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BLOG vom 13.06.2007


WEISS auf grau von T. Emin: I KNOW, I KNOW, I KNOW
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Tracey Emins Meisterstück: ICH WEISS, 3-fach wiederholt auf die graue Leinwand in Weiss geschrieben, muss grossbuchstabig und kursiv – getreulich wie im Original – hervorgehoben werden: Wahrlich eine Glanzleistung, die im britischen Pavillon in der „Venice Biennale Art Fair“ flächendeckend ausgestellt wurde und dem Land Ehre antut. WEISS auf grau, statt WEISS auf schwarz ist eine subtile Abwandlung des ICH WEISS und wird gewiss von der Kritik so wohlwollend aufgegriffen als wohlweislich gewürdigt.
 
Emin repräsentierte „Britain“ an dieser Kunstmesse in London. Jeder wahre Kunstkenner wird ob dieser glücklichen Wahl vor Freude tanzen, genau wie sie selbst, als sie zu dieser Ehre auserlesen wurde. Dort, an jener Messe, stellte sie erst noch geschmacksvoll ihre „femininity“ (Weiblichkeit, Fraulichkeit) aus. Ihre wohlgerundeten Attribute kullerten durchs offene Herrenhemd, notdürftig vom schwarzen BH aufgefangen, als ob sie sich eben aus ihrem zerwühlten Bett erhoben hätte. Das stimmt nicht ganz, denn dort suhlte sie als Nackedei. Für die Ausstellung hat sie diesmal sogar ihr Haar gewaschen, aber sie schaut noch immer wie eine bissige Bulldogge ins Rampenlicht.
 
So hat sie ihre Messe-Eindrücke von Montag bis Freitag in ihrem Wochenblog für die Nachwelt erhalten. Betäubend ehrlich entfaltet sich darin, hier nur auszugsweise aufgegriffen, ihr Talent:
 
Montag
Ich wundere mich, was die Leute und die Zeitungen (über mich) sagen werden. Werden sie über meine Weiblichkeit herziehen, wie ich mich wiederum darüber auslasse? Es hat viele Leute, die mich nicht mögen. Manchmal denke ich, das ist, weil meine Werke so einfach zu verstehen sind. Sie sind sehr klar.
 
Dienstag
Ich beschloss diesmal, einen Privatjet zu mieten. Das letzte Mal verlor die BA mein Gepäck und entschuldigte sich deswegen nicht einmal. Ich muss sicher sein, dass ich meine Garderobe habe, denn man kann die Höschen nicht laufend umkrempeln.
 
Mittwoch
Ich hoffe, die Presse mag die Ausstellung. Nachdem meine Arbeiten gelüftet worden sind (siehe die Abschlusspointe), hatte ich Lunch mit meinen Freunden Elton John und Naomi Campbell.
 
Donnerstag
Ich bin wirklich stolz, Britain zu vertreten, da wir an der Spitze der Welt sind, wenn es um Kunst geht. Den Abend verbringen wir an einer verrückten Party im ukrainischen Pavillon. Elton John ist ebenfalls mit dabei.
 
Freitag
Ich habe immer gern Lunch mit Toby Forward im „House of Lords“, zusammen mit dem Bischof von Liverpool, der meine Arbeiten schätzt – und keinen Anstoss an der Sexualität nimmt. Ich begann als 13-Jährige mit Sex. Teils war der Sex gut, teils schlecht, manchmal wild, manchmal aggressiv. Aber jedes Mal, wenn ich mit einem neuen Partner schlief, kriegte ich einen neuen Ausblick auf die Welt. Das ist noch immer der Fall. Heute hatten wir unsere Party im „Palazzo Pisani Moretta“. Jerry Hall konnte nicht kommen, doch Elton war dabei.
 
Erschöpft von den Strapazen wieder zurück in London, ging ich mir Damien Hirsts neue „Show“ im „Cube Hall“ anschauen. Ja, sie gefiel mir, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Schädel mit wirklichen Diamanten besetzt ist. Nachher nahm ich das Abendessen mit Mikhail Gorbachev (Michael Gorbatschow) ein, der Geld für Kinder mit Leukämie sammelt. Das hat wohl etwas mit Tschernobyl zu tun.
 
Mit „I KNOW“ möge Emins Zitat die Abschlusspointe ihres gloriosen britischen Auftritts an der Biennale bilden: „I’m a loose cannon (eine lose Kanone) and lots of people don’t like loose cannons“. Damit ist ihr ein knallender Furz entrutscht.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog übers Londoner Theaterleben
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