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BLOG vom 05.09.2011


Freilauf: Mein persönlicher Ratgeber zu Zielsetzungen
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Für mich gilt:
 
Bloss ein Ziel auf einmal aufs Korn nehmen und es unverzüglich verwirklichen. Das gilt besonders für zeitlich begrenzte Ziele.
 
Viele Ziele überfallen mich ruckartig wie ein Befehl: „Räume dein Arbeitspult auf!“ Lese ich müssig ein Buch, klappe ich es zu. Ich muss aufräumen – und räume auf, damit ich meine Ruhe wieder gewinne. Platz ist geschaffen: für ein neues Durcheinander von Papieren.
 
Unliebsame Arbeitsziele muss ich sofort anpacken. Sie müssen mit geringstem Zeitaufwand bewältigt werden. Damit gewinne ich Zeitlücken für angenehmere Dinge im Leben.
 
Sich nicht stören und ablenken lassen, bedarf allerlei Kniffen. Mein Glück war, dass ich eine gute Sekretärin hatte, die es verstand, Störenfriede abzuwimmeln, etwa mit dem Hinweis: „Er ist gegenwärtig unter starkem Zeitdruck. Versuchen Sie es morgen nochmals.“
 
Auch ein zielloses Wandern durch Strassen führt unverhofft zu Zielen, genau so wie der Freilauf von Gedanken. Man sollte auch für Zufallsziele offen bleiben.
 
Lasse die Ziele anderer Leute nicht auf dich abwälzen, es sei denn, sie stimmen mit deinen überein.
 
Vermeide Ärgernisse, damit deine aktuelle Zielbestimmung nicht entgleist.
 
Ein grosses, zeitaufwendiges Ziel in Etappen angehen, sonst kommt man leicht ins Schleudern.
 
Ziele flexibel behandeln. Bei Platzregen verschwinden Bauarbeiter und Gärtner. Dann nehme man Zuflucht zu Zielen, die man im Trockenen angehen kann. Wetterunabhängige Ziele finde ich in meiner Schreibbude.
 
Ich habe gehört, dass Einfälle unter Alkoholeinfluss gedeihen. Bleibe nüchtern, während du dich mit Zielen beschäftigst, sonst lösen sie sich im Alkoholdunst auf.
 
Erzwungene Zielsetzung bricht auseinander.
 
Mit Lust und Laune wird kein Ziel erreicht.
 
Niemand kann ziellos glücklich sein.
 
Der Müssige umrundet das Ziel; der Beflissene umkreist und fängt es ein.
 
Jeder kann seine eigenen Ziele verfolgen, solange sie kein Unheil stiften.
 
Vorsicht: Ein Gedankenaufprall mitten im Ziel kann dich aus dem Gleichgewicht werfen.
 
Viele Ziele sind unerreichbare Traumvorstellungen.
 
Wähle vorzugsweise Ziele, die nicht vom Alter abhängig sind und selbst im vorgerückten Alter Früchte tragen.
 
Hinweis auf weitere Feuilletons von Emil Baschnonga
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