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BLOG vom 19.03.2013


Ranthambhore-Tiger-Resort: Eindrücklich war es dennoch
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D, zurzeit in Rajasthan, Indien
 
Wie viele Tiger sich im 300 qkm grossen Naturschutzgebiet im Süden von Rajasthan/Indien aufhalten, konnte mir keiner sagen. Die Landschaft ist mit einem Steppengebiet vergleichbar: Bäume und Sträucher, nicht dicht aufeinander, dann wieder kleine Waldgebiete, meist um Seen, die manchmal eine Insel aufweisen, umgeben von Bergen und Felsformationen. Durch das Gebiet fahren ununterbrochen grosse und kleine Geländewagen für 24 oder nur 6 Personen. Da wundere ich mich schon, dass ein Tiger, der sein Revier durchstreift, sich in unmittelbarer Nähe zu den Fahrwegen aufhalten sollte. Angeblich passiert das von Zeit zu Zeit.
 
Auf dem grossen dachlosen Geländewagen, auf dem ich mit anderen Touristen sitze, wackeln wir über unebene Wege durch das Gebiet. Vor mir sitzt ein italienisches Paar, neben mir eine Dame aus Manila, die schon morgens eine Safari mitgemacht haben. Sie dauert etwa 3 Stunden. Am Morgen habe sich kein Tiger blicken lassen, erfuhr ich.
 
Neben Tiger soll es Leoparden geben, allerdings nur oben auf den Bergen. Wir sehen viele Pfauen, die nur widerwillig den Weg freigeben und davonfliegen. Nur einer zeigt noch sein wunderschönes Federkleid und präsentiert sich von seiner bewundernswerten Seite.
 
Wir fahren an einem See vorbei. Gegenüber ist ein altes Bauwerk, von dem aus die Maharadschas ihre Jagden veranstaltet haben, bis die indische Regierung das Gebiet unter Naturschutz gestellt hat.
 
Es sind allerlei Vögel zu sehen, auch einmal ein Pelikan. Von weitem blinkt das blaue Federkleid eines Eisvogels herüber. Ein kleiner Vogel mit schwarzbraunem Gefieder und langem Schwanz hat den Namen „Wanderbaumeister“ und ist besonders häufig. Er pickt sogar Salzgebäck aus der Hand eines Touristen. Er kann verschiedene Laute produzieren. Charakteristisch ist vor allem das melodiöse, dreisilbige ki-ko-kik oder bob-o-link.
 
Viele „spotted deers“, also „Prinz-Alfred-Hirsche“, Tiere mit einem Fell, das kleine runde weisse Flecken aufweist, einige mit, andere ohne Geweih, grasen friedlich am Wegesrand. Sie haben von den Autos und Menschen nichts zu befürchten.
 
Dann sehen wir ein kleines, bräunliches dickes gebogenes Krokodil, das träge und schläfrig am Rand eines Sees liegt. Ein schmutziges, schwarzes Borstenvieh, ein Wildschwein, ist ebenfalls am Ufer zu entdecken.
 
Alle halten ununterbrochen Ausschau nach einem Tiger, auch mit starken Ferngläsern. Ein Tourist ruft: „Dort hinten!“, aber es war nur eine Gazelle.
 
Informationen zwischen den Wagenlenkern sich begegnender Geländewagen werden ausgetauscht. Es soll eine Fährte oder Anzeichen eines Tigers gesichtet worden sein. Ein gutes Zeichen ist es, wenn die anderen Tiere unruhig werden, die Affen rufen und sich alle Tiere flüchtend davonmachen.
 
Davon ist heute aber keine Rede, alles bleibt friedlich. Es ist wie das „Warten auf Godot“, der Tiger kommt auch nicht.
 
Die Touristen neben und vor mir, die die Tour wiederholt hatten, zeigen sich enttäuscht. Dabei ist die Landschaft wirklich schön, und wenn der Wagen stillsteht und keiner etwas sagt, hört man nur die 3 verschiedenen Geräusche des einen Vogels, sonst ist es sehr still. Am Wegesrand findet man wunderschöne Bäume mit vielen langen, in die Höhe steigenden Wurzeln, die wie dünne glatte Äste aussehen. Einer dieser Bäume soll schon über 100 Jahre alt sein.
 
Der Touristenführer erzählt mir auf der Rückfahrt, dass es zu dieser Jahreszeit eher selten ist, einen Tiger zu Gesicht oder vor die Fotolinse zu bekommen, und wenn, dann sei er meistens nur in gebührender Entfernung und nur durch ein Fernglas oder den starken Zoom einer Kamera zu entdecken. In den Sommermonaten, die allerdings keine Touristensaison mehr sind, da sehr heiss oder monsunartig, seien die Tiger häufiger und somit ziemlich sicher zu sehen. Das sagt er aber nur, nach dem ich ihm gesagt habe, dass ich am nächsten Tag früh nach New Delhi abreise. Andere Touristen ermuntert er, es noch einmal zu versuchen. Schliesslich lebt der Ort und die Umgebung von den Touristen und von den Safaris. Auch das betont er mit Nachdruck.
 
 
Hinweis auf weitere Indien-Berichte von Richard Gerd Bernardy
 
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