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     17. Dezember 2018, 01:06 Uhr
 


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Die Psychologie und die Schriftlichkeit

Das Textatelier führt im Ratgeber eine Rubrik "Psychologie". Wir sind mehrmals mit der Ansicht konfrontiert worden, eine psychologische Beratung erfordere den persönlichen, zwischenmenschlichen Kontakt mit dem Sinnbild der berühmten Couch, dem Liegesofa, auf dem man selbstverständlich auch sitzen kann. Unsere Frage, die zur Eröffnung dieser Rubrik gestellt und beantwortet werden muss: Wie verhält es sich mit schriftlichen Beratungstätigkeiten innerhalb dieses delikaten Gebietes? Sind solche zulässig? Welches sind ihre Vor- und Nachteile gegenüber dem Gespräch unter 4 Augen? Kann einem Menschen überhaupt mit psychologischer Beratung geholfen werden?
Wir haben uns entschlossen, diese grundlegenden Fragen der schriftstellerisch tätigen Lebensberaterin Marion Musenbichler in FL-9497 Triesenberg zu unterbreiten.

Das Textatelier, CH-5023 Biberstein

Antwort: Um es ehrlich zu sagen: Man kann eigentlich niemandem weiterhelfen, zumindest nicht in dieser Form, wie es in der obigen Frage angesprochen ist. Es werden hohe Erwartungen gestellt, und der Mensch gibt gern die Eigenverantwortung ab, um eine Lösung zu erhaschen.

Gibt es eine Lösung für solche Probleme? Nein! Es kann sie gar nicht geben, weil Probleme aus der Ich-Ebene heraus entstehen und somit nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. In jeder Frage befindet sich ja bereits die Antwort. Die Frage bietet das Fundament, auf dem die Antwort offensichtlich dargestellt ist.

Die Ich-Ebene ist und bleibt unweigerlich von der Ebene des Seins getrennt. Also entspringt unsere so genannte Problematik einzig und allein unserer Form der Beobachtung – aus unserem Verstand. Ein jeder sieht die Dinge, wie er sie eben sieht, und ein jeder sieht die Dinge anders: Entweder total verschleiert, basierend auf dem Ego-Trip: Ich will die Dinge so sehen, wie ich will, und ich habe recht! Oder aber dies geschieht auf einer Ebene des Beobachtens: Ich beobachte, was rund um mich geschieht, ohne eine Meinung zu bilden. Eine Meinung ist ein Standpunkt mit dem Radius Null, und dieser sagt ja schliesslich nur über mich selbst etwas aus. Er zeigt lediglich die Bewusstseinsebene des Einzelnen an.

Ein kleines Beispiel: Ich erfahre von einem guten Freund, dass meine Freundin über mich gesagt haben soll, ich hätte jede Menge Probleme, und ich sei sowieso zu nichts fähig. Es scheint normal, dass man sich in diesem Falle – versetzt man sich ins Wesen der kritisierten Person hinein – hintergangen fühlen würde. Wie kann sie das nur sagen! Sie hat mich verletzt! Ich bin enttäuscht!

Macht man sich aber bewusst, dass diese Aussage ja eigentlich nichts über meine Person aussagt, sondern nur das Bewusstsein meiner Freundin spiegelt, gibt es kein Problem mehr. Man sollte es umkehren und es sogar als Kompliment auffassen: Die Freundin hat ein Problem mit mir, nicht ich mit ihr. Begebe ich mich auf ihre Bewusstseinsebene und schlage ich in irgendeiner Form zurück – ja dann ...dann habe ich tatsächlich ein Problem. Warum sollte ich mich angegriffen fühlen? Es ist doch lediglich eine Aussage! Wie wichtig muss ich ihr sein, dass sie mir so viele Gedanken widmet und sie sich mit mir in solch einem Masse beschäftigt? Mit ihrer Aussage offenbart sie mir nur ihr Unbewusstes und nichts anderes.

In meiner Tätigkeit als Lebensberaterin werde ich mit sehr vielen Fragen konfrontiert. Jedes vermeintliche "Problem" hört sich vorerst anders an, obschon es immer aufs Gleiche hinausläuft: Mein Gegenüber erwartet eine Antwort auf seine Fragen. Es bekommt aber nie eine Antwort in diesem Sinne. Ich erinnere ihn lediglich an sein Selbst, an sein Dasein und an seinen Ursprung.

Nach der Beratung ist man zufrieden, aber nicht etwa, weil man eine Antwort bekommen hat. Der Mensch will keine Lösung serviert bekommen. Der Mensch will die Lösung selbst finden. Und diese findet er in sich, wenn man ihn an sich selbst erinnert und er dadurch auf sein Inneres hört. Und die Lösung wird er finden, wenn der Zeitpunkt passt. Der Zeitpunkt passt dann, wenn der Ratsuchende entdeckt, dass nur er allein das Grundübel seiner momentanen Situation ist.

Partnerschaftsprobleme sind wohl die häufigsten Themen, weil eine Partnerschaft der konzentrierteste Energieaustausch überhaupt und ein sehr emotionales Thema ist. Andauernd wird man auf sich selbst aufmerksam gemacht. Und wer setzt sich schon gern mit seinen Schwachpunkten auseinander? Wer steht freiwillig und offen zu seinen Schwächen? Wenn die Bereitschaft vorhanden ist, sich mit seinen Emotionen auseinander zu setzen, entsteht die Möglichkeit, Unzulänglichkeiten wahrnehmen zu können.

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Wie verhält es sich nun mit schriftlichen Beratungstätigkeiten in diesem delikaten Gebiet? Sind solche zulässig? Welches sind ihre Vor- und Nachteile gegenüber dem Gespräch unter 4 Augen? Kann einem Menschen überhaupt mit psychologischer Beratung geholfen werden?

Der Vorteil einer schriftlichen Beratung: Sie funktioniert auch über grosse Entfernungen. Über das geschriebene Wort offenbaren sich die Verhaltensweise, Einstellung und Lebenssituation des Fragenden. Im gesprochenen Wort spiegeln sich die Schwachpunkte der Denkstruktur wider. Dadurch kann man den Menschen auf das Wesentliche aufmerksam machen. Das führt zu kleinen Erkenntnissen, und auf dieser Grundlage kann er anfangen, sich zu besinnen, nachzudenken. Wenn er zur Erkenntnis kommt, er selbst sei das Problem und nicht der andere und dass es sich nur um seine Sichtweise handelt, ist der Grundstein zur Lösung gelegt.

Der Grundstein ist die Erkenntnis, dass Liebe, Akzeptanz und Verständnis notwendig sind, um das Leben als lebenswert zu erleben. Es ist schwierig zu verstehen, dass der Weltfriede nur durch die Wandlung des Einzelnen herbeigeführt werden könnte. Aber es wäre der einzige Weg. Ein jedes Wachstum, ein jeder kleiner Schritt, eine jede Weiterentwicklung einer einzelnen Person kann das Massenbewusstsein anheben und das höchste Gut erreichen, welches es gibt: Grenzenlose Liebe zu erfahren und zu geben.

"Mein Partner passt nicht zu mir" heisst im Klartext: Mein Partner passt zu mir. Denn ich ziehe immer genau das in mein Leben, was ich ablehne. Alles, was mir schwierig erscheint und mich belastet, wird mir immer und immer wieder vor die Nase gesetzt. Solange ich einen Schwachpunkt in Bezug auf eine bestimmte Sache oder Person habe, werde ich mich dafür resonanzfähig machen, weil mich das Leben mit den Dingen konfrontiert, die ich als "Problem" sehe, damit ich endlich beginne, meine Sichtweise zu ändern und meine Probleme dadurch aufzulösen.

Der Nachteil einer schriftlichen Beratung: Ich kann nur den begrenzten Verstand einsetzen und nicht das gesamte Unterbewusstsein. Wenn der Mensch mir gegenübersitzt, habe ich aber auch mein ganzes Unterbewusstsein zur Verfügung, und dieses Unterbewusstsein kann vielleicht 10 Milliarden Bites pro Sekunde aufnehmen. Das Unterbewusstein spricht durch das Gefühl zu mir. Deshalb ist es immer nur eine Notlösung, eine schriftliche Beratung zu machen. Es hilft schon etwas weiter, und es ist zulässig, aber das persönliche Gespräch ist zweifellos das Optimale.

Anders verhält es sich bei der telefonischen Beratung. Ich kann die Schwingungsfrequenz des Anrufers nutzen, um mich auf seine Bewusstseinsebene einzuklinken. Ob der Mensch mir nun gegenübersitzt oder nicht, er entscheidet immer selber, ob und wie er die Information für sich verwenden möchte. Ein jeder Mensch setzt seine Ursachen selbst, ob bewusst oder unbewusst, ist egal. Jede Ursache erzeugt eine Wirkung, die wir uns selbst auferlegt haben. Dann werden wir vom Leben gezwungen, diese Suppe auch wieder auszulöffeln. Also brauche ich nicht im Aussen etwas zu ändern, sondern ich muss an mir etwas ändern; dann ändert sich automatisch mein Umfeld.

Der Mensch, der nicht bereit ist, anzunehmen, konfrontiert sich selbst durch die Art seines Seins mit der Realität, und diese Realität ist wertneutral, aber konsequent. Der physikalische Körper ist die erste Resonanzebene der eigenen, frei gewählten Gedankenstruktur. Wir werden ständig mit Botschaften unseres Körpers auf unsere Eigenarten aufmerksam gemacht. Also sollten wir diese Botschaften wahrnehmen und die Intelligenz nutzen, um aus unserer Mitte heraus zu leben.

Marion Musenbichler
E-Mail: mm@anamcara.li

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