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     19. Dezember 2018, 09:32 Uhr
 


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Wichtiges Wissen über Heilpflanzen

Was muss beim Selbstsammeln von Heilpflanzen beachtet werden? – Wann ist die beste Sammelzeit? – Kräutertees richtig zubereiten – Einnahmehinweise, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen – Welche Heilkräuter gehören in die Hausapotheke?

Es macht Freude, Arzneipflanzen in der Natur zu entdecken und sie für die eigene Verwendung zu sammeln. Zum einen sollte man dabei aber sicher sein, ob es sich auch um die vermeintliche Pflanze handelt. Viele ähneln sich, wie zum Beispiel die Blätter des Huflattichs und die der Pestwurz, und haben doch ganz andere Wirkungen. Solche Verwechslungen können manchmal sogar tödlich verlaufen, wie vor einiger Zeit, als anstelle von Bärlauchblättern Blätter der giftigen Herbstzeitlose gesammelt und verzehrt wurden. Die Verwechslungen kamen deshalb zustande, weil die sich ähnelnden Blätter der Herbstzeitlose just zu jener Zeit heranwachsen wie die Bärlauchblätter. Die Bärlauchblätter kann man jedoch von denen der Herbstzeitlose leicht am Geruch und Geschmack unterscheiden: Sie schmecken und riechen nach Schnittlauch oder Knoblauch.

Zum anderen müssen die Naturschutzbestimmungen beachtet werden, das heisst, man darf also keine geschützten Pflanzen wie beispielsweise die Arnika oder den Enzian sammeln. Die Pflanzen sollten nicht direkt an Rändern von befahrenen Strassen, auch nicht von stark gedüngten Wiesen gesammelt werden. Die Pflanzen darf man auch nicht mit den Wurzeln aus dem Boden reissen – es sei denn, die Hauptwirkstoffe befinden sich in der Wurzel (Beispiele: Blutwurz, Baldrian) und die Pflanzen seien in grosser Zahl vorhanden.

Die gesammelten Teile sollte man nicht in einer Plastiktüte transportieren, sondern in einem Korb. Zu Hause wasche man sie kurz ab, trockne sie auf Hürden oder hänge sie in einem Leinensäckchen zum Trocknen auf. Man soll sie auch nicht direkt in der Sonne oder Wärme trocknen, da sonst viele Wirkstoffe abgebaut werden. Nach dem Trocknen werden die Pflanzen in braunen (lichtgeschützten) Gläsern oder dicht schliessenden Dosen aufbewahrt. Die Behältnisse sollten möglichst kühl aufbewahrt werden; insbesondere, wenn die Pflanzen ätherische Öle enthalten. Letztere sollte man nicht länger als ein Jahr aufbewahren. Wichtig ist auch die Beschriftung der Gläser mit Bezeichnung der Pflanze und das Einfülldatum.

Wann ist die beste Sammelzeit?

Zur Frage nach der besten Sammelzeit äusserte sich Gärtnermeister Friedrich Schmidtke, Schiltach D, wie folgt: "Pflanzen mit ätherischen Ölen (Pfefferminze, Melisse, Lavendel) sollte man zwischen 10.30 und 11.45 Uhr ernten (Sommerzeit!), jedoch nicht bei trübem Wetter." Wie Untersuchungen ergaben, war der Gehalt an ätherischen Ölen in dieser Zeit doppelt so hoch als bei früher oder später geernteten Kräutern. Bitterstoffhaltige Heilpflanzen (Tausendguldenkraut, Wermut) werden dagegen ab 16.00 Uhr gesammelt. Löwenzahnwurzeln enthalten im Frühjahr mehr Bitterstoffe, deshalb werden diese im Frühjahr geerntet. Auch die Baldrianwurzel wird vor der Blüte im Frühjahr gesammelt. "Wurzeln bei einer blühenden Pflanze zu graben, hat keinen Zweck", meint Maria Finsterlin, eine Kräuterfrau aus dem Schwarzwald. Auch Blattpflanzen müssen vor der Blüte im Frühjahr gesammelt werden.

Selbstanbau von Heilpflanzen

Einige Heilpflanzen eignen sich auch zum Selbstanbau im Garten oder auf dem Balkon. Genannt seien Melisse, Pfefferminze, Ringelblume, Königskerze, Thymian, Nachtkerze, Sonnenhut und Salbei. Wer den Anbau versuchen will, muss einiges beachten: Man sollte unbedingt nur abgesichertes und nicht zu altes Saatgut für Anbauversuche verwenden und die Pflanzen nicht auf umweltverschmutzte Böden und nicht in der Nähe von Strassen anpflanzen. Tabu sind auch Schädlingsbekämpfungsmittel und das Einsammeln der Pflanzenteile unmittelbar nach dem Düngen. Die Pflanzenteile sollten schimmelfrei sein. – Samen oder Pflanzensetzlinge sind in Gärtnereien oder Fachgeschäften zu bekommen.

Kräutertees richtig zubereiten

Die Teezubereitung aus getrockneten Pflanzen (= Drogen) richtet sich nach den Wirkstoffen. So sollten Pflanzen mit ätherischen Ölen, wie Kamille, Salbei, Pfefferminze, mit heissem Wasser übergossen und nach etwa 5 Minuten abgeseiht werden. Pflanzen mit schwer löslichen Wirkstoffen, wie Zinnkraut, oder mit harter Zellmembran (Rinden), werden mit kaltem Wasser angesetzt, zum Kochen gebracht und 2 bis 3 Minuten am Sieden gehalten. Man giesst dann noch heiss ab. Manche Pflanzen mit wärmeempfindlichen Stoffen, wie dies beispielsweise bei der Mistel der Fall ist, setzt man mit kaltem Wasser an. Bei Mischungen mit verschiedenen Pflanzenteilen erfolgt ein Aufguss mit heissem Wasser. Nach 10 Minuten wird noch heiss abgegossen.

Viele Pflanzen können auch frisch zubereitet werden. So lassen sich beispielsweise köstliche Salate aus frischen Löwenzahnblättern oder jungen Brennnesselblättern zaubern. Oder man stellt Frischpflanzensäfte her.

Einnahmehinweise, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Vor Einnahme bestimmter Heilpflanzentees und diversen Präparaten ist eine fachliche Beratung angebracht, da diese Experten über eventuelle Wechsel- und Nebenwirkungen aufklären können. Dies ist deshalb so wichtig, weil bestimmte Arzneipflanzen auch Allergien, Nierenschäden oder Herzrhythmusstörungen auslösen können. Die Nebenwirkungen (nachfolgende Tabelle) zeigen sich vor allem nach zu langer oder zu hoch dosierter Einnahme.

Wichtig sind auch Wechselwirkungen. Es gibt bestimmte Heilpflanzen, die andere Medikamente in ihrer Wirkung verstärken oder abschwächen. Bei einigen Heilpflanzen wird auch vor Gegenanzeigen gewarnt. So darf man zum Beispiel Tausendguldenkraut nicht bei Magen- und Darmgeschwüren, Schachtelhalm nicht bei Wasseransammlungen (Ödemen) infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit und Löwenzahn nicht bei Entzündung und Verschluss der Gallenwege und nicht bei Darmverschluss, und Weidenrindenextrakt nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Salicylate einnehmen. Vorsicht ist auch bei bestimmten ätherischen Ölen geboten. So darf beispielsweise kein Pfefferminzöl bei schweren Leberfunktionsstörungen, Krampfadern in der Speiseröhre, Verschluss der Gallenwege, Gallensteinleiden, Gallenblasenentzündung und Darmverschluss eingenommen werden.

Nebenwirkungen von Heilpflanzen

ArnikaBei äusserlicher Anwendung reagieren empfindliche Menschen mit Hautreizungen. Wegen der toxischen Nebenwirkungen (Herzklopfen, Schwindel, Durchfall, Magen-Darm-Reizungen, Kollaps) darf Arnika als Tee nicht innerlich angewandt werden
BaldrianBaldrian richtig dosieren! Bei zu geringer Aufnahme zeigt er kaum eine Wirkung, bei zu hohen Mengen den gegenteiligen Effekt. Man kann sich an Baldrian gewöhnen, deshalb sollte eine Kur höchstens 3 Wochen dauern.
BärentraubeBärentraubenblättertee ist für langfristige Anwendung nicht geeignet. Bei Überdosierung verursachen die Gerbstoffe eine Magenreizung (Übelkeit, Erbrechen). Langdauernde Anwendung kann zu Leberschäden führen. Schwangere sollten den Tee nicht trinken, da die Wirkstoffe die Wehen fördern.
BeinwellSalbe, Balsam und Gelee mit Beinwellzubereitungen können in seltenen Fällen Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. Sie äussern sich in Rötung, Knötchen- und Bläschenbildung, meist in Juckreiz am Ort der Behandlung.
EngelwurzBei Überdosierung können Nervenschäden auftreten. Deshalb immer die vorgeschriebenen Gebrauchsmengen einhalten.
HolunderKeine Nebenwirkungen bei Verwendung von Holunderblütentee in normalen Dosen. Bei Überdosierung mit Beeren und Blättern kann es zu Übelkeit und Brechreiz kommen. Die schwach giftigen unreifen Beeren sollte man nicht verzehren und die Beeren bei der Saftgewinnung kurz erhitzen.
HuflattichWegen der geringen Mengen Pyrrolizidin-Alkaloide im Huflattichtee sind bei normalem Gebrauch keine leberschädigenden Wirkungen zu befürchten. Heute kommen übrigens immer mehr alkaloidfreie Sorten in den Handel.
JohanniskrautBesonders lichtempfindliche Personen (Rotblonde, Blonde) sollten nach Aufnahme von Johanniskraut eine starke Sonnenbestrahlung meiden. Vereinzelt zeigten sich sonnenbrandähnliche Hautreizungen. In höherer Dosierung können Präparate mit Johanniskraut Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen.
KamilleIn seltenen Fällen kommt es zu allergischen Hautreaktionen (Hautreizungen).
MädesüssNicht zu hoch dosieren, sonst droht Übelkeit und Erbrechen. Manche Menschen reagieren auf die Salicylsäureverbindung allergisch!
Raute (Gartenraute)Nicht zu viel Tee trinken, da das ätherische Öl Magen-Darm-Störungen, Anschwellen der Zunge und verstärkten Speichelfluss auslöst. Empfindliche Personen bekommen beim Pflücken Hautjucken oder Hautentzündungen. Schwangere dürfen den Tee nicht trinken!
SalbeiBei längerer Anwendung des reinen ätherischen Öls oder bei mehr als 15 g Salbeiblätter pro Dosis können sich epilepsieähnliche Krämpfe und Schwindelgefühl einstellen.
SchafgarbeBei Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern (auch Arnika, Ringelblume, Kamille) entzündliche Hautveränderungen mit Bläschenbildung und Juckreiz.
Tormentill (Blutwurz)Bei empfindlichen Personen kann es zu Magenreizungen und Erbrechen kommen. Die Anwendung sollte auf 3 bis 4 Tage beschränkt werden.
WaldmeisterNicht im Übermass geniessen, da er sonst zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Erbrechen führen kann.
WermutBei normalem Gebrauch keine Nebenwirkungen. Überdosierungen führen jedoch zu Magen- und Darmkrämpfen, Erbrechen, Durchfall, Harnverhaltung und Schwindel. Die Nebenwirkungen werden hauptsächlich dem Thujon zugeschrieben. Dieses wird jedoch bei der Teezubereitung nur in geringen Mengen herausgelöst.
TeebaumölIn den letzten Jahren kam es zu einer Häufung von Kontaktallergien mit Teebaumöl (Reizung und Rötung der Haut). Gealtertes, oxidiertes Teebaumöl erwies sich in seiner Sensibilisierungstendenz dreimal stärker als frisch destilliertes. Die verantwortlichen Inhaltsstoffe sind Terpinole, alpha-Terpine, Ascaridol und 1,2,4-Trihydroxymenthan.

Heilkräuter-Hausapotheke

Für viele Beschwerden des Alltags ist es sinnvoll, einen gewissen Vorrat an Heilpflanzen zu Hause zu haben. Es sind folgende:

HeilpflanzeÄusserliche AnwendungInnerliche Anwendung
BrennnesselKopfschuppen, fettes Haar, (Blätter-, Wurzeltee), Rheuma (Reiztherapie durch Schlagen mit Brennnesseln, vereinzelt heute noch praktiziert). Zur Anregung der Harnausscheidung bei Arthritis, Gelenk- und Muskelrheumatismus, Steigerung der Vitalität (Samen-, Blätterextrakt), Prostataerkrankungen (Wurzelextrakt).
KamilleErkältungskrankheiten (Dampfinhalation), Hautent-
zündungen (Spülungen).
Magen-, Darmbeschwerden.
Lindenblüten Husten, Katarrhe der Atemwege, fieberhafte Erkältungskrankheiten, bei denen Schwitzen angebracht ist. Krampfzustände des Magens und Darms, Nervosität, Schlafstörungen bei Kindern (Tee).
MelisseHerpeserkrankungen (Salbe), Brustdrüsenentzündung, Geschwüre (frische Blätter),
Nervosität, Unruhe (Vollbad),
Nervenschmerzen, Muskelkater, Hexenschuss (Melissengeist), Verletzungen, Insektenstiche, Rheuma (Melissenöl).
Nervös bedingte Einschlafstörungen, nervöse Magen-Darm-Beschwerden, innere Unruhe, Nervosität, Lampenfieber.
Blähungen: Tee aus Melisse, Fenchel, Kümmel.
PfefferminzeGelenkschmerzen, rheumatische Schmerzen, Kopfschmerzen (Pfefferminzöl).Übelkeit, Erbrechen, zur Förderung der Gallen- und Lebertätigkeit, hilfreich bei Magenschleimhaut- und Darmentzündung, kolikartigen Beschwerden im Magen- und Darmbereich und bei Blähungen (als Tee).
SpitzwegerichGurgel- und Spülmittel bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes (Tee, Tinktur, Pflanzensaft), Schuppenflechte (Lotion, Tinktur), Insektenstiche, Juckreiz (frische Blätter).Husten, Heiserkeit, Keuchhusten, Verschleimung, Asthma (Tee, Tinktur, Pflanzensaft).
Husten, Heiserkeit, Katarrhe (Spitzwegerichsirup, Spitzwegerichhonig).

Beliebter Haustee

Um die vor allem auch bei älteren Menschen wichtige Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern je Tag zu erleichtern, ist es ratsam, diese mit natürlichem Wasser oder einem Haustee, den man sich selbst zusammenstellen kann, zu regeln. Der Haustee könnte zum Beispiel Hibiscusblüten, Hagebutten, Brombeerblätter und Pfefferminzblätter enthalten. Dieser kann sowohl warm als auch kalt getrunken werden.

Heinz Scholz

Für die weitere Erforschung von volkstümlichen Heilpflanzenanwendungen, Brauchtum und Volksglaube bitten wir um Ihre Mithilfe. Teilen Sie uns doch Ihre Erfahrungen mit Heilpflanzen, Rezepte (Hausmittel, kulinarische Rezepte), Hinweise über Brauchtum und Volksglaube mit. Vielen Dank im Voraus. Hier die E-Mail-Adresse des Autors: heischolz@nexgo.de .

Das Textatelier

Weiterführende Literatur
Heinz Scholz und Frank Hiepe: "Arnika und Frauenwohl. Heilpflanzen aus Baden-Württemberg, dem Elsass und der Nordschweiz", 272 Seiten, 100 farbige Abb., broschiert. ISBN 3-933486-39-4, EUR 14,80, CHF 29.80, Ipa Verlag, Vaihingen/Enz, 2002.

Wussten Sie, dass es früher zu einer "Heidelbeerschlacht" kam, Heilkräuter vom Friedhof gesammelt wurden, Johann Peter Hebel ein Pflanzenfreund war, Knoblauch für Grossalarm sorgte, Ordner des SC Freiburg einen "Knoblauch-Zauber" veranstalteten, Kräuterpfarrer Johann Künzle einer Gräfin ein Mittel empfahl, das auch bei Kühen wirkte, Apotheker Walther Schoenenberger als verrückt bezeichnet wurde, nachdem er Landwirten vorschlug, Kräuter anstelle von Getreide anzubauen? Oder, dass ein Pfarrer für seine Textilarbeiter einen Tannenbalsam entwickelte und ein Kräuterexperte Borretschsaft für unausstehliche Ehepartner und Chefs empfahl?

Pflanzen dienten in frühen Zeiten auch dazu, um den Zukünftigen zu erkennen, um Blitze oder Krankheiten fernzuhalten und den Teufel zu vertreiben. Ein Rosmarinzweiglein, im Hut des Ehemanns versteckt, sollte für ewige Treue gut sein und bestimmte Kräuter sorgten für Geldsegen.

All dies und noch mehr finden Sie in dem Buch "Arnika und Frauenwohl", eine bemerkenswerte Publikation über Heilpflanzen aus Baden-Württemberg, dem Elsass und der Nordschweiz. Neben Volksglauben, Volksbräuchen und Rezepten legten die Autoren besonderen Wert auf die 76 Heilpflanzenmonographien. Die Leser finden alles Wissenswerte über die jeweilige Pflanze, insbesondere deren äusserliche und innerliche Anwendung und – wenn notwendig – auch entsprechende Warnhinweise. Weitere Kapitel befassen sich mit Kräuterfrauen, Heilpflanzenpionieren (u.a. Walther Schoenenberger, Alfred Vogel, Johann Künzle, Rudolf Fritz Weiss), bewährten Hausmitteln, Kräutergärten, Heilkräuterlehrpfaden und einer Heilpflanzenschule. Ein besonderes Kapitel bringt raffinierte und schmackhafte kulinarische Rezepte, die von namhaften Köchen – darunter von einem Olympiakoch – stammen.

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