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     19. Dezember 2018, 09:22 Uhr
 


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Hoch lebe der Glimmstängel!

 

Medizin ist oft wie Psychologie und Lotto – nämlich Glückssache.

Ich rauche zu viel. Ja, ich weiss. Obschon jetzt auf jeder Schachtel die schreckliche Warnung zu lesen ist, dass das Rauchen das Leben verkürzt. Ich habe auch schreckliche Fotos gesehen. Fotos von zerstörtem Zahnfleisch und von nagendem Krebs am Kehlkopf. Doch ich habe die fürchterlichen Bilder schnell zur Seite gelegt und mir zur Beruhigung eine Zigarette angezündet.

So manches habe ich versucht, von diesem so schönen Laster loszukommen. Mir zum Beispiel Kinderzigaretten gekauft, in denen statt des wohlriechenden Tabaks ungesunde Schokolade steckt. Doch immer wieder greife ich zu meinem geliebten Glimmstängel, der so vollkommen zwischen den Fingern und den Lippen liegt.

Doch das Atmen wurde schwieriger, und die Brust begann zu schmerzen. Und der gelegentliche Whiskey linderte das Leiden auch nicht. So beschloss ich, Dr. Virtanen, meinen Hausarzt, aufzusuchen, der bekannt dafür ist, mit seinen Patienten nicht gerade taktvoll umzugehen. Er untersuchte mich gründlich. Machte Röntgenaufnahmen; nahm Blut ab und bat mich, nächste Woche wiederzukommen, um mir dann das Ergebnis der Untersuchung mitzuteilen.

Als ich nach einigen Tagen zurückkam, blickte er mich mit ernsten Augen an.

„Mein lieber Herr Schröder.“

Bei solchen Eröffnungen neigt er dazu, mit den Fingern seiner linken Hand auf die Tischplatte zu klopfen.

„Mein lieber Herr Schröder. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie höchstens noch 3 Monate zu leben haben. Lungenkrebs.“ − Und nach einer kleinen Pause:

„Von zu vielem Rauchen!“

Ich zuckte zusammen. Doch schnell hatte ich mich wieder gefangen.

„Und was ist, wenn ich mit dem Rauchen sofort aufhöre. Wie lange kann ich dann noch leben?“ − Dr. Virtanen setzte sein Mephisto-Lächeln auf.

„3 Monate und ein Tag!“

3 Monate und 2 Tage sind vergangen, und ich lebe immer noch. Ich erhebe mein Glas, greife zur beruhigenden Zigarette und stosse darauf an, dass sich auch Ärzte irren können.

Manfred Schröder

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