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BLOG vom 07.04.2013


England: Schlafzimmersteuer. Mehr Lohn für die Königin
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Das jährliche Budgetdebakel in England, das am 20. März 2013 stattfand, beginnt zu beissen. Immer einfältiger und einfallsreicher werden neue Taxfinten ersonnen, die einen administrativen Aufwand erfordern, der sich nicht lohnt, worunter die Schlafzimmer-Steuer. Leute, die staatlicherseits Mietzinszulagen für die Sozialwohnungen erhalten, müssen einen Abzug für jedes leere Zimmer in Kauf nehmen: minus 14 % für 1 Zimmer, minus 25 % für 2 oder mehr Zimmer. Diese Sparmassnahme soll £ 480 Mio. in die Staatskasse einbringen. Sie ist mit anderen Sparmassnahmen gekoppelt, welche, wie üblich, die ärmsten Leute am härtesten trifft (im Schnitt jährlich £ 891 weniger Einkommen). Wo Erhöhungen anstehen, sind sie in der Regel auf 1 % beschränkt, also weit unter der Inflationsrate. Die „superfetten Katzen“, wer hätte es geahnt, geniessen erklecklich verbesserte Steuervorteile. Der höchste Steueransatz wurde von 50 auf 45 % gesenkt.
 
London ist kein Platz für Bedürftige. Sie sollen von der Stadt aufs Land umsiedeln, wird da und dort empfohlen. Auf dem Land seien die Lebenskosten niedriger, wird behauptet. Das stimmt hinten und vorne nicht: Längere Stecken im Auto zu Einkaufszentren verschlingen mehr Benzin; hinzu kommen Bahnkosten zum Arbeitsort etc. Summa summarum sind die Lebenskosten höher als in der Stadt. Da hat eine Familie Jahrzehnte in ihrer subventionierten Wohnung gelebt und soll jetzt in eine unbekannte Nachbarschaft umziehen. Ausserdem besteht vielerorts ein Mangel an kleineren Wohnungen. Was wird als ein leerer Raum qualifiziert? Ein Abstellraum vielleicht?
 
Eine mehrköpfige Familie aus Indien wurde kürzlich monatelang feudal in ein 4-Sterne-Luxushotel einquartiert. Und das ist kein Einzelfall. Wer genötigt ist, in private Wohnungen umzuziehen, wird vom „Landlord“ ausgebeutet. Kein Wunder, dass viele „Landlords“ Mieter bevorzugen, die weiterhin von der staatlicher Wohlfahrt zehren: Sie können ihre Miete willkürlich hochschrauben, von keinerlei gesetzlichen Vorschriften eingeschränkt. Die allerärmsten Fremdarbeiter (ohne Aufenthaltsbewilligung) werden in Schuppen auf Matratzenlagern untergebracht.
 
Immer wieder meldet die Presse Fälle von betrügerisch eingestrichenen Sozialzulagen seitens skrupelloser Leute. Ich bin der Meinung, dass die meisten Bezüger von Sozialleistungen keinen Missbrauch treiben. Demgegenüber haben aber viele MPs (Members of Parliament) wacker geschummelt. Wie viele von ihnen sind unentdeckt geblieben? Auch hier glaube ich, dass die meisten MPs ehrlich geblieben sind. Vielleicht bin ich zu gutgläubig.
*
 
Zum Glück gibt es nur eine einzige Königin in England. Sie hat, laut Presse („Evening Standard“ vom 02.04.2013), soeben eine steuerfreie Gehaltserhöhung von £ 6 Mio. erhalten – von £ 30 Mio. auf £ 36 Mio. Sie erhielt ausserdem einen Kostenbeitrag von £ 1 Mio. für die „Diamond Jubilee“-Ausgaben. Das Königshaus schweigt sich vorderhand aus, wie dieser Betrag verwendet werden soll. Vielleicht als Gehaltsaufbesserung für das 300-köpfige Personal? Graham Smith, der Chef der Anti-Monarchie Organisation „Republic“, schätzt die Gesamtkosten des königlichen Haushalts auf £ 200 Mio. pro Jahr.
*
 
„We are all in this together“ (Wir sind alle im gleichen Boot), ist das Mantra der Politiker angesichts der Krise. Mehr oder weniger, meine ich, umständebedingt und ganz im Einklang mit der heutigen Scheindemokratie. Nebenbei gefragt: Wie viel kosten Englands Kriege? Wie viel Tod und Elend haben sie verursacht?
 
 
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