Textatelier
BLOG vom: 30.01.2009

WEF 2009: Wie der einseitige US-Moderator Erdogan vertrieb

Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Der gleiche Stil, wie er bei der berühmt-berüchtigten „Washington Post“ üblich ist, hat beim WEF 2009 in Davos am Abend des 29.01.2009 zu einem Eklat geführt. Ausgerechnet ein Journalist aus diesem Haus mit einer offensichtlichen Schieflage im Bereich einer ausgewogenen Haltung war dazu berufen worden, ein Podiumsgespräch über den israelischen Vernichtungskrieg in Gaza zu leiten: David Ignatius, Autor vieler pro-israelisch gefärbter Kolumnen. Sein Name deutet auf die Herkunft aus einer jüdisch-orthodoxen Familie aus Armenien hin.
 
Der israelische Präsident Schimon Peres durfte die Zerstörung der Lebensgrundlagen der Palästinenser des Langen und Breiten während 25 Minuten zu rechtfertigen versuchen und gleich auch die Stimmung für einen nächsten Krieg gegen den Iran aufheizen. Aber für eine Antwort aus dem Munde des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan, der Israel an sich freundlich gegenübersteht und auch schon als Vermittler Israel/Palästina wirkte, reichte die Zeit halt einfach nicht mehr ... Es war Zeit zum Mittagessen – und das Fressen kommt bekanntlich vor der Moral. Erdogan kam gerade noch dazu, Peres vorzuwerfen, Israel habe im Gaza-Streifen Mord begangen, obschon im Buch der Juden stehe „Du sollst nicht töten“ – und hier sei getötet worden. Das barbarische Israel habe einen unverhältnismässigen Einsatz von Gewalt verübt. Erdogan lief wütend davon, nachdem ihm weitere Worte abrupt verwehrt worden waren, und kehrte nach Istanbul zurück, wo er begeistert empfangen wurde. Peres soll sich inzwischen entschuldigt haben.
 
Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon musste sich beim gleichen Podiumsgespräch mit 8 Minuten Gesprächszeit begnügen, sprach aber 12 Minuten, und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, wurde nach rund 12 Minuten unterbrochen. Das Gespräch sei dem Moderator „ein bisschen aus dem Ruder gelaufen“, so etwas könne eben passieren, stellte der CH-TV-Mann und US-Fan Stephan Klapproth am nächsten Morgen bei der Davos-Berichterstattung herunter. Er fand alles „spannend“.
 
Dabei war es ein unverzeihlicher Fehler der WEF-Leitung, ausgerechnet einen einseitigen und unfähigen (obzwar in den USA preisgekrönten …) Washington-Post-Vertreter mit der Moderation bzw. Manipulation eines wichtigen Gesprächs zu beauftragen. Die Zeitung, die früher einmal der Objektivität verpflichtet war und noch von ihrem Ruhm wegen der Aufdeckung der Watergate-Affäre (Missbrauch von Vollmachten durch die Nixon-Regierung 1969/74) zehrt, vertritt nun einseitige pro-israelische Interessenpolitik. So unterdrückte die „Washington Post“ zum Beispiel die Berichterstattung über die 3 Demonstrationen vom 02. und 10.01.2009 in Washington mit angeblich insgesamt rund 30 000 Personen gegen den grausamen israelischen Krieg gegen die Palästinenser, die unter dem Titel „Keine amerikanischen Steuerdollars zur Tötung von Zivilisten“ stattfanden. Eine ähnliche pro-israelische Manipulation findet man in den meisten grossen US-Medien – in jenen Medien also, die Russland und China gern eine Unterdrückung der Pressefreiheit vorwerfen.
 
So hat das WEF der Welt vorgeführt, wie der Westen mit seiner hochgelobten Rede- und Pressefreiheit umgeht: Wer nicht angepasst ist, wird am Sprechen (und Schreiben) gehindert. In einem Fall fehlt es halt einfach an Zeit, im anderen an Platz. Das Vertuschen hat das Informieren an Bedeutung überholt.
 
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