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     19. Dezember 2018, 09:03 Uhr
 


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Der Schlag kann jeden treffen

Von Heinz Scholz

Schlaganfall schon im Mutterleib – Drama um eine Schlagersängerin und einen Ringer – Anzeichen – Risikofaktoren – Besondere Gefahren durch Bluthochdruck, Kontrazeptiva, Rauchen, Psychostress – Choleriker sind gefährdet – Risiko-Test – Projekt „Talking Eyes“ – Diagnose – Therapie - Rehabilitation – Vorbeugung

Der Schlaganfall (Apoplexie) ist nach Herzinfarkt und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Im Alter unter 45 Jahren beträgt die Häufigkeit der Schlaganfälle 0,3 Prozent, zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr bereits 8 Prozent und bei den über 65-Jährigen erhöht sich diese auf 20 Prozent. Insgesamt erleiden jährlich in Deutschland 200 000 und in der Schweiz 12 000 Menschen einen Schlaganfall. Männer bekommen häufiger einen Schlaganfall als Frauen. Zum Glück sind die Todesfälle durch die besseren Untersuchungsmethoden, die gute Vorsorge und effektivere Behandlungsmethoden stark zurückgegangen (seit 1970 um 45 Prozent).

Wie AstraZeneca Switzerland im Internet berichtet, hat die Schweiz weltweit die niedrigsten Sterberaten nach einem Hirnschlag. Aber es sterben immer noch 20 bis 30 Prozent der Patienten und 40 bis 50 Prozent der Überlebenden steht eine lange Zeit der Invalidität beziehungsweise der Rehabilitation bevor.

Schlaganfall schon im Mutterleib
„Das ist doch nicht möglich“ oder „Ich war immer der Meinung, einen Schlaganfall bekommen nur ältere Leute“: Diese oder ähnliche Bemerkungen wurden von vielen Zuschauern gemacht, als das ZDF-heute-Magazin kürzlich den Fall des vierjährigen Daniels, der schon im Mutterleib einen Schlaganfall erlitten hatte, ausstrahlte. Wie die Kinderärztin Dr. med. Ulrike Nowak-Göttl von der Uniklinik Münster berichtet, erleiden etwa 200 Kinder in Deutschland jährlich einen Schlaganfall, davon ein Drittel im Mutterleib. Solche Schlaganfälle waren noch vor 10 Jahren schwer zu diagnostizieren, so die Ärztin. - Aber auch andere Fälle von Schlaganfall sorgten für Aufsehen. Denken wir an die Sängerin Michelle oder das Drama um den 34-jährigen Ringer Alexander Leipold. Der mehrfache Welt- und Europameister erlitt beim Training völlig überraschend einen Schlaganfall. Erfreulicherweise geht oder ging die Genesung bei diesen Prominenten gut voran. So konnte Michelle schon nach kurzer Zeit das Krankenhaus wieder verlassen. Auch der Welt- und Europameister Leipold hat den Schlaganfall nahezu überwunden. Sein körperlicher und geistiger Zustand ist kaum noch beeinträchtigt.

Eine Wiederherstellung der Körperfunktionen ist natürlich nicht immer in so kurzer Zeit möglich. Entscheidend sind das Alter des Patienten und die Schwere des Schlaganfalls. Aber auch da gibt es Hoffnung, wie der Fall eines 81-jährigen Mannes aus meinem Bekanntenkreis beweist. Der Mann erlitt 2001 einen schweren Schlaganfall. Inzwischen hat er sich wieder ganz ordentlich erholt und wieder das Laufen gelernt. Wie sein Sohn bemerkt, hat sein Geist überhaupt nicht gelitten und er ist überzeugt, dass sein Vater noch ein gutes Mass an Lebensqualität empfindet.

Bei Daniel sind dagegen die Schäden noch nicht behoben. Auf seinem Therapieplan stehen Krankengymnastik, Ergotherapie und Hippotherapie (Therapeutisches Reiten). Daniel kann das linke Bein noch nicht gut bewegen, er hat Probleme das Gleichgewicht zu halten. Auch mit der Motorik des rechten Arms hat er Schwierigkeiten. Wenn er aufgeregt ist, kann er nicht richtig zupacken.

Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall entsteht durch eine plötzliche Unterbrechung der Hirndurchblutung (Ischämie) oder durch eine Blutung im Gehirn. 40 bis 50 Prozent aller Schlaganfälle werden durch ein Blutgerinnsel, das man Thrombus nennt, ausgelöst, 30 bis 35 Prozent durch einen Embolus (Gefässpfropf), der an irgendeiner anderen Stelle des Körpers entstanden ist. Etwa 20 Prozent der Schlaganfälle werden durch einen Riss einer Hirnarterie verursacht.

Sprachstörungen und Gefühlsstörungen
Anzeichen eines Schlaganfalls sind einseitige Sehstörungen, das Sehen von Doppelbildern, Sprachstörungen, halbseitige Gefühlsstörungen an Beinen oder Armen, Drehschwindel oder Gangunsicherheit, rasender Kopfschmerz, plötzliche Stürze mit kurzem Bewusstseinsverlust. Der Ringer Leipold beispielsweise verspürte plötzlich ein Kribbeln in den Armen; Lähmungserscheinungen hatte er nicht. Diese bekam jedoch die Sängerin Michelle. Indizien bei Neugeborenen sind Krampfanfälle und später auftretende halbseitige Lähmungen.

Wenn die Funktionsstörungen innerhalb weniger Minuten bis 24 Stunden wieder vorübergehen, dann handelt es sich um die Vorboten eines Schlaganfalls (= vorübergehender Blutmangel des Gehirns, wird als TIA = transistorische ischämische Attacke bezeichnet). Personen, die eine oder mehrere TIA erlebt haben, sind besonders gefährdet. Das Risiko einen Schlaganfall zu bekommen, kann dann auf das Zehnfache steigen.

Bei den erwähnten Anzeichen sollte man sich zum Arzt begeben oder diesen kommen lassen. Durch eine rechtzeitige Untersuchung und Behandlung kann die Ausbildung eines (schweren) Schlaganfalls verhindert werden. Aber auch bei schweren Schlaganfällen gibt es Erfolg versprechende Behandlungsmöglichkeiten. Bedingung ist jedoch, dass die Behandlung in den ersten Stunden nach einem Schlaganfall einsetzt.

 

Tabelle: Anzeichen eines Schlaganfalls *

Krankheitszeichen

Einige Beispiele

Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperseite, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht

Mundwinkel hängt herab, Arm fällt plötzlich herunter, Gefühl der Armschwäche, Bewegungen der Hand sind schwierig, plötzlicher Sturz, Sprache verwaschen und undeutlich.

Plötzliche Gefühlsstörung einer Körperhälfte, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht

Hand fühlt sich „wie fremd“ an, fremdartiges Gefühl am Bein, beim Versuch zu trinken kann Flüssigkeit aus dem Mundwinkel herausrinnen; plötzliches, wiederholtes Danebengreifen; beim Versuch Gegenstände zu fassen werden diese umgestossen.

Unverständliche Sprache, gestörtes Sprachverständnis

Brabbeln von unverständlichen Lauten, Kommunikation mit der vertrauten Umwelt ist gestört.

Halbseitige Störung des Gesichtsfeldes

Beim Gehen stösst man in einer Raumhälfte auf Hindernisse, die man nicht sieht; beim Lesen oder Fernsehen ist plötzlich eine Hälfte des Bildes verschwunden.

Halbseitige Störung der Wahrnehmung

In einer Raumhälfte werden Dinge plötzlich nicht oder unzureichend wahrgenommen; Schreiben bis zur Mitte des Blattes.

Ungerichteter Schwindel mit zusätzlichen Krankheitszeichen

Plötzlicher Schwindel und Fallneigung nach einer Seite; man sieht alles doppelt; Schwindel mit Übelkeit.

* Quelle: Österreichische Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung. Ausführliche Infos unter www.schlaganfall-info.at

Wie gefährlich ist der Bluthochdruck?
Beim Schlaganfall sind zahlreiche Risikofaktoren im Spiel. Es sind folgende:

Arteriosklerose: Eine Arteriosklerose ist die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. Die Gefässe verlieren durch Einlagerung von Cholesterin, Blutzellen, Bindegewebe und Kalksalze ihre Elastizität und werden starr. Die ehemals glatte Innenhaut der Gefässe wird rau, die Ablagerung wird dadurch begünstigt. Im Laufe der Zeit verengt sich das Gefäss immer mehr. Blutgerinnsel können sich lösen und in kleinere Hirngefässe gelangen und diese verstopfen.

Die Folge ist eine reduzierte Hirndurchblutung, was zu einer verminderten Gehirnfunktion führt. Hirngefässe können auch durch arteriosklerotische Prozesse brüchig werden und platzen. Die Gefahr einer Unterversorgung des Gehirns besteht besonders nachts, wenn der Blutdruck abfällt. Schon kleine Einengungen der Arterien können eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff bewirken.

Bluthochdruck: Je höher der Blutdruck, desto grösser das Schlaganfallrisiko. Bluthochdruck verursacht Schäden an den Gefässwänden. Das Fatale ist, dass ein hoher Blutdruck lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Aus diesem Grunde bleibt ein Bluthochdruck oft unerkannt. Wer seinen Blutdruck rechtzeitig normalisiert, kann sein Schlaganfallrisiko um 40 Prozent senken! Es empfiehlt sich, Blutdruckwerte von über 140/90 mmHg regelmässig zu überprüfen und eventuell ursächlich zu behandeln, insbesondere durch Änderung des Lebensstils. Bluthochdruck kann auch zu einem Platzen einer Schlagader im Gehirn führen. - Grössere Mengen Alkohol begünstigen einen Bluthochdruck. Auch gestresste Menschen leiden oft unter einem erhöhten Blutdruck.

Gefahren durch Psychostress
Stress: In einer im Jahre 2002 publizierten japanischen Studie, an der sich 73 424 Menschen im Alter von 40 bis 79 Jahren beteiligten, kam heraus, dass besonders der Psychostress das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht. Gestresste Frauen hatten ein 2,24fach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden und ein 2,28fach grösseres Risiko, eine koronare Herzerkrankung zu bekommen. Bei Männern lagen die Zahlen etwas niedriger (1,74fach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt). Seelisch stark gestresste Frauen waren im Schnitt 5 Jahre jünger, gebildeter, arbeiteten häufiger Vollzeit, hatten ein niedrigeres Körpergewicht, rauchten mehr und litten häufiger an Bluthochdruck und Diabetes.

Bewegungsmangel fördert die Entstehung einer Arteriosklerose. Durch sportliche Betätigung werden die Gefässe elastisch gehalten, erhöhte Cholesterin- und Blutdruckwerte gesenkt. Wichtig: Sportliche Betätigung dem Alter entsprechend durchführen!

Fettstoffwechselstörungen: Hohe Blutfett- bzw. Gesamt-Cholesterinwerte (über 240 mg/dl) sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Erhöhte Werte bewirken arteriosklerotische Veränderungen durch Ablagerung von diesen Fettstoffen an den Gefässwänden.

Blutverdickung: Dies ist der Fall bei starkem Schwitzen oder einer ungenügenden Flüssigkeitszufuhr. Eine Verdickung des Blutes – dies ist auch der Fall bei zu vielen roten Blutkörperchen - führt zu einer Verminderung des Blutflusses, und es besteht die Gefahr der Klümpchenbildung. Wenn sich ein Blutgerinnsel löst, besteht die Gefahr einer Embolie.

Diabetes: Ein erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Gefässwände und beschleunigt die Entstehung einer Arteriosklerose.
Wichtig: Früherkennung eines Diabetes, konsequente Diät und ursächliche Behandlung der Krankheit.

Herzrhythmusstörungen: Bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern) erhöhen das Schlaganfallrisiko. Es können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden, die dann mit dem Blutstrom ins Hirn gelangen und eine Arterie verstopfen.
Herzrhythmusstörungen müssen nicht unbedingt Beschwerden auslösen, deshalb sind sie besonders gefährlich.

Homocystein: Dieser Stoff schädigt in erhöhter Konzentration die Blutgefässe, wie neuere Forschungen belegen. Bestimmte Vitamine, wie die Folsäure, sind befähigt, den Homocystein-Spiegel zu senken.

Kontrazeptiva: Neuere Untersuchungen aus den USA ergaben ein höheres Brustkrebs- und Schlaganfall-Risiko nach Einnahme der „Pille“. Besonders gefährdet sind Raucherinnen, die gleichzeitig diese Medikamente einnehmen. Leidet eine Frau unter Bluthochdruck und ist „Pillenkonsumentin“, dann erhöht sich das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen um das 7- bis 11fache.

Hormontherapie in den Wechseljahren: Schon 2002 wurde eine Studie zur Hormonbehandlung mit der Kombination Gestagene und Östrogene in den Wechseljahren wegen erheblicher Nebenwirkungen (es traten vermehrt Herzinfarkte, Thrombosen, Schlaganfälle und Brustkrebserkrankungen auf) abgebrochen. Nun zog auch das amerikanische National Institute of Health (NIH) die Notbremse und stoppte eine Studie mit Östrogenen. Es zeigten sich keineswegs weniger Herzinfarkte bei einer Östrogenzufuhr im Vergleich zu Placebo. Die Brustkrebsrate blieb gleich, jedoch war die Häufigkeit von Knochenbrüchen leicht vermindert. Es wurde jedoch ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko gesehen. Der geringe Nutzen rechtfertige keine Therapie gesunder Frauen, betonte die erwähnte Regierungsbehörde.

Rauchen: Nikotin verengt die Gefässe, erhöht den Blutfettspiegel und senkt den Anteil des HDL-Cholesterins. Gleichzeitig wird der Sauerstofftransport eingeschränkt. Direkte Folgen sind u.a. ein erhöhter Blutdruck und eine Abnahme der Gefässelastizität. Wer mit dem Rauchen aufhört, verringert sein Schlaganfallrisiko.

Übergewicht ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Übergewichtige haben oft einen erhöhten Blutdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Eine Gewichtsabnahme senkt das Erkrankungsrisiko.

Drogen: Ein intravenöser Drogenkonsum kann eine Gehirnembolie auslösen. Auch die Einnahme von Kokain wird mit Schlaganfall, Herzinfarkt und anderen Herz- und Gefässerkrankungen in Zusammenhang gebracht. Wie MedizinInfo berichtet, bestehen die Risiken bereits schon nach der ersten Kokaineinnahme.

Weitere Risikofaktoren sind eine genetische Veranlagung, Jahreszeit und Wetter (Schlaganfälle häufen sich in Zeiten grosser Hitze) und sozioökonomische Faktoren (wohlhabende Menschen bekommen weniger einen Schlaganfall). Die zuletzt genannten gehören zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren.

Auch Choleriker sind gefährdet
Bisher war man der irrigen Ansicht, wer öfter mal Dampf ablasse, der lebe gesünder. Dies stimmt nicht mehr. Choleriker haben, wie eine Studie ergab, ein fast doppelt so hohes Schlaganfallrisiko wie Mitmenschen, die sich zurückhalten. In der Studie wurde der Einfluss psychosozialer Faktoren auf Herzinfarkt- und Schlaganfallneigung unter die Lupe genommen. Bei den 2100 Teilnehmern korrelierte die Anfälligkeit für einen Schlaganfall eng mit der Neigung, Ärger nach aussen abzureagieren. Dieser Zusammenhang war unabhängig von anderen Risikofaktoren. Dr. Susan A. Everson, University of Michigan in Ann Arbor, warnte jedoch auf einer Tagung, nicht ins andere Extrem zu verfallen und seinen Ärger zu unterdrücken. Dies wäre ebenfalls nicht der Gesundheit zuträglich. Sie empfahl den richtigen Umgang mit Ärger. Vermeidungsstrategien und bewährte Rezepte sollen helfen. Man könne bis 10 zählen oder Frustrationen mit Sport auffangen (Quelle: Medical Tribune , Nr. 9, 1998).

 

Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch:

Bluthochdruck

5-6fach erhöhtes Risiko

Bluthochdruck + Kontrazeptiva

7-11fach erhöhtes Risiko

Rauchen

3fach erhöhtes Risiko

Fettstoffwechselstörungen

2fach erhöhtes Risiko

Herzrhythmusstörungen

7fach erhöhtes Risiko

Diabetes

2-3fach erhöhtes Risiko

Einnahme von Kontrazeptiva

2-3fach erhöhtes Risiko

Beeinflussbare Risikofaktoren

  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Hypercholesterinämie (erhöhte Werte des Blutes an Cholesterin)
  • Zigarettenrauchen
  • Übergewicht
  • Überhöhter Alkoholkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Erhöhte Blutviskosität
  • Herzrhythmusstörungen
  • Orale Kontrazeptiva, kombiniert mit Zigarettenrauchen
  • Drogenkonsum

Begünstigende Erkrankungen

  • Diabetes mellitus
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • Koronare Herzkrankheit
  • Linksherzhypertrophie

Risiko-Test anfordern
Jedermann kann mit Hilfe des Risiko-Tests der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe sein persönliches Schlaganfall-Risiko erfahren. Er muss nur 12 Fragen beantworten. Nach Einsendung des ausgefüllten Fragebogens bekommt man ein persönliches Risikoprofil und ein Faltblatt über Risiken. Parallel wird mit diesem Test auch das Risiko eines Herzinfarktes oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ermittelt. Unter www.schlaganfall-hilfe.de kann das Risikoprofil unmittelbar und kostenlos ausgewertet werden.

Eine relativ neue Methode ist das Projekt „Talking Eyes“. Mit Hilfe einer Spezialkamera werden Fotos von den Blutgefässen der Netzhaut gemacht. Der Zustand der dortigen Blutgefässe verrät, ob die Gehirngefässe schon verändert sind. Auf der Datenbasis umfangreicher Studien – bisher wurden 6000 Menschen mit dieser Methode überprüft – ist es möglich, das persönliche Schlaganfallrisiko zu errechnen.

Die Untersuchung ist zurzeit nur in wenigen Städten in EyeCare- Untersuchungszentren oder direkt in Erlangen möglich. Die Daten werden zentral von Ärzten der Universität Erlangen ausgewertet. Der Patient bekommt einen Auswertungsbogen per Post nach Hause oder erhält eine Nachricht per E-Mail (s. u. „Infos und wichtige Adressen“).

Diagnose, Therapie und Rehabilitation
Hinweise auf einen Hirninfarkt können das EKG (Herzfehler), EEG (krankhafte Veränderungen der Hirnströme) und Pulsunregelmässigkeiten geben. Ein eindeutiger Nachweis erfolgt über ein Computertomogramm und ein Magnetresonanztomogramm. Schliesslich steht dem Arzt noch die Dopplersonographie zur Verfügung. Mittels dieses Ultraschallverfahrens, das besonders in der Früherkennung von Risikopatienten von Nutzen ist, können Gefässverengungen ab etwa 50 Prozent erkannt werden.

Auf der Intensivstation werden alle lebenswichtigen Funktionen wie Blutdruck, Atmung und Urinausscheidung überwacht. Die Akutbehandlung eines Schlaganfalls besteht u.a. in der medikamentösen Auflösung des Gefässverschlusses. Vorher muss jedoch eine Hirnblutung ausgeschlossen werden.

Die Rehabilitation wird in Angriff genommen, sobald es der körperliche Zustand des Patienten zulässt. Im Vordergrund stehen Krankengymnastik, das Einüben alltäglicher Handlungen mittels Ergotherapie und Sprechübungen durch einen Logopäden. Bei jungen, geistig flexiblen Menschen sind sehr gute Therapieerfolge zu erreichen, während bei älteren Patienten bestimmte Fähigkeiten nicht mehr vollständig wiederhergestellt werden können.
Der Schlaganfallpatient hat nicht nur mit körperlichen Folgen zu kämpfen. Ihn plagen Depressionen, Stimmungsschwankungen und existenzielle Ängste, insbesondere dann, wenn eine Kündigung erfolgt. Frau P. H. meinte in einer ZDF-Sendung: „Meinen Job habe ich auch gerne gemacht. Die Kündigung fand ich ganz schlimm. Man fühlt sich eigentlich zu nichts mehr nutze.“ Besonders betroffen sind solche Menschen, die über ihre Ängste und Probleme nicht sprechen können. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Patient viel Zuwendung und Verständnis durch die Angehörigen bekommt. In einer bestimmten Phase der Krankheit wird diese vom Patienten akzeptiert und als Teil der Realität angesehen. Wichtig ist, dass der Betroffene sich nicht zurückzieht, sondern die Arbeiten in der Familie erledigt, die er im derzeitigen Zustand durchführen kann.

 

Aphasie nach Schlaganfall
In einem ZDF-Magazin wurde der Fall einer knapp über 30jährigen Frau vorgestellt, die nach einem Schlaganfall unter Aphasie leidet. Eines Tages wollte sie ihren jüngeren Sohn zur Schule fahren. Wie ihr Sohn erzählte, brach sie plötzlich in der Wohnung zusammen und murmelte undefinierte Dinge. Der Arzt diagnostizierte einen Schlaganfall. Obwohl die Behandlung sofort einsetzte, hat sie mit den Folgen dieses einschneidenden Ereignisses noch nach einem Jahr zu tun. Mit Hilfe eines Logopäden kann sie sich inzwischen schon sprachlich ganz gut äussern, jedoch fällt ihr das Lesen und Schreiben sehr schwer. Die sprachtherapeutische Behandlung wird etwa 3 bis 4 Stunden in der Woche durchgeführt und wird wahrscheinlich noch eine längere Zeit notwendig sein.

Aphasie wird mit „Sprachlosigkeit“ oder „Verlust der Sprache“ übersetzt. Die Sprachstörung wird nach einer Schädigung der linken Gehirnhälfte ausgelöst. In vielen Fällen zeigt sich eine Aphasie nach einem Schlaganfall oder nach einer Hirnblutung. Eine Aphasie kann aber auch ausgelöst werden durch einen Hirntumor, durch entzündliche Prozesse oder nach Schädel-Hirn-Verletzungen. Bei einer Aphasie sind das Denken und Wissen nicht gestört. Der Betroffene hat also keine geistige Behinderung. Er hat lediglich die Fähigkeit verloren, sich sprachlich mitzuteilen. Oft sind die Fähigkeiten des Schreibens und Lesens und der Umgang mit Zahlen beeinträchtigt. Auch die Gestik und Mimik ist manchmal gestört. Mögliche Begleitsymptome sind Lähmungen, Sehbehinderungen, Störungen der Körperwahrnehmung, Störungen der Bewegungskoordination, Konzentrationsstörungen, Gefühlsschwankungen und Reizbarkeit, Störungen des Antriebs und Krampfanfälle.

In Deutschland sind etwa 400 000 Menschen von Aphasie betroffen. Jährlich kommen etwa 80 000 Neuerkrankte dazu. Oft sind Angehörige und Pflegekräfte überfordert.

 

Wie vorbeugen?
Die beste Behandlung des Schlaganfalls ist, ihn erst gar nicht entstehen zu lassen. Deshalb spielt die Vorbeugung eine grosse Rolle. Die wichtigsten Massnahmen sind folgende:

Ausschaltung von Risikofaktoren, regelmässige Blutdruckkontrolle, Blutuntersuchung auf Blutzucker, Blutfette und Fibrinogen, Pulsmessung und Prüfung auf Herzfehler mittels Elektrokardiogramm, eventuell Überprüfung der Halsgefässe per Ultraschall, konsequente Behandlung von Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Manchmal ist es notwendig, Acetylsalicylsäure zu geben, um die Blutgerinnung herabzusetzen. Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen wird eine Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten erwogen. Weitere Vorbeugemassnahmen sind eine fettarme Ernährung (empfehlenswert ist eine Vollwertkost, vegetarische Ernährung und eine mediterrane Kost), sportliche Betätigung und die Einnahme von 0,4 Milligramm Folsäure pro Tag bzw. Aufnahme einer Kost, die reich an Folsäure und Vitamin C ist. In der Arbeit „Schützen uns Vitamine vor Schlaganfall?“ wird auf die Bedeutung der Vitamine bei dieser Krankheit eingegangen.

Infos und wichtige Adressen

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Carl-Bertelsmann-Strasse 256
D-33311 Gütersloh
Tel.: 05242/9770-0
Fax: 05241/702071
Internet: www.schlaganfall-hilfe.de

Österreichische Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung
Donauklinikum Gugging – Neurologie
A-3400 Maria Gugging
Internet: www.schlaganfall-info.at

Selbsthilfegruppen Schweiz
Internet: www.kosch.ch/selbsthilfegruppen.htm

Organisationen und Institutionen
Internet: www.samariter-riehen.ch/links/li_irg1.htm

Schlaganfall-Spezialstationen in der Schweiz
Internet: www.schlaganfall-info.de/units_ch.htm

Infos über Talking-Eyes
e-EyeCare GmbH
Henkestrasse 91
D-91052 Erlangen
Tel.: 09131/61084-0
e-Mail: info@e-EyeCare.de
Internet: www.e-EyeCare.de

Weitere Infos im Internet:
www.sbk.org/special/talkingeyes/te.php
oder über die Google-Suchmaschine (Stichwort: Talkingeyes)

Quellen
„Schlaganfall – Richtig behandeln und vorbeugen“ von Heinz Scholz , Kneipp-Journal 11/2003.
„Schützen uns Vitamine vor Schlaganfall?“ von Heinz Scholz , Kneipp-Journal 11/2003.
„Stress als Risiko?“ von Renate Braun, Kneipp-Journal 11/2003.
„Bewegungs- und Sporttherapie – Eine wichtige Säule im Kampf gegen Schlaganfall “ von Dr. K.-L. Rodegast , Kneipp-Journal 11/2003.
„Raucher sind gefährdet – Mentales Training hilft, rauchfrei zu werden, rauchfrei zu bleiben“ von Dr. Josef Meier und Angela Miller , Kneipp-Journal 11/2003.
„Das ABC der Vitalstoffe“ von Dr. med. Wolfgang Busse und Heinz Scholz , Haug Verlag, Heidelberg, 2001.
„Mittelmeerdiät – Gesund geniessen, länger leben“ von Edita Pospisil, GU Verlag, München 1999.
„Schlaganfall im Überblick“ von Prof. Dr. med. M. Radke , VitaMinSpur, 2001.

Internet: Mit den Suchmaschinen wie www.google.de oder www.alltheweb.com sind unter dem Stichwort „Schlaganfall“ im Internet sehr viele Infos zu bekommen.

Hinweis
PS. Wir verweisen interessierte Leser auch auf den Artikel „ Schützen Vitamine und Omega-3-Fettsäuren vor Schlaganfall?“ ; Verfasser ist ebenfalls Heinz Scholz .

 

Bitte beachten Sie zum Thema Bluthochdruck auch den Artikel "Die Hypertonie-Gesunden" von Lislott Pfaff.

 

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