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     10. Dezember 2018, 08:32 Uhr
 


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Die Kultur der Mobiltelefonie

Nur Dienstboten seien ständig erreichbar, soll der Berliner Schriftsteller Johannes Gross einmal gesagt haben. Aus diesem Grunde erstaunt die unkritische Haltung vieler Handybenutzer schon. Merken diese denn wirklich nicht, wie sie sich dem Diktat der ständigen Verfügbarkeit unterwerfen?

Was bei der Handhabung der Mobiltelefone Sorgen bereitet, ist der Umstand, dass die Nutzer dabei einen Teil ihrer Privatsphäre aufgeben, um die im 19. und 20. Jahrhundert hart gekämpft wurde. Das zeitigte als Ergebnis beispielsweise eichenholz-schwere und schalldichte Telefonkabinen, die den Anrufern zur Verfügung gestellt wurden. Diese Abgeschiedenheit während Privatgesprächen scheint heute überhaupt niemand mehr zu interessieren, getreu dem Motto: "Je grösser das Publikum, das beim Telefonieren zuhört, desto besser für mein Ego." Allerdings sind wir nur zu unfreiwilligen Zuhörern beim fernmündlichen Austausch von Banalitäten geworden.

Diese Verlagerung des Privaten in die Öffentlichkeit birgt Gefahren gleichwohl in sich. Denn dieser Vorgang könnte den Gesetzgeber mit der Zeit dazu ermutigen, am Recht des Individuums auf den Schutz der Privatsphäre herumzubasteln. Er würde dabei wohl nicht einmal mehr auf grosse Ablehnung stossen; denn ein nicht geringer Prozentsatz der modernen Bevölkerung scheint ja regelrecht Lust zu verspüren, sich vor dem Publikum mit Nonsens-Absonderungen zu entblössen: visuell in Fernseh-Talkshows und akustisch beim Mobiltelefonieren. Im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Bevölkerung und Gesetzgeber könnte dadurch ein elementares Grundrecht ausgehöhlt werden.

Zugestellt von Bernhard Tritschler

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