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BLOG vom 21.06.2010


Fuchs, Dachs, Maulwurf, Grau-Eichhörnchen angeklagt
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Der Fuchs
Nach der Ratten- und Mäuseplage ist der Stadtfuchs zur Zielscheibe geworden. Nur ein toter Fuchs sei ein guter, meinen Leute, welche die Füchse hassen, aber Hunde und Katzen halten. Mehr und mehr modisch umweltbewusst ergrünte Städter sind heutzutage auf frisch gelegte Frühstückseier erpicht, von ihren 2 oder 3 Legehühnern im engen Stadtgarten geliefert. Auch diese Eierköpfe (das ist nicht böse gemeint!) gesellen sich zur wachsenden Schar von Fuchsfeinden (das hingegen sehr!). Wo können solche Hühner scharren? Wer bietet ihnen einen Misthaufen? Wegen des Fuchses werden sie ins Gehege verbannt.
 
Seitdem Küchenabfälle nicht mehr in Plastiksäcken auf die Strasse gestellt werden, sondern  in „wheelie bins“ gestapelt (der Ersatz einstiger „Ochsnerkübel“) auf die Kehrichtabfuhr warten, sind die Füchse hungriger geworden.
 
Obendrein schreckt das Geheul der Füchse während der Paarungszeit manchen Bürger nachtsüber aus dem Tiefschlaf. So verlängert sich das Sündenregister der Füchse. Nicht zuletzt soll der Fuchs auch ein Träger von Krankheitserregern sein.
 
Die hervorragende Kinderliebe der Engländer – nach ihren Katzen und Hunden – ist hinlänglich bekannt und bewahrheitete sich wiederum, als sich vor rund 2 Wochen in Hackney (ein Londoner Quartier) am helllichten Tag ein Fuchs ins Haus schlich und das Kinderzimmer aufsuchte, wo er 9 Monate alte Zwillingsmädchen heftig biss. Der Hitze wegen war die Zimmertüre offen geblieben. Jetzt wird der Fuchs erst noch als Menschenfresser angeprangert, ausgerechnet vom Menschen, der Tiere isst – und selbst vor Fröschen und Schnecken nicht Halt macht, wogegen vor allem aus vegetarischer Sicht etwas einzuwenden ist.
 
Auf dem Land wird der Fuchs noch immer von Hunderudeln aufgespürt und gehetzt und von rot kostümierten Reitern hoch zu Ross mit Jagdhorn und Schiessgewehren zur Strecke gebracht. Und was sonst noch essbar ist oder nicht, knallt er auf Safaris ab. Geschützt oder nicht, verlieren Elefanten und Nashörner im grauenhaften Gemetzel ihre Stosszähne und ihre Hörner.
 
Wiewohl der Mensch gemeinhin der Vernunft entbehrt und gern Tatsachen verdreht, sei darauf hingewiesen, dass Fuchsbisse an Menschen verhütbare Einzelfälle und Ausnahmen sind, verglichen mit den bissigen Hunden, die letztes Jahr in England 5211 Leute angefallen haben, worunter 1250 Kinder waren.
 
Die Meinungen klaffen auseinander: Die Stadtfüchse vermehren sich wie Kaninchen, behaupten gewisse Kreise, andere sagen, ihre Anzahl stagniere. Je länger desto weniger können sich die Füchse im Supermarkt aus vollgestopften Kehrichtsäcken ernähren. Das wirkt sich auf ihre Geburtsrate aus. Auch braucht jede Fuchsfamilie Platz, und der zunehmende Platzmangel hält ihre Anzahl in Schach. Die Gärten werden verbaut und die Autostandplätze zementiert.
 
Einst war der Fuchs sehr scheu. In den Städten haben sich die Füchse inzwischen an die Menschen gewöhnt, und sie erscheinen zu allen Tagesstunden auf Strassen und Plätzen, was den Eindruck erweckt, sie seien zahlreicher geworden.
 
Bei uns kommen keine Füchse ins Haus, auch keine Katzen und Hunde. Der Hund geifert mir zu viel; die Katze lässt – trotz überfüllter Fressnäpfe – die Vögel nicht in Ruhe, machen sich genau in meinem Lieblingssessel breit und lassen zu viel Haare, zerkratzen Teppiche und Möbel und stossen antike Vasen um. Warnung: Ihre Samtpfoten haben Krallen! Die Wartung von Hunden und Katzen ist ausserdem sehr kostspielig. Jetzt werde ich der mangelnden Vernunft bezichtigt …
 
Hier noch einige kurze Hinweise zu Lebewesen, die dem Verfolgungswahn der Menschen ausgesetzt sind.
 
Der Dachs
Kinder und ich mögen den drolligen Dachs, in England badger genannt. Die Landwirte mögen ihn ganz und gar nicht. Er verseuche die Rinder mit „bovine tuberkulosis“ (Rinder-Tuberkulose) und wird folglich vergast, vergiftet und erschossen, wo immer er in der Nähe vom Rindvieh auftaucht. Er ist weit verbreitet in Wales, aber hat sich inzwischen auch in den Aussenquartieren von Städten niedergelassen, London inbegriffen. Dem „Badger Trust“ ist es gelungen, die nächste Razzia gegen den Dachs in Wales wenigstens zeitweilig aufzuschieben.
 
Der Maulwurf
Der Einsatz von Strychnin gegen den Maulwurf ist heute verboten. Folglich vermehrt sich der Maulwurf sprunghaft, obwohl er nicht springen kann, im Untergrund von Wiesen und Weiden leibt, lebt und als talentierter Tunnelgräber seine Maulwurfhügel aufwirft. Auch ihn mögen die Bauern nicht leiden, weil er das Grünfutter der Kühe förmlich untergräbt. Die von Maulwürfen herausbeförderten Steine sollen angeblich Mähmaschinen beschädigen … Wehe, wenn so ein Stein vom Wiederkäuer zermalmt wird.
 
In den BBC-Frühnachrichten vom 15. Juni 2010 erfuhr ich, dass ihre Anzahl zwischen auf 33 Mio bis 40 Mio angewachsen ist – also halb so viele wie die Gesamtbevölkerung von Grossbritannien. Ist dieser Zahl zu trauen? Wer hat die Maulwurfshügel gezählt? Der Maulwurf hat Glück, trotz der vielen Maulwurfjäger, denn er lebt unterirdisch in seinen Katakomben und zeigt sich selten. Er soll Kühe, Schafte und Ziegen mit E.coli 0157 anstecken.
 
Auf einer Farm in Redhill durften die Kinder die wie im Zoo gehaltenen Kühe, Schafe und Ziegen streicheln. Einige von ihnen wurden prompt vom Escherichia coli infiziert. Dieser Vorfall geschah dieses Jahr und erweckte viel Aufsehen. War diese Farm mit Maulwurfhügeln übersprenkelt? Keineswegs. Mit etwas Hygiene wie Händewaschen wäre es wohl kaum zu diesem Seuchenausbruch gekommen.
 
Wie viele Leute stolpern über Maulwurfhügel und verrenken oder brechen sich das Fussgelenk? Eine Universität, vielleicht die „University of Missouri“ in Kansas City (USA), wird sich zu diesem Thema bis zur Lächerlichkeit auslassen! Bestehen darüber Statistiken in der von Maulwurfhügeln gesegneten Schweiz?
 
Die grauen Eichhörnchen
Darüber will ich mich nicht auslassen. Sie wühlen viel zwischen und in meinen Topfpflanzen. Ich werfe ein Netz des Schweigens darüber.
 
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