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BLOG vom 10.05.2006


Hasenglöckchen: Siegt sie, die spanische Armada?
Autor: Emil Baschnonga
 
„Bluebells” oder „Harebells” nennt der Engländer die Hasenglöckchen. Doch der Schotte meint mit „Harebells“ die Glockenblumen.
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Der Engländer hat eine eingefleischte Vorliebe, Gewächse aller Art auf Lateinisch zu benennen. Die einheimischen Hasenglöckchen (Waldhyazinthen) heissen folglich: Hyacinthoides non-scripta. Mein Schwachstrom-Latein kapiert nicht, was es mit dem Zusatz „non-scripta“ auf sich hat. Mit „nicht beschrieben“ (von Herrn Carl von Linné) habe ich das möglicherweise falsch übersetzt, und nenne ich sie „Gemeine Hasenglöckchen“, dann habe ich aus dem Lapsus einen die Pflanze beleidigenden Schnitzer begangen.
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Das sollte alles keine Rolle spielen, jetzt, wo die Hasenglöckchen überall in meinem Garten zur Augenweide hochgeschossen sind, wäre ich nicht zufällig auf einen Artikel gestossen, betitelt: „Battle of the bluebells“. Danach sollen die spanischen Hasenglöckchen die einheimischen bedrohen.
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Wer als Gärtner die spanischen Zwiebeln pflanzt, wird in England beinahe des Landesverrats bezichtigt. Zum Glück bin ich schuldlos, denn in meinem Garten haben sich die Hasenglöckchen, gleich welcher Herkunft, ohne mein Zutun vermehrt. Stimmt es, dass die englischen Hasenglöckchen duften, während die spanischen geruchlos sind? Ich gehe jetzt rasch schnuppern … Wiewohl ich eben eine Zigarette geraucht habe, kann ich bestätigen, dass die englische und zierliche Variante duftet. Ich dachte der Standort bestimme, welche Hasenglöckchen höher, stämmiger, breitblättiger wachsen als andere. Das war mein Trugschluss. Bei den spanischen Hasenglöckchen sind die rund 15 Blüten ringsum den Stängel angeordnet, indessen die englischen 6 bis 12 Blüten eher seitlich entspriessen. Damit verneigen sie sich höflich, während die stolzen Spanier den Blütenkopf hochhalten. Nicht alle „Bluebells“ sind blau. Es gibt dazwischen rosa und – seltener auch weiss blühende.
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Bedrohen sie einander, liegen sie sich in den Haaren, will besagen in den Blüten? Keineswegs stelle ich erleichtert fest. Sie kommen weitaus besser als wir Menschen miteinander aus. Sie bleiben friedfertig in ihren angestammten Siedlungen verteilt. Dem ist nicht bei allen Pflanzen immer so, etwa bei den Schlingpflanzen, deren Umarmungen andere abmurksen.
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Soll ich ein Loblied auf die einheimischen Rosen anstimmen, und die Heckenröschen über alle anderen preisen?
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Zur gleichen Zeit wie die Hasenglöckchen nisten sich zwischen ihnen die eidotterfarbigen Primeln ein und vermählen sich sogar mit den kultivierten Arten zu verschiedenfarbigem Nachwuchs. Mischrassig? Warum nicht, wenn dies den Frieden zwischen Menschen fördern kann. Fremdes Volk hat schon immer die britische Insel überströmt: Hugenotten, Pakistaner, Inder und jetzt eine Völkerbewegung aus dem Balkan. Das mag vielleicht des Guten zu viel sein. Aber ein Setzling aus der Schweiz schweigt sich darüber besser aus.
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Jetzt herrscht, trotz Regens, noch immer Wassernot in Südengland. Soll ich deswegen, wie empfohlen wird, die durstigen Pflanzen, worunter auch die Hasenglöckchen in meinem Garten, mit Gewächsen aus wasserarmen Ländern ersetzen? Nein, ich werde die Abläufe vom Dach und Bad, von der Küche – und selbst vom WC – dem Garten zukommen lassen.
 
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