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BLOG vom 04.06.2013


Nachrichten-Müll und seine gesellschaftlichen Folgen
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Zugegeben, ich gehöre zur Minorität, die nichts für schale, nichtssagende, oberflächliche und verzerrte Nachrichten übrig hat, wie sie uns tagtäglich aus allen Medienkanälen überfluten, worunter zunehmend auch von Twitter und Facebook. Missbrauch beginnt sich jetzt auch in diese Formen der Kommunikation einzuschleichen, wobei die Kommunikation über Twitter durchaus seine Vorzüge und sehr anregend sein kann. Auf den Inhalt kommt es an.
 
Selbst die BBC hat neuerdings ein Twitter eingerichtet, woraus ich einige Beispiele wähle: „Chancellor says Depts (Departemente) of Justice, Energy and Communications have agreed to „significant savings“, “PR guru Max Clifford to appear in court charged with indecent assaults“ (Wer ist Clifford?), “NHS (National Health Service) 111 helpline plan for Wales”, “Man plays guitar during brain surgery”. Lauter belangloses Bla-Bla!
 
Die Informationstechnologie verfeinert sich weiterhin, doch der Nachrichtenmüll hat sich ins Absurde gehäuft und verstopft die kritischen Fakultäten der Leserschaft. Die Journalisten sind auf Sensationshascherei versessen und wollen einander mit „breaking news“ (grundbrechende Nachrichten) übertrumpfen. Sie überprüfen selten den Sachverhalt und massen sich Meinungen an, die sie den Lesern wie ein Maulkorb vorhängen wollen.
 
Der tragische Mord eines Soldaten in Woolwich hat in England eine Welle von Hass gegen Islamisten ausgelöst: Moscheen werden beschädigt und gläubigen Frauen die Schleier entrissen. Während den Demos am 27. März 2013 (Bank Holiday Monday in England) kam es zu Krawallen zwischen „Help for Heroes“-Demonstranten und ihren Gegnern in Central London.
 
Vor einigen Tagen wurde ein französischer Soldat in La Défense (Paris) mit einem Messerstich im Nacken verletzt. Der Täter entkam. Jetzt wird gerätselt, ob dies in Zusammenhang mit dem Mord in Woolwich gebracht werden kann. Bisher wurden 13 verdächtigte Mittäter verhaftet, wovon 4 wieder freigesetzt wurden.
 
In Ungarn ist wachsender Rassenhass gegen die Juden und Roma gerichtet. Es braucht wenig, um den Pöbel aufzuwiegeln!
 
Solche Vorfälle werden als hochaktuell von den Medien aufgebauscht. Statt sachlich zu berichten, werden Emotionen geschürt. Die Dronen fliegen jetzt auch aus England nach Afghanistan und ins Grenzland mit Pakistan – und töten und verletzen viele Zivilisten. Das wird von den Medien nur beiläufig erwähnt.
 
Wie wertlos das Menschenleben geworden ist, wie aus den Genoziden erkennbar, wird in seiner Tragweite und seinen gesellschaftlichen Auswirkungen schlicht und einfach übersehen. Banden von Messerstechern suchen verwahrloste Londoner Quartiere heim. Ihre Opfer sind an den Spaltenrand verdrängt.
 
Am 24.04. 2013 stürzte das 8-stöckige Rana Plaza Gebäude in Savar (Bangladesh) ein. Über 1100 Textilarbeiter, meistens Frauen, verloren dabei ihr Leben. Während den Besuchen der Einkäufer aus westlichen Grossunternehmen (wie H&M) widerspiegeln die Produktionsstätten der Fabrikanten ein falsches Bild von vorbildlichen Arbeitsbedingungen. Die Hälfte der Belegschaft war abwesend. Niemand arbeitete bei solchen Besuchen im Akkordsystem. (Auch die Nazis zeigten den Roten Kreuz-Besuchern potemkinsche Dörfer in ihren Konzentrationslagern.) Hart feilschen die Einkäufer um jeden Cent. Die westlichen Konsumenten kaufen weiterhin ohne Gewissensbisse die Billigware … Geben Sie „H&M“ in Google ein, und Sie finden keinen Hinweis, wie dieser und andere Modegiganten die zu Hungerlöhnen schuftenden Arbeiter ausbeuten, indem sie die Lieferanten unter Kostendruck setzen. So werden allenthalben die wirklichen Zustände vertuscht oder beschönigt.
 
Ich gehöre auch zur Ausnahme jener, die für den Massensport wenig übrig haben. Auf Kosten wesentlicher Nachrichten werden die Fussballresultate langatmig und auf miserablem Englisch breit gequatscht. Hinzu kommt das Getue rund um die ‚Celebs’. Warum nicht ein separates Programm – rund um die Uhr – für die Sportsfanatiker einrichten? Damit wäre allen gedient. Auf die störenden Werbeeinschübe will ich hier gar nicht eingehen, noch auf die Sex- und Dreckfilme, zumeist aus den USA, die besonders übers Wochenende kulturelle Programme und anspruchsvolle Unterhaltung verdrängen.
Kritische Stimme sollten sich mehren, damit dem Wertezerfall entgegen gesteuert wird und eine Neubesinnung Fuss fassen kann.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog über Datenmüll
28.05.2013: Sinnlose Fakten: Von Phobien und anderen Eigenschaften
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