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BLOG vom 25.11.2012


Gestorben, wie gewünscht: Todesanzeigen, Grabsprüche
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Ein Todesfall ist meistens traurig. Nicht für den Verstorbenen oder die Verstorbene, sondern für die Hinterbliebenen. So dachte ich bisher. Die Beschäftigung mit dem Thema belehrte mich aber eines anderen. So gibt es Erzählungen über missglückte Beerdigungen, bei denen zum Beispiel die Sargträger schlapp machten und die Leiche auf die Strasse rollte, was amüsant war, da die Tote schon immer sehr vorwitzig und neugierig war; oder der folgende Romanauszug, die Todesanzeigen und Grabinschriften.
 
Sonja Wild, „Glücksspiel“, Kriminalroman, E-Book, Kindle Edition: „Sie dachte an seine monströse Dogge mit dem fleischfarbenen Fell und blieb stehen ... ‚Er mag keine Friedhöfe, da wird er immer depressiv. Und dann will er buddeln.’ Freddy lachte herzhaft. ‚Hab ich dir erzählt, wie er sich damals bei der Beerdigung von Tante Annelie davon geschlichen hat und mit einem Knochen im Maul zurückgekommen ist?’ Freddy japste begeistert. ‚Er hat ihn in das Loch auf den Sarg fallen lassen, zu den ganzen Blumen und was weiss ich nicht alles.’ Er schob seine Mütze wieder aus den Augen und wischte sich die Tränen ab.“
 
2 clevere Autoren, Matthias Nöllke und Christian Sprang, haben vor einigen Jahren einen Bestseller mit dem Titel „Aus die Maus“ geschrieben und inzwischen schon einen Teil 2 folgen lassen. Sie haben nämlich originelle Todesanzeigen gesammelt und veröffentlicht.
 
Der Titel des Buchs ist einer Todesanzeige entnommen, darin wird der Tod von Elmar L. angezeigt, und über diesem Namen steht eben „Aus die Maus“. Neben seinem Foto kann man ausserdem lesen: „Nie gekämpft – im Strom des Lebens getrieben …darin untergegangen“. Der Mann ist in seinem 39. Lebensjahr verstorben.
 
Bei Klaus A. wird die Tatsache auf den Punkt gebracht. Über seinem Namen steht nur kurz: „Ich bin tot“. Unter seinem Namen steht das Todesdatum.
 
Ein Reiter wird mit dem Text „Horrido. Ein letzter stiller Gruss“ verabschiedet.
 
In einer Todesanzeige einer Stuttgarter Zeitung war zu Otto H. lesen: „Er starb wie gewünscht im Neckarstadion“.
 
Herbert S. hatte, laut Todesanzeige, noch einen Wunsch: „Gerne wäre er noch angeln gegangen“.
 
Über dem Namen von Waltraud N. stand: „Ein Gänseblümchen macht nun für immer bubu…“ (was immer das bedeuten mag ...), und unter ihrem Namen und den Geburts- und Sterbedaten steht: „Hat ihren Platz auf einer grünen Wiese gefunden“, was für eine solche Pflanze nicht der schlechteste ist!
 
Unter dem Namen des 18 Jahre alte gewordenen „Thomas Crümel“ stehen die Lebensdaten und ganz kurz „SCHEISS MOTORRAD“, in Grossbuchstaben. So weiss jeder, wie er zu Tode gekommen ist.
 
Rätselhaft bleibt die Anzeige mit den Worten über dem Namen „Unserem lieben Boss“ und darunter: „Einen letzten elefantösen Gruss von seinen Damen“.
 
Bei Werner K., im 93. Lebensjahr verstorben, steht: „Wenn man sich das so richtig überlegt, dann war das Allerhand …“. Es darf gerätselt werden!
 
Bei Professor Dr. Gerburg T. ist die Todesursache aus der folgenden Überschrift erkennbar: „Tumor is. Rumor is. Humor is nich.“
 
Zu Roland K. heisst es in der Todesanzeige: „Ich bin umgezogen“ und seine “neue Adresse“ wird bekannt gegeben: „Friedhof Rehalp, Forchstr. 384, 8008 Zürich, Urnen-Reihengrab 4276“. Der Postbote wird ihn zu finden wissen!
 
Hinweise aus dem Leben des Verstorbenen können gereimt sein und so lauten: „ Die Bahnhofsbank ist leer, Du fehlst uns sehr. Warst immer da, bei jedem Wetter.“
 
Und unter dem Namen: „Tüten Alfred“: „Du warst ein Netter. Nun hast Du Deinen Frieden, mögest Du im Himmel auch Dein Körnchen kriegen. – Mach’s gut!“
 
Die beiden Autoren waren bestimmt nicht die ersten, die diese Idee mit kuriosen Todesanzeigen hatten. Nicht nur Todesanzeigen können Aufmerksamkeit erregen, sondern auch Grabsprüche.
 
Ein paar Auszüge aus dem kleinen Büchlein „Gar kurz ist’s bis zur Ewigkeit… Eine Sammlung kurioser Grabsprüche“, Eulenspiegel Verlag, Berlin 1982, möchte ich noch anfügen:
 
„Hier liegen Asche und Gebeine der Cineres et ossa L.P. Philocapta aus Laodicea, Hic sita sunt, die von unersättlicher Liebeslust erschöpft Qua insatiabili venere exhausta in den Armen eines Mannes starb. Supter vivo viro mortua est.“
 
„Ci-gít, qui fut 15 ans pucelle, 20 ans catin, puis 8 ans maquerelle!“
(Sie war 15 Jahre jungfräulich, 20 Jahre Sünderin und 8 Jahre Kupplerin!)
 
Vom Dichter Klabund stammt folgende Grabinschrift: 
„Hier ruht Frau Brauereibesitzersgattin Mayer,
Sie starb kurz nach der silbernen Hochzeitsfeier.
25 Jahren lebten sie in ehelichem Frieden,
Da gab er ihr eine Watschen – und sie ist verschieden.
 
Unter diesem Stein musste man den Gatten
Der Frau Brauereibesitzersgattin Mayer bestatten.
Er hatte ein zu empfindliches Gewissen,
Jene Watschen hat auch ihn selbstmörderisch in den Tod gerissen.“ 
Am Schluss dieses Büchleins ist die kleine Schrift „Poetische Grabsprüche“ aus dem Jahre 1686 abgedruckt. Ein Autor namens Adams versuchte sich an solchen berühmten Persönlichkeiten der Weltgeschichte wie Seneca, Diogenes, Cicero, König Ludwig XIII. und Gustav Aldolph, König von Schweden. Es sind auch Sprüche über einfache Bürger aufgeführt:
 
„Zweyer Verliebten“: „Hier sind zwey Liebende in einer Grufft begraben / So lange Zeit gebuhlt / doch nichts gegessen haben / Und riss der grimme Todt gleiche ihre Hoffnung ein / So musste doch ihr Leib allhier vermischet seyn.“
 
„Einer keuschen Jungfrauen“: „Nicht rede hier zu frey / entblösse dich auch nicht / Hier ruhet Cynthia der Keuschheit helles Licht  / Den Leib so keine Brunst vermochte zu versehren / Den sollst du Reisemann auch bey den Todten ehren.“
 
Über den folgenden Grabspruch „Einer alten Magd“ lässt sich ebenso schmunzeln: „Ein ungebrauchtes Schloss / ein ungenützter Herd  / Ein Köcher ohne Pfeil / ein unbeschritten Pferd / Die könnten sollte man sie recht und wohl begraben / Bei dieser alten Magd ein füglich Leichmahl haben.“
 
Wir sollten uns noch folgenden Grabspruch zu Herzen nehmen: 
„Marsch fort, Leser!
Verliere hier deine Zeit
Nicht mit dem Lesen alberner
Prosa und Verse.
Was mich betrifft, so sagt
Dir mein Grab, was ich bin,
was ich war, geht dich
einen Dreck an.“ 
Und das habe ich noch zu sagen: 
Wenn ich einst gestorben bin,
streut meine Asche in den Fluss.
Mein Leben war in meinem Sinn,
mit Freude, Leid und oft Genuss.
Ihr wisst nicht, warum es gut gewesen?
Müsst meine Blogs noch einmal lesen! 
Quellen
Glücksspiel eBook: „Sonja Wild“: Amazon.de: Kindle-Shop. 
 
Hinweis auf weitere Blogs über den Tod
31.10.2010: Das Alter und der Tod: Vorüber ... Jetzt bist du dran ...
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