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BLOG vom 12.05.2011


Tierschicksale: „Schlangen und Echsen vereinigt euch!“
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Dieser Aufruf „Schlangen und Echsen vereinigt euch!“ erreichte Schlangen und Echsen verschiedenster Art erstmals in Leymen und Umgebung (Departement Haut-Rhin, Frankreich). Versammlungsort war die Burgruine Landskron, wenige Schleichminuten von der Schweizer Grenze entfernt. Dort trafen sie sich im Pulverturm, während die lokale Bevölkerung im Juni das „Summerfäscht uf dr Landskron“ (Sommerfest auf der Landskron) feierte, doch weit weg von der Anhöhe, auf der die Burgruine steht.
 
„Naja Naja“, eine aus menschlicher Gefangenschaft entschlüpfte Brillenschlange züngelte die Antrittsrede:
 
„Selbst hier oben werden wir von den bösen Menschen verfolgt und erschlagen oder zertreten. Dagegen müssen wir uns wehren, sonst sterben wir allesamt aus.
 
Wir wurden unserer Wiesen und Bäche beraubt und finden je länger desto weniger Unterschlupf im Gestein unserer Burg. Als Vorbedingung müssen wir endlich miteinander im Frieden leben und zusammenhalten.“
 
Die Blindschleiche meldete sich zuerst zum Wort: „Zwar bin ich keine Schlange, bloss eine ungiftige Echse und keineswegs blind und kann sehen, was rings um mich geschieht. Doch kein Mensch unterscheidet zwischen mir und euch. So könnt ihr euch auf mich verlassen: Ich werde euch durch dick und dünn unterstützen!“
 
Beifällig klapperte die Klapperschlange. Sie war zusammen mit Naja Naja aus dem Käfig entwischt. „Bei Gefahr werde ich laut mit meinem Schwanz rasseln,“ versprach sie. „Ich sehe so gut wie die Blindschleiche, sogar nachtsüber!“ Sie schlängelte sich wohlig auf einem von der Sonne bestrahlten Stein. Der Klimawechsel gab ihr noch immer zu schaffen.
 
Jetzt meldeten sich die Giftnatter und die Kreuzotter. „Die Defensive dürfen wir giftigen Schlangen nicht vergessen“, züngelten sie.
 
Aber da huschten blitzrasch die Eidechsen aus ihren Spalten und gaben zu bedenken: „Ohne Strategie könnt ihr nichts gegen die Menschen ausrichten.“
 
Eine lebhafte Diskussion entspann sich um die Wahl der geeigneten Strategie. Eine der Schlangen kam auf die Glanzidee, Hunde statt Menschen zu beissen. „Hier oben werden die besten Freunde der Menschen von der Leine gelassen und schnuppern überall herum und bellen ,Zeter und Mordio’, sobald sie ein kriechendes Lebewesen entdecken. Dann springen die Menschen herbei und erschlagen uns!“
*
Diese Schlangenstrategie wurde zum Erfolg. In Leymen und Umgebung bellte bald kein Hund mehr. Die Menschen mutmassten, ob das Hundesterben von der Vogelseuche oder der Maul- und Klauenseuche ausgelöst worden war. Der Ansteckungsherd war rasch rund um die Burgruine Kronsberg geortet, und das Gebiet kam unter Quarantäne. So entstand das 1. Schlangenparadies. Ihm folgten andere, immer um Burgruinen angesiedelt. Die Schlangen gewannen ihre Wiesen zurück.
 
PS: Der Autor möchte der Leserschaft versichern, dass er weder ein Hunde- noch Menschenfeind, aber überzeugt ist, dass auch die Schlangen ihr Daseinsrecht haben.
 
Hinweis auf weitere Feuilletons von Emil Baschnonga
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