Startseite 
Kontakt  °  Inhaltsübersicht  
Seite weiterempfehlen
     16. Dezember 2018, 23:56 Uhr
 


Schlossportal
 Kundeneingang

 
 
BLOGs nach Datum sortiert Alle BLOGS zum Zurückblättern
BLOG vom 30.08.2011


Der Mangel an Integrität – ein moralisches Dilemma
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
In der heutigen Zeit besteht ein akutes Manko an Integrität – sei es in der Politik, in der Geschäftswelt oder im privaten Bereich. Hier seien nur einige Beispiele vom Gipfel bis in die Niederungen aufgegriffen:
 
Der eklatante Spesenbetrug der Politiker in England hat die Bevölkerung empört.
 
„Pledges“, also Versprechungen, wie etwa die Abschaffung der Erbschaftssteuer – unter vielen anderen –, bleiben unerfüllt.
 
Banken treiben Schindluder mit 0-Zinssätzen für Sparer und belasten ihre Kunden mit einer Reihe von saftigen Zuschlägen aller Art – etwa überrissene „arrangement fees“ für neue Hypotheken.
 
Die Bestechungs- und Lügenmanöver innerhalb Rupert Murdochs News Corporation, besonders im Zusammenhang mit „Telefon Hacking", werden angeprangert.
 
Schummel- und Schiebergeschäfte, Betrug und Verleumdungen unter den Leuten im Wohlstandsgipfel allgemein bis in alle Niederungen.
*
Ich möchte hier kurz und fragmentarisch in den Niederungen des Alltagslebens verweilen und stelle mir die Frage: Ist die Integrität angeboren oder wird sie erworben? Sie scheint mir nicht im Geburtsschein verbrieft zu sein. Sie entwickelt sich bestenfalls im Elternhaus, unterstützt von eigenen Erfahrungen und Vorbildern. Die Gebote der Religionen sind ebenfalls Wegweiser zum rechtschaffenen und unbescholtenen Leben. (Die Philosophie behandelt das Thema Integrität nur nebenbei und oberflächlich. Setzt sie die Integrität als gegeben voraus?) Die Künstler, die den Künstlernamen verdienen, sind in ihren Werken geradlinig und unbestechlich. Ob sie es auch in ihrem Privatleben sind, bleibe dahingestellt.
 
Nochmals die Frage: Wie steht es um die Integrität in unserem Privatleben? Sie kommt uns nicht zugeflogen, sondern entwickelt sich oft lebenslang, bis die Einsicht reift, wonach dem rechtschaffenen Leben der Vorrang gebührt.
 
Junge Leute verstricken sich leicht wie Gimpel im Lebensnetz. Sie müssen sich in dieser Welt mehr und mehr auf Kosten anderer behaupten. Vom Ehrgeiz angestachelt, vermeinen sie, ihre Ziele liessen sich auf krummen Wegen leichter und vor allem rascher als auf geraden erreichen. Sie werden früher oder später düpiert.
 
Wer verrät als Schüler einen Klassenkameraden, der dem Lehrer einen üblen Streich gespielt hat? Ein Schulbeispiel ist im amerikanischen Film ( 1992) „Scent of a Women“ (Duft einer Frau) verankert:
 
2 Studienfreunde ertappten 2 Kameraden, die einen Gummiballon voll weisser Farbe an einer hohen Strassenampel befestigten, genau dort, wo der Rektor sein Luxusauto parkiert. Das Malheur geschieht: Der Rektor wird samt seinem Auto vom Weiss übergossen. Ein Disziplinverfahren wird eingeleitet. Die beiden Freunde wurden als einzige Zeugen dieses Streichs ermittelt, aber verweigerten, die Übeltäter zu nennen. Chris entstammt einer bescheidenen Familie, sein Freund hingegen hat einen einflussreichen Vater, und entlarvt schliesslich die Übeltäter. Allein und verlassen sitzt Chris auf der Anklagebank. Im letzten Augenblick erscheint ein blinder Colonel im Ruhestand, von Al Pacino glänzend gespielt, und liest dem Rektor die Leviten kräftig und geradlinig und verhindert damit im letzten Augenblick, dass Chris von der Havard Universität verstossen wird.
 
Wie es zur Freundschaft zwischen Chris und dem Colonel kam und was sie gemeinsam erlebten, ist so rührend wie spannend gefilmt. Dabei kristallisiert sich nach und nach die Begriff von der Integrität.
*
Wiederholt wird in England das Publikum aufgefordert, Betrüger von öffentlichen Wohlfahrt-Zuschüssen zu entlarven. Neid zwickt viele Leute, ihre Nachbarn zu verraten. Das hat wenig mit Zivilcourage zu tun und erweckt nur Hass und Rachegefühle der Betroffenen.
 
Grobe und kriminelle Verstösse gegen das Gemeinwohl, wie kürzlich von den Randalierern in England verübt, ist ein anderer Fall, der rechtfertigt, dass der Bürger mithilft, die Täter zu entlarven.
*
Angenommen, jemand verliert eine Banknote, vergisst einen Schirm, eine Handtasche, würden Sie diese auflesen und dem Verlierer übergeben? Unbedingt!
 
Jemand hat eine Goldspange verloren, was dann? Das Fundstück auf dem nächsten Polizeiposten aushändigen.
 
Wer willentlich und mit betrügerischer Absicht Leute hinters Licht führt, ist ein armseliger Lump. Aber solches Lumpenpack vermehrt sich wie Kaninchen. Dabei versandet der Begriff von der Integrität.
 
Damit ist das Thema keineswegs erschöpft, aber diese Fallbeispiele mögen der strauchelnden Integrität da und dort auf die Beine helfen.
 
Hinweis auf weitere Feuilletons von Emil Baschnonga
Ihre Meinung dazu?

 
Nach oben  
Alle Blogs
Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter
Blogs nach Autoren
Blogs nach Autoren
Artikel nach Autoren
Wer was geschrieben hat
  Twitter
Wir sind auch auf Twitter, ebenso unsere Gedankensplitter
 
   
  © 2002-2017 Textatelier