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BLOG vom 14.06.2012


Wege zu Pannen: Was würden Sie an meiner Stelle tun?
 
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Die Frage „Was würden Sie an meiner Stelle tun?“ wird oft gestellt. Was erwartet der Fragesteller?
 
2 Episoden mögen gewisse Schwachstellen aufdecken, die 1. recht offenkundig, die 2. eher kaschiert.
 
1. Episode: „truite bleu“
Arnold wurde laufend vom Pech verfolgt. Er suchte Rat bei einem Freund. Wieder einmal hatte ihm eine Frau einen Korb erteilt. Arnold entflammte sich leicht – wie Stroh, das zum Strohfeuer wird. Vorgestern hatte er sie, Marianne, in ein stadtbekanntes Restaurant eingeladen. Der Kellner reichte ihnen die Speisekarte.
 
„Bringen Sie uns Champagner“, sagte Arnold gebieterisch.
 
„Aber ich mag Champagner nicht“, wandte Marianne ein. „Mineralwasser wäre mir lieber.“
 
Der Kellner schenkte ihr Mineralwasser ins Glas und ihm Champagner. Arnold wies gegen den gläsernen Fischkasten und schlug vernehmlich vor: „Warum nicht eine ‚truite bleu’?“
Marianne schnitt ein Grimasse: „Die armen Forellen … nein!“
 
Nach einer Gesprächspause fragte er sie pikiert, ob es etwas gäbe, das sie möge. „Ein gemischter Salat genügt mir vollkommen.“
 
Marianne bekam ihren Salat, und Arnold seine truite bleu.
 
„So kriegen wir beide, was uns schmeckt,“ wandte er sich an Marianne und wünschte ihr einen guten Appetit.
 
Lustlos stocherte Marianne im Salat. Die frisch zubereitete Forelle hatte ihr den Appetit verschlagen.
 
Die Mahlzeit war rasch vorbei. Marianne schlug das Dessert aus und begnügte sich mit einem Minzentee. Arnold bestellte einen „Kaffee Seitenwägeli“ (nach Schweizer Art von einem Gläschen Kirsch begleitet).
 
2. Episode: Allergien
„Nur alte Frauen und Hunde mögen mich“, beklagte sich Arnold, abermals Rat heischend. „Alle meine Mühen, mir Gunst anderswo zu sichern, sind umsonst."
 
„Wie verhalten sich die Katzen dir gegenüber?“ stellte ihm sein Freund verhalten die Gegenfrage.
 
„Ich bin allergisch auf Katzenhaar“, antwortete Arnold.
 
„Bin ich froh, dass ich keine Allergie bei dir auslöse“, meinte sein Freund ohne böse Absicht.
 
Diese Antwort erboste Arnold. Ihre Freundschaft brach auseinander.
*
Wer geneigt ist, die Fährten zu einem glücklicheren Leben zu orten, findet in Ludwig Reiners „Sorgenfibel“, untertitelt „... oder die Kunst, durch Einsicht und Übung seiner Sorgen Meister zu werden“ gangbare Wege, die selbst mir als Setzkopf hin und wieder geholfen haben.
*
P.S. Diese Fibel wurde seit 1948 vom Biederstein Verlag, München, in mehreren Auflagen veröffentlicht.
 
Hinweis auf weitere Feuilletons von Emil Baschnonga
 
 
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