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BLOG vom 02.11.2005


Emailschildchen: Verbote, Gebote, Vorschriften, Bitten

Autor: Emil Baschnonga, London

Viele Emailschildchen aus der guten alten Zeit sind dauerhaft und rosten nicht, solange der Email nicht abgesplittert ist. In Basel war an vielen Haustüren das Schildchen „BETTELN UND HAUSIEREN VERBOTEN“ angeschlagen. In den Zügen war eines dreisprachig, das mir kundtat, kaum konnte ich buchstabieren, dass es ausser Deutsch und Flämisch noch andere Sprachen gibt. Dies bestimmte folglich meine sprachliche Fahrtrichtung, beginnend mit der Vorschrift „NICHT HINAUSLEHNEN! … NE PAS SE PENCHER EN DÉHORS! … E PERICOLOSO SPORGESI! ...“

Deutsch kann schroff sein: RASEN BETRETEN VERBOTEN. Viel subtiler wäre: „ACHTUNG, DER RASEN GRAST!“. Auf Englisch und Französisch lesen sich die Verbote eher wie Bitten: das „please” wird dabei vorangeschickt, zum Beispiel „PLEASE REFRAIN FROM SMOKING“ oder mit dem Kürzel „S.V.P.“ (s’il vous plait) nachgeschickt, „NE PAS CRACHER S.V.P.“ (bitte nicht spucken). Wo gibt es heute noch Spucknäpfe?

Jetzt wird auch mit den Aschenbechern aufgeräumt. Früher wurde der mit der Bahn reisende Raucher ins „COMPARTIMENT DE FUMEURS“ (Raucherabteil) verwiesen. Als ich dieses Emailtäfelchen in meinen lokalen Flohmarkt („Car Boot Sales“ in England) in Wimbledon aufgestöbert und nach Hause gebracht hatte, habe ich damit meiner Frau eine Freude bereitet. Sie bat mich, nein gebot mir, es an der Verandatüre anzuschlagen. Wird die Luft im Haus zu dick, verweist sie mich stracks zur Veranda und öffnet das Zimmerfenster sperrangelweit.

Übrigens harzt es neuerdings in England mit der Einführung des generellen Rauchverbots. Für die noch immer hartnäckig überlebenden Raucher werden enge Raucherzellen in Flughäfen eingerichtet, so eng und trostlos, wie man sich eine Gefängniszelle vorstellt oder einen Warteraum im Fürsorgeamt. So langsam, aber sicher verleidet mir das Rauchen … Ich suche gegenwärtig nach Rauchersatz. Der Kamillentee, muss ich gestehen, hat versagt, desgleichen der Tee aus Lindenblüten oder Minze. „Willensstärke“, riet mir ein Freund. Das ist das letzte Mittel, das ich probieren werde, nachdem alle anderen versagt haben.

An der gleichen Verandatüre ist ein zweites Fundstück aus Email angebracht: „THIS DOOR IS TO BE KEPT SHUT“ (Diese Türe muss geschlossen bleiben). Und verriegelt bleibt sie, damit sich ja niemand bei uns einschleicht. Am laufenden Band werden in London Einschleichdiebstähle begangen. Ein Dieb bei uns wäre angesichts des Grammophons bitter enttäuscht und böse, so böse, dass er viel Sachschaden anrichten könnte. Auch auf der Gartenseite haben wir uns mit dem schmucken Schildchen „PLEASE BOLT THE DOOR“ (Bitte Türe verriegeln) abgesichert, da uns ein bissiger Hund fehlt – eine andere beliebte Art, um unwillkommenen Besuch abzuhalten, auch den Pöstler, der dicke Post bringt.

 „Keine Reklame“ ist in der Schweiz kurz und bündig an vielen Briefkästen als Zettelchen aufgeklebt. Das ist ein Stilbruch: Email wirkt viel überzeugender und ist schöner. Von diesem ästhetischen Empfinden geleitet, sind heute wieder die altmodischen blau emaillierten Hausnummern hoch beliebt.

Abschliessend noch 2 Email-Schildchen, die sich in unserem Haus vorfinden: „THE LIGHT MUST BE SWITCHED OFF WHEN NOT REQUIRED“ (Das Licht muss ausgeschaltet werden, wenn nicht benötigt). Die Leute wussten also schon vor 80 Jahren, dass man mit der Energie sparsam umgehen sollte. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass selbst der „Stand-by“-Knopf am PC ebenfalls Elektrizität frisst.

In England ist auch die Elektrizität anders gewickelt. Die Steckdose hat 3 Stifte für den Sockel. Am Sockel ist ein roter Kippschalter fürs Ein- und Ausschalten des Stroms angebracht. Jetzt wird empfohlen, nicht nur den Sockel auszuschalten, sondern bei Nichtgebrauch erst noch die Stecker herauszuziehen. Dies wird bei uns bald das Abendturnen ersetzen, denn die Stecker sind tief angebracht, teils hinter den Möbeln versteckt. Ob das Möbelverrücken so gesund ist, das bezweifle ich.

Das letzte Schildchen ist an der niedrigen Türe zum Boilerraum angebracht, unten bei der Treppe. Es ist beschriftet : „LAMPE DE SECOURS – CIE. DE TRAVAUX ET D’ÉCLAIRAGE ET DE FORCE , PARIS” (mit Angabe der Adresse). Diese Reklame für Notlampen erfüllt – seitdem es dort befestigt ist – ihren Zweck, da wir dort hinter der Türe Ersatzbirnen aller Art säuberlich in Schuhschachteln geordnet haben. So brauchen wir nicht mehr in allen Ecken und Winkeln nach der passenden Glühbirne zu suchen.

Hinweis auf weitere Blogs zum Thema Sammlerfreuden

21. 10. 2005: „Schweizer Post: Doppelgesichtige Sondermarke Matterhorn“

23. 09. 2005: „Zum Einklang zwischen Wort und Bild: Illustrierte Bücher“

13. 09. 2005: „Kult des Loslassens: Die Wegwerfmentalität wegwerfen“

16. 04. 2005: „Fundstücke: Zufälle vermehren die Sammlerfreuden“

 

 

 

 

 

 

 

 
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