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BLOG vom 12.10.2006


Die vermummte und verschleierte Mohammedanerin
Autor: Emil Baschnonga, London
 
Eine Debatte ist in England entbrannt, nachdem der Rt. Hon. Jack Straw, Member of Parliament für Blackburn, vor wenigen Tagen den Wunsch geäussert hatte, dass er im Gespräch mit einer Mohammedanerin ihr Gesicht sehen möchte. Der Kopfschleier, der bloss eine „Briefkasten Öffnung“ für die Augen freigibt, beeinträchtige die Verständigung. Soll die Mohammedanerin seinetwegen oder meinetwegen den Schleier lüften? Etliche Universitäten wollen die Vermummung verbieten, wie dies bereits in den Schulen in Frankreich geschehen ist. Mir scheint das alles schleierhaft zu sein, was ich im Weiteren zu begründen versuche.
 
Jack Straw hat einen Meinungstumult ausgelöst: Die Presse wird mit Leserzuschriften überschwemmt. Andere Politiker geben dazu ihren Senf ab, zuletzt auch Gordon Brown auf Straws Seite. Hoffentlich erweist sich das alles als ein „Storm in the tea cup“.
 
Natürlich mengte sich auch der kontroverse Salman Rushdie, der Autor von „Satanic Verses“, in den Meinungsstreit. Ayatollah Khomeini hat ihn der Blasphemie bezichtigt und ein „fatwah“ (Todesurteil) über ihn verhängt. Lakonisch sagte Rushdie: „The veil sucks.“ Damit hat er sich grobschlächtig gegen diese „dress code“ (Bekleidungsregel) ausgesprochen.
 
Ich lobe Rushdie, weil er so vehement seine Meinungsfreiheit vertritt. Das berechtigt mich, auch meine Meinung auszusprechen. Den Zeitungsartikeln wurden Fotos von Salman Rushdie mitsamt seiner Frau, Padma Lakshmi, beigegeben. Der eher kurz gewachsene und hässliche Rushdie wird von seiner Frau überragt. Sie trägt ein schleierhaftes Gewand, das ihre Brüste weitgehend offenbart. Er steht neben ihr und grinst mit hämischem Besitzerstolz, so ein Paar der Welt vorzustellen.
 
Ein flatterndes Gewand und ein schmuckes Kopf- oder Schultertuch einer Frau des Islams gefällt mir ungleich besser als die Nackedeien, die überall auf den Strassen herumlaufen oder in den Pubs, mit wenig Drum und Dran, ihren aufgepäppelten Busen zeigen. Gleich neben diesem Glanzfoto ist ein kleineres, das ein Mädchen mit schwarzem Kopftuch zeigt, das bloss ihre feurigen grossen Augen freilegt. Ich finde dieses viel reizvoller als die „blutte“ Padma. Natürlich erwarte ich nicht, dass sich die werte Leserschaft meiner Meinung anschliesst.
 
In den 1970er-Jahren wurden die langbärtigen und beturbanten Sikhs auf ähnliche Weise angefochten. Zu den gegenwärtig angeprangerten Kleidungsstücken gilt es zu sagen, dass diese schon vor der islamischen Zeitrechnung getragen wurden. Auch die Nonnen tragen schliesslich schwarze Roben und weisse Stirnhauben als Wahrzeichen ihres Glaubens. Der Islam besteht nur auf züchtige Bekleidung bei den Frauen und auch bei den Männern. Es ist den Frauen freigestellt, ob sie ihr Gesicht abdecken wollen oder nicht. Es ist irreführend zu behaupten, dass islamische Frauen grundsätzlich Leibeigene der Männer sind. In vielen Haushalten schwingen sie das Zepter, so gut wie bei uns …
 
Es gibt verschiedenen Mummenschanz: den am weitesten verbreiteten Hijab, oft ein buntes Kopftuch; die Al-Mira als 2-teilige Kopfbedeckung getragen mit schwarzem Stirnband und einem weissen Schal übers Haupt und um den Hals geschlungen. Al-Mira heisst übersetzt der „Schal der Prinzessin“. Den schwarzen Chador tragen vornehmlich Perserinnen. Der Chador umwickelt den ganzen Körper und deckt teilweise das Gesicht ab. Den Nigab, eine Abart des Chadors, trägt die Saudiaraberin, und diese Kleidung erstreckt sich auch auf andere Teile des Nahen Ostens und Nordafrika. Die Burka, meistens aus schwarzem oder blauem Stoff, ist die extremste Form der Körperbedeckung, die nur ein Grillennetz zum Sehen und Atmen zulässt. Dieses tragen die Frauen in Afghanistan mit oder ohne Taliban.
 
Ich sage: Jede Frau hat das Recht, einen Schleier, gleich welcher Art, zu tragen, wo immer sie lebt. Es ist bezeichnend, dass zunehmend viele junge Mädchen mit selbstbewusstem Stolz ihre islamische Kluft in England tragen. Sondern sie sich damit vom Rest der Bevölkerung ab? In einem gewissen Sinne ja, aber das muss nicht so sein und bleiben. Viele unter ihnen, besonders wenn sie eine gute Erziehung genossen haben, fühlen sich in der Gemeinschaft keineswegs benachteiligt oder zurückversetzt.
 
Vermummte Mohammedanerinnen gehören mit zum Strassenbild und fallen deswegen keineswegs aus dem Rahmen der Gesellschaft, auch in Blackburn nicht, dem Sitz von Jack Straw. Wir sind an sie gewöhnt: Sie fallen nicht mehr auf. Vermummt oder nicht, holen die Mütter ihre Kinder nach Schulschluss ab. Wie ich im Wimbledon Village immer wieder feststellen kann, plaudern sie munter miteinander über religiöse Schranken hinweg – nicht nur vor dem Schulgebäude, sondern auch auf den Strassen und beim Einkaufen. Ich wette, sie besuchen einander auch zu Hause und schliessen Freundschaften.
 
Meine konziliante Meinung verändert sich augenblicklich, wenn ich eine Bande von halbwüchsigen Flegeln sehe, die sich unter Hauben verstecken und allerlei Unheil stiften. Unter ihnen finden sich etliche, die auf vermummte Frauen spucken, wie am 10. Oktober 2006 im „Evening Standard“ berichtet. Das fällt ins Kapitel „bitch bashing“ – nur war davon diesmal eine „Muslim bitch“ (eine Muslimin) betroffen. Ein verlotterter und verwahrloster Schulsack zeitigt solche Nieten, die ein gediegenes Zusammenleben verhunzen.
 
Gleich Jack Straw darf jeder seine Wünsche äussern. Den Despoten und Aufwieglern hingegen, gleich auf welcher Seite sie agieren, sollte es an den Kragen gehen. Ich zähle Rushdie zu den Aufwieglern.
 
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