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BLOG vom 27.03.2013


Im Miettaxi durch Rajasthan 1 – Über den Tisch gezogen
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D, zurzeit in Rajasthan, Indien
 
 
Manchmal fehlen sie, die sogenannten Warnglocken, die innerlich ertönen müssten, wenn man mit einer Situation konfrontiert wird, die nicht ganz durchschaubar ist. Mir ist das passiert, mir, in dem mir nicht unbekannten Indien mit seinem Geschäftsgebaren.
 
Ich hatte in New Delhi ein preiswertes Hotel im Internet gebucht. Das Flugzeug kam nach 1 Uhr nachts am Flughafen an, ich bekam sogar einen Stadtbus bis mitten in die Stadt und nahm von dort aus eine Rikscha zur Hoteladresse. Vor der engen Strasse zum Hotel stand ein Mann und erklärte, wegen eines Festivals in Delhi sei das Hotel überfüllt, ich bekäme mein Geld zurück, müsse mir aber eine andere Unterkunft suchen.
 
Ich war durch den langen Flug und die Zeitverschiebung von 4 ½ Stunden übermüdet, wollte nur noch ausruhen und in ein Bett. Deshalb liess ich mich weiterfahren. Das war der 1. Fehler. Ich hätte daran denken müssen, dass das Hotel verpflichtet ist, einen Ersatz in ähnlicher Preislage zu finden und im Hotel darauf bestehen müssen.
 
Mein 2. Fehler war es, dem Mann in der Nähe des Hotels überhaupt zu glauben. Ich hätte an frühere Warnungen denken müssen, New Delhi sei von mafiosen Strukturen unterwandert, und unbedarfte Touristen würden ausgenommen. Ausserdem, dass Rikschafahrer Provisionen bekämen, wenn sie Touristen dazu bringen, Läden, Hotels oder auch Reisebüros zu kontaktieren.
 
So brachte mich der Rikschafahrer zu „Travel with us - Namaste India Travels“, ein Touristenbüro, in dem auch mitten in der Nacht noch 2 Angestellte anwesend waren. Der eine der Mitarbeiter war ausserordentlich freundlich und zuvorkommend. Er wolle mir ein Hotel vermitteln, mich morgens wieder abholen lassen und mit mir zusammen überlegen, wie eine Rajasthan-Reise zu planen wäre.
 
Das war mein 3. Fehler. Ein gesundes Misstrauen gegenüber Personen, die überaus freundlich auftreten, ist angebracht, ja sogar gesund. Ich war müde. In dem Hotel, in das mich der Rikschafahrer brachte, verlangte man 6000 Rupien für die Nacht. Das sind etwa 90 Euro, für indische Verhältnisse auch für ein Business-Hotel ein viel zu hoher Preis. Das sagte ich dem Mann an der Rezeption auch, darauf erwiderte dieser, er gebe mir ein Zimmer für 4000 Rupien. Immer noch zu hoch, aber ich war hier in der Hauptstadt Indiens; die Preise sind auf jeden Fall höher als in anderen Gegenden Indiens, in denen ich für ein Hotel dieser Ausstattung nie mehr als 2000 Rupien bezahlt hätte. Ich akzeptierte und ging schlafen.
 
Das Hotel war nicht überragend, aber für indische Verhältnisse akzeptabel. Am Morgen wurde ich von einem Wagen abgeholt. Das war mein 4. Fehler. Es wäre besser gewesen, wenn ich nicht mitgefahren wäre. Der Wagen brachte mich wieder zu dem Reisebüro. Der junge Mann, den ich bereits in der letzten Nacht begrüssen durfte, wünschte mir fröhlich einen guten Morgen, fragte, wie ich geschlafen hätte. Ich sagte, dass der Preis für das Hotel für mich zu hoch gewesen sei.
 
Dann fragte er nach meinen Vorstellungen für meinen 3 ½ Wochen dauernden Aufenthalt in Indien. Ich wollte unbedingt Rajasthan kennenlernen, wollte in Bikaner die Dorfschule besuchen, über die ich bereits geschrieben habe (02.03.2013: Indien: Wo der Schulbesuch eine begehrte Attraktion ist) und dort eine Woche bleiben.
 
Er machte mir einen Vorschlag: Heute eine Stadtrundfahrt durch Delhi, ein günstigeres Hotel. Morgen eine Fahrt nach Jhunjhunu und Mandawa, dort Übernachtung. Dann weiter nach Bikaner. Dort würde sich der Fahrer verabschieden; denn ich hatte bereits ein Gasthaus gebucht. Nach einer Woche wolle man mich wieder abholen und dann durch alle sehenswerten Städte und Orte Rajasthans im Miettaxi fahren. Er listete auf: Jaisalmer, mit Kamelsafari und Übernachtung in der Wüste, Jodhpur, Ranakpur, Udaipur, Pushkar, Jaipur, Rathambore mit Tigersafari, Delhi und am nächsten Tag Taxi zum Flughafen.
 
Das Angebot: In den meisten Städten 2 Übernachtungen, in allen Städten Stadtrundfahrten und Fahrten zu den Sehenswürdigkeiten inklusive einfache Hotels mit Frühstück. Der Preis mit Fahrer belief sich auf umgerechnet etwa 1200  € für die 10 Orte für die 17 Tage. Die Rundreise würde etwa 3000  km lang sein, allerdings würde der Fahrer von Bikaner aus wieder zurück nach Delhi fahren.
 
Mein 5. Fehler: Ich dachte an die Mühseligkeiten, wenn ich viel sehen wollte, immer wieder Zug- und Busverbindungen herauszufinden und zu bestellen, nach einfachen Hotels zu suchen, mit meinem Gepäck von den öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Rikschas und Hotels zu kommen, die Safaris zu buchen, usw. Bei meinen letzten Besuchen war ich so verfahren. Es war anstrengend gewesen, wenn auch mit vielen bisher unbekannten Situationen und Erlebnissen der Reise verbunden. Ich wünschte mir, es einmal bequemer zu haben, viel zu sehen und mich um wenig oder um nichts kümmern zu müssen. Ich dachte daran, dass das seinen Preis habe. Das war es: Ich wusste zwar, dass Indien ein relativ günstiges Reiseland ist; die Hotelpreise konnten seit meinem letztjährigen Aufenthalten nicht so eklatant gestiegen sein, aber insgesamt gesehen, und das noch mit europäischen Preisen im Kopf, erschien mir das Angebot akzeptabel. So unterschrieb ich. Der junge Verkäufer sagte, in der letzten Nacht hätte er noch nicht darauf gewettet, mit mir so einen Vertrag abschliessen zu können. Er hatte mich also skeptischer eingestuft als ich mich jetzt zeigte.
 
Ich bekam eine Stadtrundfahrt durch Delhi. Das Rote Fort, das schon vor einigen Jahren bei meinem ersten Besuch nicht zugänglich gewesen war, war auch an diesem Tag wegen irgendwelcher Prominenz nicht zu besichtigen. Ansonsten suchten wir einige interessante Sehenswürdigkeiten auf, wie ein Grabmal, ähnlich des Taj Mahals, The India Gate usw. Ich stellte wieder fest, dass ein längerer Aufenthalt in Delhi einer Stadttour vorzuziehen ist.
 
Das Hotel war eine Kategorie unter demjenigen der Vornacht, aber annehmbar. Der Fahrer war pünktlich. Ein junger Mann, der mich schon früh darauf aufmerksam machte, dass er für die Fahrt 10‒15 % des Gesamtpreises als Trinkgeld erwarte, was selbstverständlich sei, und er zeigte mir ein Tagebuch, in dem seine Fahrgäste ihre guten Erfahrungen mit ihm aufgeschrieben hatten. Ansonsten interessierte ihn nicht viel. Er sah auf der Fahrt junge hübsche Inderinnen, machte das Zeichen für Sex, erwähnte, es habe auch schon einmal mit einem seiner weiblichen Fahrgäste geklappt. Abends brauche er seinen Whisky, um schlafen zu können.
 
Seine Fahrkünste waren in Ordnung. Meine ersten Erlebnisse in Jhunjhunu habe ich bereits in ein Blog gegossen (28.02.2013: Verständigung in Indien: Wenig Worte und viele Gesten).
 
In Bikaner, etwa 500 km von Delhi entfernt, am 2. Tag, brachte der Fahrer mich zum Gasthaus, sagte mir, es würde mich ein Kollege von ihm in einer Woche wieder abholen und mit mir weiterfahren, verlangte noch Trinkgeld, war mit 1000 Rupien nicht zufrieden und fuhr dann ab.
 
Den Gastwirt, bei dem ich eine Woche in Bikaner verbracht habe, sagte mir gleich, ich hätte für diese Rundreise insgesamt mindestens 30 % zu viel bezahlt. Ebenso seien die Trinkgeldforderung und mein Daraufeingehen, mein 6. Fehler, überzogen gewesen. Er hätte mir die Fahrt preiswerter angeboten. Über ihn können Sie ebenfalls ein Blog lesen, ebenso wie über die Erfahrungen in Bikaner, bei einer Wildlife-Safari und im Rattentempel von Deshnoke (08.03.2013: Thar-Exkursion: Faszinierende, belebte indische Wüste).
 
Fortsetzung folgt.
 
 
Hinweis auf weitere Indien-Berichte von Richard Gerd Bernardy
 
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