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BLOG vom 16.11.2012


Luther, Evangelische Kirche Deutschland und Pussy Riot
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Was soll man: kopfschütteln, protestieren, lachen oder weinen?
 
Deutschlands evangelische Kirchen bereiten sich schon jetzt auf die 500-Jahr-Feier des Thesenanschlags Luthers im Jahr 2017 vor. Vorher muss aber noch zum 9. Mal im April 2013 im Geburtsort von Martin Luther in Eisleben der mit 10 000 Euro dotierte Preis „Das unerschrockene Wort“ der 16 Lutherstädte vergeben werden.
 
Es gab mehrere Vorschläge, wer diesen Preis erhalten soll, unter anderem auch die Gruppe „Pussy Riot“.
 
Sie erinnern sich: Die Band „Pussy Riot“ (übersetzt etwa: „Muschi-Krawall“) hatte im Februar den allein Priestern vorbehaltenen Bereich der Moskauer Kirche gestürmt. Dort riefen sie in einem „Punkgebet“ die Gottesmutter Maria unter anderem dazu auf, Präsident Wladimir Putin zu verjagen. Ihr Protest richtete sich auch gegen die Verquickung von Kirche und Politik in Russland. Die Band-Mitglieder wurden wegen Rowdytums aus religiösem Hass verurteilt.
 
Einen Preis für einen Protest gegen „die Verquickung von Kirche und Politik“ zu vergeben, wäre doch ein wirkliches Zeichen, auch für Deutschland! Die Nominierung hat doch eine kontroverse Diskussion hervorgerufen.
 
„Pussy Riot“ ist eine reine Frauengruppe. Ich will sie und ihre Aktionen hier nicht beurteilen. Nur so viel: Sie haben es geschafft, weltweit Aufsehen zu erregen.
 
Sie haben diesen Preis am 10.11.2012 nicht zugesprochen bekommen, aber er sollte Anlass sein, nachzuforschen, wer denn der Namensgeber des Preises war, und was dieser unter anderem zum weiblichen Geschlecht so von sich gegeben hat.
 
Die nachfolgenden Zitate sind alle belegt. Neu ist ein fiktiver Interviewer, „GdS“, der Luther untergeschoben worden ist. Dadurch war es möglich, alle seine Aussagen sinnvoll zusammenzufügen:
 
Die Evangelische Kirche feiert Martin Luther als ihren grossen Kirchenstifter. Im ganzen Lande sind Gemeinden nach ihm benannt. Wir wollten wissen: Hat diese starke Persönlichkeit auch in der heutigen Zeit uns etwas zu sagen? Heike Jackler machte sich für www.gegendenstrom.de („Atheismus und Geistesfreiheit“) auf, um mit Martin Luther ein Interview zu führen.
 
Luther: Die grösste Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.
 
GdS: Na ja, eine hohe Meinung von den Frauen haben Sie nicht, das ist bekannt. Ich hörte, sie trauten den Frauen durchaus zu, mit einem männlichen, dämonischen Wesen im Schlaf zu verkehren. Und auch deren Verbrennung als Hexen auf dem Scheiterhaufen befürworten Sie.
 
Luther: Wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben. Es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen und trügen lassen.
 
GdS: Trotzdem haben Sie sich entschlossen, zu heiraten. Wie haben Sie ihre Auswahl getroffen?
 
Luther: Ich heiratete eine entlaufende Nonne, Katharina von Bora. 1525 war das, wir feierten ein rauschendes Fest.
 
GdS: Während die Bauern verreckten? – Warum haben Sie, ein ehemaliger Mönch, nun geheiratet?
 
Luther: Ich habe den Wunsch meines Vaters nach Nachkommen erfüllen wollen.
 
GdS: Ah ja. Als gehorsamer Sohn mussten Sie diesem Wunsch natürlich nachkommen. – Ich hörte, es gab da noch einen Grund …
 
Luther: Nun ja, die Ehe ist Heilmittel gegen geschlechtliche Zügellosigkeit und Hurerei.
 
GdS: Waren Sie wenigstens verliebt?
 
Luther: Ich war nicht verliebt und nicht in Leidenschaft, aber ich liebte meine Frau.
 
GdS: Was sagen Sie zu der hohen Scheidungsrate in unserer Zeit?
 
Luther: Ein Weib ist bald genommen, aber sie stets lieb zu haben, das ist schwer.
 
GdS: Sie hatten mit ihrer Frau viele Kinder, mindestens 9, sagt man.
 
Luther: Frauen werden mit der Mutterschaft zum Werkzeug Gottes.
 
GdS: Hatten Sie bei so vielen Geburten nicht Sorge um das Leben ihrer Frau?
 
Luther: Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.
 
GdS: Was halten Sie allgemein von Sexualität?
 
Luther: Darum hat die Maid ihr Punzlein, dass es dem Manne sein Heilmittel bringe.
 
GdS: Dann war Sexualität wichtig für Sie. Waren Sie da nicht sehr vom guten Willen ihrer Frau abhängig? Sie waren als vorbildlicher Pfarrer doch sicher ein treuer Ehegatte?
 
Luther: Will die Frau nicht, so komm’ die Magd!
 
So weit die Aussagen von Luther zum Thema „Frau“! Ist es ob solcher Aussagen noch schwierig, sich auszumalen, was Luther zu den Frauen der „Pussy Riot"-Band gesagt hätte?
 
Es scheint der Evangelischen Kirche scheinbar nichts auszumachen, was Luther so von sich gegeben hat. Weitere menschenverachtende Aussagen, z. B. gegen Bauern, Juden und Behinderte, sind allgemein bekannt. Luther habe sich bei seinen Äusserungen auf sein Gewissen und das Wort Gottes berufen!
 
Die 11. Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands in diesem Jahr am Timmendorfer Strand geht mit nur wenigen Worten über die Menschenverachtung hinweg, wenn dazu geschrieben wird: „Ihre (die der Reformatoren) Begeisterung warf zugleich Schatten: Martin Luthers Ausfälle gegen die Juden oder gegen die Bauern im Bauernkrieg; die Verfolgung Andersdenkender bis hin zur Verbrennung Michael Servets 1553 in Genf. Der Reformation war die Toleranz in die Wiege gelegt - allzu oft blieb sie dort liegen“, besonders wenn gleich angehängt wird: „Die Reformatoren schätzten die Vernunft neben der Heiligen Schrift als gottgegebene Quelle menschlicher Weisheit für das Handeln.“
 
Heisst das jetzt: der Reformator Martin Luther war ein Mann der Vernunft?
 
Was die Synode im Anschluss gegen mögliche Auswirkungen der Aufklärung formuliert, sollte sie doch eher an den Worten Luthers messen, wenn die Synode veröffentlicht: „Aufklärung kann umschlagen in eine ,Vergottung’ des Menschen bei gleichzeitiger Verachtung der Menschenwürde einzelner oder ganzer Gruppen von Menschen und in eine entgrenzte Hochschätzung der Vernunft mit ihren vermeintlichen Zweckrationalitäten, deren ,Vernünftigkeit’ nicht mehr kritisch reflektiert wird.“
 
Laut dem ehemaligen CDU-Generalsekretär und Bundesminister für Jugend und Familie, Heiner Geissler, wäre Jesus auf der Seite der „Pussy Riot"-Band gewesen: „Sie haben gegen die korrupte Verflechtung der orthodoxen Kirche mit Staatsmacht und russischen Finanzoligarchen protestiert.“
 
Sollte man die Gruppe nicht einmal einladen, die Aktion zum Beispiel im Kölner Dom zu wiederholen? Oder gibt es in Deutschland keine „Verquickung“ von Staat und Kirche? Nach dem Strafgesetzbuch § 167 hätte sie übrigens bei uns ebenfallseine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren zu erwarten! Ob sie dann auch für einen Preis nominiert würde?
 
Ich würde mich freuen, wenn das kommende Lutherjahr dafür genutzt würde, nicht nur die Kirchenspaltung zu feiern, sondern auch dafür, seine Aussagen genauer unter die Lupe zu nehmen und entsprechend zu beurteilen! Dann würde man ihn nämlich ehrlichen Gewissens nicht mehr „feiern“ können!
 
Quellen
 
Hinweis auf weitere Blogs mit Bezug zu Martin Luther
10.10.2009: Die 4 Wohltaten, oder: Der Zeitgeist, in Glossen gefasst
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