Startseite 
Kontakt  °  Inhaltsübersicht  
Seite weiterempfehlen
     14. Dezember 2018, 12:23 Uhr
 


Schlossportal
 Kundeneingang

 
 

Wasser im Garten: Der Weiher als Qi-Speicher

Wegen seiner Schönheit und belebenden Wirkung ist das geheimnisvolle Wasser seit je in allen Kulturräumen als gestaltendes Element genutzt worden, falls es dafür überhaupt in genügender Menge zur Verfügung stand bzw. steht. Wasser ist kostbar, ist Leben und für ein "gutes Feng Shui" ausserordentlich wichtig – "Shui"“ bedeutet Wasser.

Wasserfälle, Weiher, Naturteiche zum Baden, Springbrunnen, Brunnen, Zimmerbrunnen, Vogeltränken oder ein Aquarium gehören zu einem hochwertigen Lebensumfeld, wenigstens etwas aus dieser Auswahl sollte schon vorhanden sein; ob man mit Kunstharzfarbe blau gestrichene Schwimmbäder mit Chlorzusatz dazu zählen soll, ist eine Ermessensfrage. In den Ferien zieht es uns an einen See oder ans Meer. Ein kleiner Teich ist ein Abbild davon und entwickelt bereits ein enormes energetisches Potenzial. Wie der chinesische Garten ist er das Grosse im Kleinen und schützt vor der kosmischen Vereinsamung.

Die Energie des Wassers steht nach chinesischer Betrachtungsweise für das, was wir heute Kommunikation nennen, für die Übermittlung von Ideen, für Glück und Erfolg auf privater und geschäftlicher Ebene. Tatsächlich ist Wasser ein erstrangiger Informationsträger; es hat ein hervorragendes Gedächtnis, wie auch das Institut für Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen der Universität Stuttgart bewiesen hat. Aus dem Umstand, dass elektromagnetische Felder auf die Organisationsstruktur des Wassers einwirkten, wurde geschlossen, dass Wasser über ein Wissen verfügen muss, "das es erlernen, vermitteln und an das es sich erinnern kann. Es sind Anzeichen für Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit und Gedächtnis." Feng-Shui-Experten wussten das vor vielen tausend Jahren schon.

Das simplifizierende H2O-Denken wird dem Thema Wasser nicht gerecht. Die Erklärung liegt wohl im Wesentlichen darin, dass sich Wassermoleküle zu langen Ketten oder Netzen zusammenschliessen, die man Clusters nennt. Diese passen sich an die gegebenen Umstände elegant an und entwickeln vollkommen neue Eigenschaften. Auch ein grosser Teil der Heilkräfte des Wassers ist darauf zurückzuführen; umgekehrt kann die Dehydrierung eines Organismus als Folge einer ungenügenden Wasserzufuhr zu degenerativen Krankheiten wie Asthma, Allergien, Rheumatismus, Kopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen, Depressionen usf. führen.

Im Garten gilt Wasser in Form eines romantischen Weihers, Teichs, Tümpels oder Rinnsals bzw. eines Baches mit oder ohne Umwälzpumpe als Qi-Speicher, ein mit Lebensenergie gefülltes Reservoir; ein Wasserlauf vervollkommnet den Wassergarten. Eine spezielle Wasserdrachenschule berechnet im Fernen Osten den genauen Ein- und Austritt eines Wasserlaufs für ein Grundstück, damit der Wohlstand gesichert ist.

Das Wasser bewegt sich nicht gradlinig, sondern mäandriert, schätzt die Wellenlinien. Dieses Wasser ist auch für den Garten – für die Pflanzen ebenfalls – das wichtigste Lebenselement, und es beeinflusst das Mikroklima günstig. Wasser hat zudem einen enormen klimatischen Einfluss; Ozeane sind wetterbestimmend. Unser eigener bloss rund 15 Quadratmeter umfassender fischförmiger Weiher ist bereits in der Lage, an heissen Sommertagen die Hitze dermassen zu dämpfen, dass wir jeweils an Tropentagen unsere Speisen an seinem Ufer einnehmen und uns wohler als anderswo fühlen. Auch vielen Tieren geht es so: fixe (unbewegte) Wasserstellen sind ein Anziehungspunkt für alle.

Zu einem mit Leben erfüllten Teich gehören Pflanzen, im Feng-Shui-Garten vor allem Seerosen[1] und Lotosblumen[2], welche in einem Stillgewässer die Reinigungs- und Entsorgungsarbeit besorgen und dankbar für die Nährstoffe sind, die Fische, Frösche, Kleinstlebewesen und Blätter, die ins Wasser gefallen sind, hinterlassen. Pflanzen, auch Rohrkolben, Schilf, Wassersimse, Sumpfdotterblume, Froschlöffel und Teichrose (Mummelblume) versorgen auch das Wasser mit Sauerstoff. Pflanzen sind nicht nur Dekorationen, sondern in den Gewässern lebendige Partner des Wassers. Ihre Wachstumsfreude ist hier derart gross, dass man seine liebe Mühe hat, den Weiher am Verlanden zu hindern und immer Pflanzen herausreissen muss, was die hinterbliebenen Gewächse und das Wurzelgeflecht jeweils zu noch grösseren Wachstumsleistungen anspornt. Bei der Anlage eines Weihers muss unbedingt auf eine genügende Wassertiefe geachtet werden; für den Schwimmblattbereich sollte sie 1,5 m betragen. In seichteren Zonen sind bei uns oft Seggen, Röhricht und das intensiv wuchernde Schilf anzutreffen. Eine reizvolle Sumpfzone kann daran anschliessen; sie ist unter anderem ein Paradies für Insekten, eine Auenlandschaft im Miniformat, eines der artenreichsten Biotope überhaupt, das zum Beobachten verlockt.

Nichts gegen Moore und Sümpfe! Ein trüber Tümpel aber wäre das Sinnbild für das sterbende Qi, das Sha Qi. Aus diesem Grunde wird das Wasser in chinesischen Gärten gern in Bewegung versetzt, zum Beispiel durch einen Springbrunnen, der dann auch für das beruhigende Plätschern sorgt.

Wenn das Umfeld des Wassers stimmt, ist es ohnehin in Bewegung. Und dieses lebendige Wasser verdient Ehrfurcht. Ob wir es trinken oder betrachten, es verhilft uns zu Wohlbehagen.

Walter Hess

_______________________
[1] Seerosen (Nymphaea alba) mit ihren weissen, schalenartigen, schwimmenden Blüten sind wegen ihrer grossen, knallig leuchtenden Blüten in der Regel die Feuerwerkskörper im Gartenweiher. Es gibt unzählige Arten, die für Tiefen von 10 cm bis 3 m geeignet sind. Fast alle Seerosensorten schätzen einen warmen und sonnigen Standort. In der Regel ertragen sie die Winterzeit, wobei gelb blühende Sorten etwas empfindlicher sind, weil sie ihre Vegetationsperiode spät beenden.
[2] Lotosblumen wie die tropische Nelumbo nucifera oder die amerikanische Nelumbo lutea überleben unsere kalten Winterzeiten nur, wenn ihre Rhizome mindestens 30 cm unter Wasser sind und darunter noch 30 cm Erde haben. Es gibt auch in Europa wild wachsende Lotosblumen, zum Beispiel in norditalienischen Seen wie dem Lago di Mantova. Zudem sind in unseren Breitengraden auch Zwergformen aus China und Japan erhältlich. Lotosblumen können nur vor dem Austrieb im Frühling verpflanzt werden.

*
* *

 
Nach oben  
Alle Blogs
Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter
Blogs nach Autoren
Blogs nach Autoren
Artikel nach Autoren
Wer was geschrieben hat
  Twitter
Wir sind auch auf Twitter, ebenso unsere Gedankensplitter
 
   
  © 2002-2017 Textatelier