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BLOG vom 14.10.2013


Ist die Erdnuss eine Nuss, eine Hülsenfrucht, ein Same?
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Am Wochenende ergab sich ein Streitgespräch zwischen meinem Schwiegersohn und mir. Ich behauptete, die Erdnuss sei keine Nuss. Er sagte, das komme darauf an. Zuerst einmal heisse die Erdnuss Nuss der Erde, zweitens habe sie eine Schale, die nicht essbar sei und die die Erdnuss umfasse. So wie eben die Hasel-, Wal-, Paranuss und andere auch.
 
Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, sich Informationen zu beschaffen. Ich begann, der Computer lief gerade nicht, mit einem simplen Lexikon. In meinem Bücherschrank befindet sich ein kleines Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden.
 
Unter dem Begriff Erdnuss fand ich den Namen Erdpistazie vor der botanischen Bezeichnung Arachis hypogaea. Dahinter folgt: amerikanische Gattung der Schmetterlingsblütler. Die Frucht betreibe positiven Geotropismus: sie bohre sich vor der Reife in die Erde.
 
Dann sah ich doch einmal unter Schmetterlingsblütler nach. Hier stiess ich auf den botanischen Namen Papilionaeca Fabacae, mit dem Hinweis, es handle sich um eine sehr artenreiche Familie der Leguminosen. Die Blüten werden beschrieben und welche Pflanzen unter anderem dazugehören. Dort sah ich die Bohne und die Erbse neben der Erdnuss, aber auch den Ginster, den Goldregen und die Wicke, aber keine andere Pflanze, die mit Nuss bezeichnet wird. Ich erinnere mich an die englische Bezeichnung peanut, also Erbsennuss.
 
Ich suchte weiter unter dem Begriff Leguminosen. Ich las, es seien Hülsenfrüchtler, mit 2 ‚ü’, der Ordnung der zweikeimblättrigen Pflanzen (Dialypetalae), und las zu meiner Überraschung: Frucht ist eine Hülse. Und zu der Familie gehören u. a. auch die Mimosengewächse.
 
Seltsam, ich dachte immer, die Frucht sei die Erdnuss und nicht das Drumherum! Hülsenfrüchte sind mir wohlbekannt, esse ich doch gerne Erbsen- und Linsensuppen. Deshalb schaute ich doch mal unter Erbse nach. Der lateinische Name ist Pisum. Ich las, dass es viele Arten gebe und dass sie schon in jungsteinzeitlichen Pfahlbauten gefunden worden seien.
 
Von der Erdnuss werden die Menschen der Jungsteinzeit allerdings noch nichts gewusst haben, habe ich doch von der amerikanischen Gattung gelesen.
 
Ich gebe es zu, die Naturwissenschaften sind nicht das Gebiet, auf dem ich mich gut auskenne; ich bin eher an Geisteswissenschaften interessiert. Deshalb besitze ich auch nur wenige Bücher dazu. Interessant finde ich noch den Hinweis zu Erbsen aus dem alten Hausbuch der Familie Cerruti aus dem späten 14. Jahrhundert, über das ich bereits geschrieben habe. Das eine sind die Platterbsen, mit der Bezeichnung Mesch, id est cicerchia. Sie seien die Speise der Armen, eine reiche Nahrung, die schwer im Magen liege. Die 2. Sorte, die beschrieben wird, sind die Kichererbsen. Sie haben es in sich: sie verleihen heisses Blut und dem Mann kräftige Samen, treiben den Harn, lösen Verstopfungen und mehren den Milchfluss bei Wöchnerinnen.
 
Das ist interessant, bringt mich aber bei der Frage nach der Erdnuss nicht weiter. Das Internet als unerschöpflicher Bronn von Informationen wird helfen!
 
Die Erdnuss als oben erwähnte amerikanische Gattung fand ich bei Wikipedia nicht unter den Schmetterlingsblütlern, sondern auf einer Seite von ENO WorldWine mit folgender Erläuterung:
 
Erdnüsse, Samen der Hülsenfrüchte eines in Südamerika beheimateten, heute weltweit in den Tropen und Subtropen kultivierten Krautes aus der Familie der Schmetterlingsblütler in der Ordnung der Hülsenfrüchtler, veraltet auch Aschantinüsse oder Kamerunnüsse genannt; sie enthalten viel Vitamin (E, Biotin), Kalium und Magnesium sowie Linolsäure.
 
Die Erdnuss ist also ein Samen!
 
fand ich die folgende Erklärung:
 
Die Erdnuss (Arachis hypogaea) beschreibt eine interessante botanische Zwitterstellung: Diese krautig wachsende Pflanze ist als Hülsenfrüchtler (Leguminosa) zum Beispiel mit der Erbse verwandt. (...) Die Frucht der Erdnuss ist botanisch eine Hülse, keine Nuss.
 
Sie verhält sich jedoch anders als die sich öffnenden Hülsen artverwandter Pflanzen: Sie bleibt geschlossen und gehört demnach morphologisch zu den Nüssen. „Erdnuss" wird die Frucht genannt, weil sich der befruchtete Fruchtknoten in die Erde bohrt und dort zur Nussfrucht ausreift. Im internationalen Sprachgebrauch ist daher auch der Begriff „groundnut" anzutreffen.
 
Hier wird also behauptet, die Frucht der Erdnuss sei eine Hülse! Klingt logisch, handelt es sich doch um eine Hülsenfrucht!
 
Die Frucht ist eine derbe, stark genetzte Hülse, in der 1 bis 4 Samen ausgebildet werden. Die Samen sind von einer rot, braun oder violett gefärbten dünnen Samenschale, die leicht abzulösen ist, umgeben.
 
Bei www.duden.de fand ich es ein wenig verwirrend, wenn beim Begriff Schale als Synonym auch Hülse angegeben ist, umgekehrt aber nicht.
 
Wie ist das mit der Fruchttype?
 
Hülsen bestehen ebenfalls nur aus einem Fruchtblatt, das sich aber sowohl längs der Verwachsungsnaht (Bauchnaht) als auch längs der Mittelrippe (Rückennaht) öffnet (Schmetterlingsblütler, Fabaceae).
 
Der obige Artikel verweist auf die Morphologie als Bereich der Biologie, Das Wort kommt von griechisch morphé = Form, Gestalt und logos, also Lehre, Wort, Vernunft. Dort finde ich die Erdnuss nicht im Bereich Hülse, sondern als Einblattfrucht im Abschnitt Nuss.
 
Naturwissenschaft zu betreiben, hat auch etwas mit dem praktischen Versuch zu tun. Ich nehme mir eine Erdnuss, entferne zuerst die Hülse und stosse dann auf die dünne rötliche Schale, bevor ich zu dem Inneren, Hülsenfrucht, Nuss oder Samen genannt, gelange, und es in den Mund stecke, kaue und verschlucke.
 
(Es gibt Zeitgenossen, die dadurch eine allergische Reaktion hervorrufen, doch das steht auf einem anderen Blatt.)
 
Manchmal gibt es eben keine eindeutige Lösung, sondern nur ein Sowohl-als auch!
 
Und: es ist nicht alles wahr, was im Internet steht!
 
Quellen
Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden, Gütersloh, 1996.
Von der gesunden Lebenswiese – Nach dem alten Hausbuch der Familie Cerruti, BLV, München, Wien, Zürich, 1985.
 
 
 
 
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