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BLOG vom 24.07.2012


„BBC 2”-TV: „Show me the Monet” und die Henker …
 
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
3 Richter, allesamt Kunsthistoriker, beurteilen gegenwärtig die Werke unbekannter Künstler, die im „BBC 2“-TV-Programm in London ihre Gemälde, Fotos und Skulpturen der Jury vorlegen. Die meisten der Eingaben verwerfen sie. Bezeichnenderweise treten sie als „Hanging Committee Judges“ – grob als Henker verdeutscht – auf. Jene Werke, die ihren Beifall finden, werden in den Londoner „Mall Galleries“ Kauf ausgestellt.
 
Die Kunstanwärter treten teils scheu, teils selbstbewusst vor diesem Expertentriumvirat auf, und sie erläutern ihre Motivation zu ihren Kreationen und was sie damit bezwecken wollen. Viele ihrer Aussagen bewegen mich, und ich kann ihnen nachempfinden. So bin ich auf der Seite der Aspiranten und nicht auf jener der Experten und masse mir kein Urteil an. Die vorgezeigten Werke sind Gemälde, Fotografien und Skulpturen.
 
Ich wähle hier als Beispiel die Digitalaufnahme eines alten Fischers, von der 47-jährigen Shona MacMillan mit dem Titel „300 years of fishing to the end of the line“ (300 hundert Jahre Fischfang bis zum Ende der Leine). Der alte Fischer war gezwungen, sein Boot zu verkaufen. Seine karge Existenz ist zu Ende. Sein vom Meer gegerbtes und zerfurchtes Gesicht zeigt ihn mit selbstversunkenem Ausdruck, in sein Schicksal ergeben. Man merkt, dass Shona MacMillan diesen zermürbenden Zerfall der Küstenfischer miterlebt hat. Das Ende der Fangleine ist erreicht. Heute wird industriell mit Schleppnetzen gefischt. Das Meer wird leergefischt.
*
„Zeige mir den Monet“, zur grossartigen TV-Show aufgezogen, könnte auch so ausgelegt werden: „Zeige mir das Geld (money)“. Die Kunst, oder vielmehr das, was sich heute – eigentlich seit jeher – als Kunst darbietet, ist vorwiegend auf Sensationshascherei ausgerichtet und wird von Scharlatanen kapitalkräftig unterstützt und aufgezogen (siehe Blog Massenkultur: Ist die Kunst auf dem Abstellgeleise? vom 07.05.2005).
 
Für diese Show wurden 3 Kunstexperten angeheuert, die keine Künstler sind, und sich der Kunst als übergeortnet aufspielen, gegen saftiges Entgelt. Sie geizen nicht mit abwertender Kritik, wie: „Das gehört in ein Kinderbuch“.
 
Urteile ich zu hart und ungerecht? Ich klammere dabei viele wahre Kunstkenner und Kunstliebhaber, im Gegensatz von Kunstexperten, von meinem Verriss aus. Es gibt sie noch, die echten Lehrmeister in Kunstschulen und auch in Kunstakademien, die jenseits der starren Dogmas wirken und als Leitbilder für angehende Künstler gelten. Die Lernprozesse in der Kunst sind lang und hart und andauernd – lebenslang, bin ich geneigt zu sagen.
*
Wie viele Erwartungen müssen angehende Künstler begraben? Wenige haben den Willen zum Durchhalten. Der erfolgreiche Durchbruch gelingt selten jenen, die ihre Kunst ernst nehmen, abseits der mondänen und kurzfristigen Strömungen.
 
Aber deswegen wollen wir nicht traurig sein, noch das mangelnde Kunstverständnis anklagen. Die Freude am gelungenen Werk sei des Künstlers Lohn, im Grossen wie im Kleinen. Auf alle Fälle, lässt Euch nicht von den grossmäulig auftretenden Kunstexperten beirren und verwirren. Das möchte ich jenen zurufen, die entmutigt vom Spektakel dieser TV-Bühne abtreten.
 
Hinweis
Mehr darüber ist nachschlagbar unter: www.showmethemonet.tv/ .
    
Einige weitere Beiträge zur Kunst von Emil Baschnonga
07.05.2005: Massenkultur: Ist die Kunst auf dem Abstellgeleise?
 
 
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