Textatelier
BLOG vom: 05.03.2009

London: Mein Tag begann mit diesen Frühnachrichten ...

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Weltbewegend …
Heute Morgen, um 6 Uhr 30, hatte ich zuerst die Frühnachrichten verfolgt, beginnend mit den internationalen Wirtschaftsnachrichten, die vorwiegend über Kurszerfall und Pleiten berichteten. Tagtäglich wird die gleiche Misere aufgetischt, die mich erbost. Mammon wuchert wie ein Krebsgeschwür, indem Schurken links und rechts die Kassen plündern, Arbeitnehmer auf die Strasse stellen. Ein Skandal folgt dem andern.
 
Dann erfuhr ich, dass der englische Premier Gordon Brown während seiner Rede vom 4. Februar 2009 vor dem Kongress in den USA 17 Mal mit Applaus unterbrochen wurde. Das ist vielleicht eine wirksame Art, seinen nichtssagenden Quatsch zur Finanz- und Wirtschaftskrise zu unterbrechen. Er betonte zwischenhinein immer wieder das alte Mantra der engen Beziehungen zwischen Amerika und England und wie diese 2 Nationen gemeinsam die ganze Welt aus dem von ihnen angezettelten und vorangetriebenen Schlamassel retten können. Die USA werden weiterhin nichts unversucht lassen, um diese Welt weiterhin wie eine Zitrone zum eigenen Vorteil zu erpressen und auzupressen. Barack Obama hat Gordon Brown bloss eine halbstündige Audienz gewährt, ohne ihm ein Sandwich anzubieten. Somit ist absehbar, dass Gordon Brown, der Ochse an der G20 Spitzenkonferenz (am 2. April 2009 in London) sein wird. Die Teilnehmer an diesem Palaver werden von Demonstranten wieder einmal erfahren, was sie von diesem globalisierten Spektakel halten, diesmal als ein „global new deal“ (neues globales Abkommen), von Gordon Brown zelebriert.
 
Englands letzte Spritze „quantitative easing“
Nachher folgten die Nachrichten auf England bezogen: der Zinssatz wird höchst wahrscheinlich heute auf 0.5 % gesenkt. Die störrischen Konsumenten haben bisher nicht angebissen und verschieben ihre Käufe von neuen Autos und anderen nicht lebensnotwendigen Produkten. Sie beschränken ihre Ausgaben auf Lebensmittel.
 
Jetzt wird ernstlich die letzte Spritze – das so genannte „quantitative easing“ – zur Ankurbelung der Wirtschaft erwogen. Vereinfacht gesagt, druckt die „Bank of England“ Tonnen von Banknoten, die dann in den Banken eingefahren werden. So wird „aus der Luft“ fiktives Geld gemacht, das schliesslich als Darlehen an Firmen oder Konsumenten gelangen soll. Manna vom Himmel? Ja, wer an biblische Wunder glaubt. Ich denke dabei eher an eine Heuschreckenplage. Die Banken werden sich damit polstern und ihre überrissenen Boni sichern.
 
5 Minuten goldener Sonnenschein
Nicht eben in bester Stimmung ging ich in mein Arbeitszimmer im 1. Stock und knipste den PC an. Immer länger dauert es, bis die Programme hochgeladen sind. So stellte ich mich hinters Fenster und genoss, wie die aufsteigende Sonne sanft goldene Strahlen schräg durch die Scheiben warf. Meine trüben Gedanken zum Weltengang waren sofort vertrieben. Aber dieses goldene Intermezzo dauerte kurz nach 7 Uhr nicht länger als 5 Minuten. Mein Missmut meldete sich wieder und verstärkte sich, als ich dieses Blog begann.
 
Ich bedaure die von finanziellen Nöten getroffenen Leute, die ihre Stelle verloren haben und tief in Schulden stecken. Ich denke an die Pensionierten, deren Ersparnisse ertragslos dahinschmelzen. Ich mag diese traurigen Folgen der Rezession nicht weiter verfolgen und gehe jetzt „off line“.
 
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