkungen dieser beiden Stoffe.

Vitamin C stärkt das Immunsystem, ist beteiligt am Bindegewebsstoffwechsel und an der Kollagenfaserbildung. Das Vitamin C ist wichtig für die Wundheilung. Es fördert die Eisenaufnahme und ist ein biologischer Entgiftungsfaktor. Es besitzt Radikalfänger-Eigenschaften.

Zink aktiviert 70 für den Menschen wichtige Enzyme, erhöht die Insulinwirkung, beeinflusst Sexualhormone, spielt beim Dämmerungssehen und bei der Wundheilung eine Rolle. Es ist notwendig beim Aminosäurestoffwechsel und unterstützt das Abwehrsystem. Es verbessert sowohl die zelluläre als auch die humorale Immunabwehr des Körpers.

Wirkung bei Erkältung: Beide Stoffe unterstützen das Immunsystem. Es gibt Studien, die zeigen, dass Zink die Dauer und Schwere von Erkältungen reduziert.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 100 mg Vitamin C und eine tägliche Zinkgabe von 10 mg.
Wer zu wenig langfristig von Zink und Vitamin C aufnimmt, neigt eher zu Infekten. Aber eine Unterversorgung ist bei uns nicht unbedingt gegeben.

Eine Extraportion ist laut DGE nicht notwendig. Die Vize-Präsidentin des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren e.V. (ZÄN), Dr. Monika Pirlet-Gottwald  ist anderer Meinung. Sie betonte, dass in ihrer Praxis Patienten mit einer Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen vorkommen. Vegetarier, Veganer, Rohköstler, Magen-Darm-Kranke, Alkoholiker könnten unterversorgt sein. Auch Lebensumstände wie Stress oder die unvorteilhafte Zubereitung und Kombination von Speisen können eine Unterversorgung bedingen.

Die oft propagierte zusätzliche Zufuhr von Vitamin C oder Zink kann nicht unbedingt vor Erkältungen schützen, aber den Verlauf abschwächen und die Krankheitsdauer etwas reduzieren.
Von besonderer Bedeutung ist, dass wir natürliches Vitamin C (Acerola-Saft, Hagebutte, Sanddorn, Paprika, Grünkohl) aufnehmen. Die Begleitstoffe führen zu einer verbesserten Verfügbarkeit.
Die früher vom Nobelpreisträger Linus Pauling propagierte Zufuhr von Vitamin C
in Gramm-Mengen ist nicht notwendig. Überschüssige Dosen an Vitamin C werden nämlich mit dem Urin ausgeschieden.

Extraportionen Zink bekommen Sie durch die Aufnahme von Haferflocken, Paranüsse, Kürbiskerne, Weizenkeime, Roggenkeime, Hefe, Hülsenfrüchte, Mohnsamen, Austern, Käse, Fleisch, Geflügel.

Toxische Wirkung von Zink: 100 mg Zink pro Tag gelten als toxisch (Anämie, wohl durch Wechselwirkung mit Kupfer ausgelöst).  DGE: „Selbst eine kurzfristige Zufuhr von etwa 50 mg Zink pro Tag führt zu Wechselwirkungen mit dem Eisen- und Kupferstoffwechsel. Von einer Zinkzufuhr über 30 mg/Tag wird daher abgeraten.“
Kinder sollten laut Bundesinstitut für Risikoforschung keine zusätzliche Zinkmenge aufnehmen.

 

Hinweis auf die vorangegangenen Recherche-Blogs
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29.06.2014: Recherchen (13): Welche Ursachen haben Muskelkrämpfe?
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26.01.2014: Recherchen (10): Der Kröver Nacktarsch. Woher der Name?
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16.08.2013: Recherchen (7): Sind in Blümchentees schädliche Stoffe?
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