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BLOG vom 10.06.2015


„Bitte sehr“ und „dienen“ in verschiedenen Sprachen
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland
               
 
Einen Fehler machen deutsche Lerner der englischen Sprache gerne. Im Deutschen benutzen wir das Wort „bitte“ in 2 Bedeutungen. Wenn man etwas möchte und die Bitte höflich formuliert, wird es an den Satzanfang, in der Mitte oder am Ende eingefügt.
 
„Herr Ober, bitte bringen Sie mir ein Bier!“ – „Waiter, a glass of beer, please“
„Ein Bier bitte!“ – „A beer, please.“
„Ich möchte bitte ein Bier!“ – „I’d like a glass of beer, please!“
 
Ein höflicher Ober wird uns das Bier mit einem „bitte sehr“ auf den Tisch stellen.
 
Ebenso sagen wir „Bitte!“ oder das höfliche: „Bitte sehr!“ als Reaktion auf ein „Danke!“ Wir wollen damit „nichts zu danken, gern geschehen, keine Ursache!“ ausdrücken.
 
Man könnte meinen, das sei auch im Englischen so. Das ist es aber keinesfalls. Dort sagt man „You’re welcome!“ oder „Never mind!“ („Vergiss es!"). Die Übersetzung von „welcome“ ist ähnlich dem deutschen „Willkommen“, jedoch in Verbindung mit „you are“ bekommt es eine andere Bedeutung.
 
Der Kellner in einem englisch-sprachigen Land wird uns das Bier mit einem „Here you are!“ aushändigen.
 
In der französischen Sprache benutzen Sie „s'il vous plaît“, wenn Sie um etwas bitten. Der französisch-sprechende Kellner serviert uns das Bier mit einem „A votre service!“
 
Das bringt mich zur schönen deutschen Form: „zu Ihren Diensten!“, was mich ans Niederländische „Tot uw dienst!“ erinnert.
 
„S'il vous plaît“ wird „s.v.p.“ abgekürzt, im Niederländischen ist neben dieser Abkürzung auch häufig die Form „a.u.b.“ geläufig, das bedeutet „als het u belieft“ oder abgekürzt „alstubelieft“, was sich anhört wie „aschteblief“. Auch das kann mit „bitte“ in der doppelten deutschen Bedeutung übersetzt werden; im Englischen mit „here you are“ und im Französischen mit „voici!“ oder „voilà!“.
 
Die wörtliche deutsche Übersetzung „so wie es Ihnen beliebt“ allerdings passt nur bedingt, da sie zwar ausdrückt, man tut jemanden etwas zu Gefallen, aber der Ausdruck ist oft ironisch gemeint, im Sinne von „tun, was einem gefällt“.
 
Natürlich ist diese Abkürzung auch eine Floskel, und die ursprüngliche Bedeutung wohl nicht jedem Niederländer bekannt. Dennoch: was man leistet, soll „behagen“, eine weitere Übersetzung von „believen“. Es soll also zusagen, gefallen, Behagen bereiten.
 
Behagen vermittelt ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit, es wird öfters als Adjektiv mit dem Suffix „-lich“ benutzt, „es ist behaglich“, wenn etwas genossen werden kann.
 
Es wäre interessant, einmal zu beobachten, wenn ein Kellner jemanden das Gewünschte mit den Worten „Es möge Ihnen behagen“ servieren würde. Wie der so Angesprochene wohl reagieren wird?
 
Das Wort und die Bedeutung von „dienen“ haben sich gewandelt. Dieses Wort hat allerdings in der deutschen Sprache keinen besonders guten Klang mehr. Wer dient schon gerne? Eltern fordern ihren Nachwuchs schon lange nicht mehr auf, „einen Diener zu machen“, wenn er jemanden höflich mit einem Kopfnicken begrüssen soll. Und die Frage „Haben Sie gedient?“, womit gemeint ist, ob jemand seinen Wehrdienst abgeleistet hat, ist ebenso aus der Mode gekommen.
 
Dabei wird immer und überall gedient, im Sinne von für jemanden da zu sein, ihm zu helfen, für ihn zu wirken. Das kann sozial oder freiwillig sein oder abhängig und untergeben.
 
Im religiösen Sinne ist Gott zu dienen Pflicht der Gläubigen.
 
Die Verkäuferin fragt mich, ob sie mir mit etwas dienen kann, und meint damit, ob sie mir etwas zeigen, mich beraten, letztendlich mir etwas verkaufen kann und oft kann sie „damit nicht dienen“, wenn die Ware nicht geführt wird oder nicht vorrätig ist. Auch Gebäude können zu etwas dienen, eine Burgruine zum Beispiel, die heute als Restaurant benutzt wird. Und eine Lehre daraus ziehen kann man, wenn erlittener Schaden als eine Warnung dienen soll. Dann ist er zweckdienlich, also förderlich und war doch noch zu etwas nutze!
 
Es wird gerne vergessen, dass das zum Verb „dienen“ zugehörige Nomen „der Dienst“ ist. Das Nomen hat eine vielfältige Bedeutung, im Wörterbuch wird genannt:
1. Abhängiges Arbeitsverhältnis;
2. Amtspflicht (besonders bei Beamten und Soldaten);
3. Hilfe, freiwillige Unterstützung.
 
In Verbindung mit anderen Wörtern, also als Komposita, gibt es eine Fülle von Begriffen:
 
„Dienstalter, Dienstvorschrift, Dienststelle, Dienstältester, Dienstaufsicht, Dienstbote, Diensteifer, Dienstfahrt, Dienstgeheimnis, Dienstgrad, Dienstherr, Dienstleister, Dienstleistung, Dienstmädchen, Dienstreise, Dienststelle, Dienstwaffe, Dienstwagen, Dienstweg.“
 
Der Begriff „Verdienst“ existiert sogar in 2-facher Bedeutung mit verschiedenen Artikeln: „der Verdienst“ ist das, was ich verdient habe und wird meist mit dem erarbeiteten Gehalt oder Lohn in Verbindung gebracht, „das Verdienst“ bezieht sich noch mehr auf „dienen“, nämlich auf die dem Wohle anderer, einem guten Zweck dienende ausgeführte Tat.
 
Und Adjektive gibt es auch eine Reihe:
Dienstbar, dienstbeflissen, dienstlich, dienstbeflissen, diensthabend, diensttauglich, dienstunfähig.“
 
Tot uw dienst!“, „zu Ihren Diensten“ zu stehen und Wünsche, Befehle, Anordnungen abzuwarten, gehört eben zum Menschsein dazu!
 
 
Quelle
Wahrig-Burfeindt, Renate, Grosswörterbuch Deutsch als Fremdsprache, Wissen Media Verlag GmbH und Cornelsen, Berlin 2008.
 
 
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