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BLOG vom 23.06.2015


Schokolade – eine gesunde Versuchung?
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

„Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne“, bemerkte einst der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt.

Der spanische Konquistador Hernando Cortés war ganz aus dem Häuschen, als er das Kakaogetränk der Azteken kennengelernt hatte. Er schrieb: „Das göttliche Getränk, das die Widerstandsfähigkeit erhöht und Müdigkeit bekämpft. Eine Tasse dieses wertvollen Getränks erlaubt einem Mann einen ganzen Tag ohne Essen zu laufen.“

Die Geschichte des Kakaos begann vor 3000 Jahren in den Hochkulturen Mittelamerikas. Die Olmeken waren wohl die ersten, die Kakaobäume züchteten. Bei den Mayas und Azteken waren Schokoladengetränke sehr beliebt. Die Kakaobohnen waren nicht nur Handelsgut, sondern wurden zum Kultsymbol und Zahlungsmittel. Die Bohnen waren ein intelligentes Gegenstück zu den Münzen aus Metall. Kein Wunder, dass die Könige seinerzeit riesige Mengen dieser Bohnen in ihren Schatztruhen lagerten. Die jährlichen Ausgaben des Hofes von Nezahualcoyotl (dem König von Texcoco) wurden mit 2 744 000 Bohnen angegeben. Bei den Azteken war die Schokolade in flüssiger oder fester Form der Elite vorbehalten. Auch durfte die schäumende Schokolade bei keiner mittelamerikanischen Hochzeitfeier fehlen.

Nach der Eroberung Mittelamerikas durch die Spanier kam auch die Schokolade bzw. der Kakao nach Europa. Zunächst erfreuten sich die Spanier, dann Italiener und Franzosen an dieser Köstlichkeit. Jedoch hatte die Schokolade in allen katholischen Ländern eine Hürde zu überwinden. Es entbrannte ein Streit, ob die Schokolade eine Fastenspeise sei oder keine. Die Konsumenten behaupteten, die Schokolade sei ein Getränk. Befürworter waren die Jesuiten, die einen lebhaften Handel mit Schokolade betrieben. Dominikaner, die mit den Jesuiten nicht gut konnten, argumentierten, die Schokolade sei zu nahrhaft und als Speise zu gelten. Einige Päpste sorgten dann für Klarheit: Die Schokoladengetränke brechen das Fasten nicht.

Gewinnung von Kakaobohnen

Aus den Blüten, die direkt am Stamm oder älteren Ästen des Kakaobaums (Theobroma cacao) wachsen, entwickeln sich in ungefähr 4 bis 5 Monaten Früchte. Die 30 bis 50 mandelförmigen Samen oder „Bohnen“ sind in weissem Fruchtfleisch eingebettet. Die Schalen werden geöffnet, das Fruchtfleisch entnommen und die Bohnen fermentiert, getrocknet, geröstet und geworfelt. Unter Worfeln versteht man die Entfernung der Schale. Diese ergeben ein wertvolles Düngemittel. Danach können die Bohnen gemahlen werden. Diese Kakaomasse wird zur Herstellung von Kakaopulver und Schokolade verwendet.

Bittere Versuchung

Früher war die Schokolade ein Luxusgut. Heute ist die Schokolade ein ganz normaler Konsumartikel geworden. Aber aufgepasst, man muss die richtige Schokolade mit den besten Zutaten kaufen. In unserer Zeit gibt es immer mehr Liebhaber der dunklen Schokolade. In diesen Schokoladen ist der Kakaoanteil höher und der Zuckergehalt niedriger. So enthält die Schokolade „zartbitter“ mindestens 43 % Kakaomasse, „halbbitter“ 50 %, „bitter“ 60 %. Jetzt gibt es Schokoladen mit einem Kakaoanteil zwischen 70 und 99 % mit den Bezeichnungen „Premium“, „Sélection“ oder „Grand Cru“.

Jeder Deutsche und Belgier vernascht pro Jahr etwa 11 kg Schokolade, der Schweizer 12 kg. Beliebteste Schokolade ist die 1875 in Vevey von Daniel Peter entwickelte Milchschokolade.

Schokoladentest im Kloster

Am 5. Oktober 2006 hielt ich im Augustinersaal des Klosters Neustift (Chorherrenstift) in Südtirol im Rahmen meiner Buchvorstellung „Richtig gut einkaufen“ einen Vortrag. Höhepunkt war der Schokoladentest. Es wurden 3 Schokoladensorten, eine Bio-Schokolade, eine teure und eine billige verkostet.

Ich betonte, dass man beim Kauf der Schokolade nicht immer auf die billigste Sorte zurückgreifen sollte. Denn wer hervorragende Geschmackserlebnisse haben möchte, der muss etwas tiefer in die Geldbörse greifen. Der Test wurde an diesem geschichtsträchtigen Ort des Klosters zum ersten Mal durchgeführt. Auf die Auswertung war ich sehr gespannt.

Das Ergebnis war eindeutig: Die billige Vollmilchschokolade wählten 9,5 %, die Bio-Schokolade 14,3 % und die teure 76,2 %. Die mit sehr gut beurteilte, hatte einen unvergleichlichen zarten Schmelz mit einem intensiven Aroma. Die Bio-Schokolade war im Schmelz nicht so fein, deshalb wurde diese auch nicht so gut beurteilt.

Das Ergebnis hat mich nicht überrascht. Wichtig ist es zu wissen, dass in den Billigschokoladen das preiswerte Butterfett oder Palmöl zugemischt werden darf (bis zu 5 %).

Von einigen Schokoladenfreunden wollte ich einmal wissen, was sie vom Genuss dieser Köstlichkeit halten. Einige sagten, sie wollten sich verwöhnen, belohnt werden. Bei den meisten stand der Genuss und Zufriedenheit im Vordergrund. Es ist für mich immer ein herrlicher Genuss, wenn man die Schokolade im Mund schmelzen lässt. Es gibt jedoch Zeitgenossen, die die Schokolade in grösseren Mengen und zu schnell verzehren. Ich kannte einen „Schokoladensüchtigen, der mehrere Tafeln am Tag verzehrte. Als ihn die Sucht an einem Sonntag übermannte, suchte er in der nächsten Stadt eine Tankstelle auf und kaufte 3 Tafeln. Auf dem Rückweg verzehrte er 2 Tafeln, die 3. zu Hause.

Schokolade für die Schönheit

In den USA und Frankreich feiert die „Chocolatherapie“ Triumphe. Auch bei uns gibt es Wellnessinstitute, die Schokoladenprogramme für die Schönheit in ihrem Programm haben. Angeboten werden Kakaobohnenraspeln und Honig für ein mildes Peeling, Kakaomaske für Gesicht und Dekolleté und Schoko-Massagen. Die Institute verwenden Rohschokolade ohne Zucker und Milch unter Zusatz von Mandel- oder Jojobaöl.

Schokolade gut fürs Herz

Im Kakao wurden bisher 300 verschiedene Inhaltstoffe nachgewiesen. Hauptbestandteil ist die Kakaobutter (54 %), dann folgen Eiweiss, Cellulose, Stärke, Pentosane, Gerbstoffe, Mineralstoffe, organische Säuren, Geschmackstoffe, Theobromin, etwas Zucker und Koffein.
Schweizer Kardiologen bezeichneten die dunkle Schokolade mit über 70 % Kakaoanteil als „süsses Aspirin“. Die Forscher von der Uni Zürich brachten heraus, dass schon bei einem Verzehr von 40 g Schokolade die Herzkranzgefässe sich erweitern und die Aktivität der Blutplättchen sich verbesserten. Der beobachtete Effekt sei mit dem Aspirin vergleichbar.
Auf der 80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 2014 (DGK) wurde im Rahmen des EU-geförderten FLAVIOLA Forschungs-Konsortiums die neueste Studie vorgestellt. 22 junge Männer unter 35 Jahren und 20 ältere Probanden zwischen 50 und 80 Jahren erhielten 2 Wochen lang täglich entweder ein kakaoflavonolreiches oder ein kakaoflavonolfreies Getränk. Ergebnis: Bei jungen und älteren Probanden, die Kakaoflavonole aufnahmen (täglich 900 mg), erweiterten sich die Blutgefässe deutlich.

„Wer Schokolade nascht, hat ein gesünderes Herz“, vermeldete Spiegel Online (www.spiegel.de) am 16.06.2015. Im Fachblatt „Heart“ wurde die Epic-Studie publiziert: 21 000 Menschen von der britischen Grafschaft Norfolk, die um die 60 Jahre alt waren, wurden nach den Essgewohnheiten befragt, anschliessend knapp 12 Jahre lang begleitet.

Ergebnis: Das Team um Chun Shing Kwok von der University of Aberdeen berichtete von einem 11 % geringeren Risiko für Herzkreislaufkrankheiten unter den Schokonaschern. Die Schlaganfallgefahr war sogar noch stärker reduziert.

Bei den Studien solcher Art muss man aufpassen, wie diese durchgeführt wurden. Es könnte sein, dass die Schokoladengeniesser andere Verhaltensweisen an den Tag legten, die auch gut fürs Herz sind. Es könnte aber auch sein, dass Menschen, die von Natur aus schon ein gesünderes Herz haben, mehr Appetit auf Schokolade oder Kakaogetränke haben. Manche rauchen nicht, dafür futtern sie Schokolade.

Die Forscher schrieben zum Ergebnis das Folgende: „Aus Sorge um sein Herz müsse man jedenfalls nicht auf Schokolade verzichten.“

Inzwischen wurden weitere Studien an anderen Universitäten durchgeführt und ähnliche Effekte beobachtet. Es wurde sogar eine konzentrationsfördernde Wirkung festgestellt. Die Forscher führen die Wirkungen auf die in der Schokolade vorkommenden Polyphenole, die antioxidativ wirken, zurück. Es ist also nicht verkehrt, wenn wir die „süsse und gesunde Versuchung“ ab und zu geniessen.

*

Nun kann ich weiter mit gutem Gewissen die Schokolade geniessen. Dazu brauche ich nicht 3 Tafeln am Tag, wie der Schokoladensüchtige, sondern es können durchaus einige Rippchen der Köstlichkeit sein. Nach dem Schreiben werde ich mich an der Schokolade oder an Marzipan gütlich tun.

Literatur

Scholz, Heinz: „Richtig gut einkaufen. Die moderne Lebensmittelkunde für den Alltag“, Verlag Textatelier.com, Biberstein 2005.
Scholz, Heinz: „Schokolade“, Reform-Rundschau 11/2014.
Weber, Nina: „Wer Schokolade nascht, hat ein gesünderes Herz“, www.spiegel.de.
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