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     17. Dezember 2018, 01:50 Uhr
 


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Tipps für den Ruhestand

Von nun an war ich ein Niemand

Genervte Ehefrauen – 100 Wünsche eines Amerikaners – Arbeiten für das Gemeinwohl – Studieren und Lehren – Ungewöhnliches von einem 82-Jährigen – Schreiben einer Biographie – Persönliche Aktivitäten – Probleme mit dem Älterwerden

Wer kennt nicht das köstliche Filmwerk "Pappa ante Portas" von Loriot? Vicco von Bülow nervt als frischgebackener Ruheständler seine Dauer-Filmpartnerin Evelyn Hamann. Er will seiner Ehehälfte einmal so richtig zeigen, wie man einen Haushalt durchorganisiert. Ab sofort hört alles auf sein Kommando. Als seine Frau eines Tages nach Hause kommt, trifft sie fast der Schlag. Sie findet einen grossen Stapel Senfgläser vor. Auf die Frage, was das soll, meinte der neue Hausmann triumphierend, dass er die 150 Gläser im Sonderangebot bekommen und somit viel Geld gespart hat. Etwas später kommt die erste Abo-Lieferung Wurzelbürsten und Badesalz. Es dauert nicht mehr lange, bis der Gattin der Kragen platzt. Ab sofort herrscht Funkstille zwischen den beiden. Frieden kehrt erst anlässlich des 80. Geburtstages der Schwiegermutter ein.

Auch im wirklichen Leben sollen ähnliche Vorkommnisse so manche Ehefrau an den Rand des Wahnsinns getrieben haben. Riesenpackungen Zahnpastatuben, Zahnbürsten, Cremes und viele andere Dinge des Alltags wurden erstanden und die "Beute" freudestrahlend nach Hause gebracht. Man hat ja schliesslich Geld gespart. Die Partnerin war gar nicht begeistert. Sie argumentierte messerscharf, solche Mengen könne man ja nie aufbrauchen oder die Ware würde frühzeitig vergammeln. Recht hat die mit allen Wassern gewaschene Hausfrau! Nehmen wir einmal das obige Beispiel mit den Senfgläsern. Würden die beiden im Jahr 10 Gläser Senf aufbrauchen, könnten sie 15 Jahre davon naschen.

Zu Anpassungsschwierigkeiten zwischen Eheleuten kommt es besonders dann, wenn der Partner in die Domänen des anderen eindringt und alles besser wissen möchte. Deshalb ist es wichtig, dass die Kompetenzen schon vor der Pensionierung geklärt werden. Eine sinnvolle Arbeitsteilung sieht beispielsweise so aus: Einkäufe, Autowaschen, Gartenarbeiten, Renovierungsarbeiten, Müllentsorgung erledigt der Mann, das Kochen, Wäschewaschen, Bügeln aber die Dame des Hauses. Es gibt jedoch auch Männer, die gern kochen oder andere Tätigkeiten im Haushalt übernehmen würden. Eine Frau soll auf gar keinen Fall den Tatendrang ihres Mannes bremsen. Merke: Ein aktiver Mann ist immer noch besser als ein Faulenzer.

Sie stehen noch "voll im Saft"

"Endlich mehr Freizeit und Freiheit, Zeit für Hobbys, Reisen und unerledigte Arbeiten, Zeit für neue Kontakte, kein Termin-Stress, keine Schwierigkeiten mit Kollegen oder Vorgesetzten", so die Meinung eines langgedienten Arbeitnehmers auf die Frage, wie er sich den Ruhestand vorstellt.

Vielfach ist es doch so, dass gerade Frühpensionäre, die schon mit 60 Jahren oder früher in Rente gehen müssen, "voll im Saft" stehen und noch gern arbeiten möchten. Die meisten trösten sich damit, dass sie der Jugend keinen Arbeitsplatz wegnehmen, dem Mobbing entflohen sind und mit der heutigen teilweise brutalen Arbeitswelt nichts mehr zu tun haben.

Auf der anderen Seite bewertet der noch im Arbeitsleben eingebundene Mensch die Kommunikation mit den Mitarbeitern und Chefs, das höhere Einkommen, die interessante Arbeit und das Gefühl, der Firma oder der Gesellschaft noch von Nutzen zu sein, als positiv. In der Firma waren die Arbeitnehmer mehr oder weniger angesehen, sie waren der Herr Abteilungsleiter, der Herr Direktor, der Vorarbeiter, der Personalchef oder der Herr Sowieso. Sie waren vollgepackt mit Selbstbewusstsein und Plänen. Nach der "Abservierung" durch die Firma bröckelte das Selbstbewusstsein immer mehr ab. "Von nun an war ich ein Nichts, ein Niemand", meinte ein Frühpensionär völlig zerknirscht."Aber meine Frau half mir über die depressive Phase hinweg. Heute machen wir viel gemeinsam; ich gehe meinen Hobbys nach und erfreue mich der neu gewonnenen Freiheit."

Was die Firmen heute nicht bedenken, ist die Tatsache, dass mit dem Ausscheiden älterer Arbeitnehmer ein ungeheures Fachwissen verloren geht. Deshalb ist es besonders wichtig, dass jeder vor dem Verlassen der Firma sein Wissen dokumentiert und an jüngere Kollegen weitergibt. Wer dies versäumt hat, kann sein Wissen auch in Kursen nach Beendigung des Arbeitslebens weitergeben.

100 Wünsche eines Amerikaners

"Wenn ich einmal Rentner bin, werde ich alles nachholen, wozu ich bisher keine Zeit hatte." Viele denken so. Besser wäre es natürlich, wenn wir schon vor der Pensionierung Zeit für interessante Aktivitäten hätten. Ich kenne eine Redakteurin, die sich viele Jahre für einen Verlag aufopferte. Sie nahm Arbeiten mit in den Urlaub, arbeitete an Wochenenden, organisierte Veranstaltungen – und das ohne Mehrbezahlung. Die Folge war, dass sie kaum Freundschaften pflegen konnte, gesundheitliche Probleme bekam und nach der Kündigung völlig im "luftleeren Raum" stand. Für sie brach eine Welt zusammen ("Die Arbeit war mein Leben!"). Inzwischen hat sie sich erholt und sieht ihre Situation positiver. Sie unternimmt jetzt Reisen, liest viel und besucht Museen und kulturelle Veranstaltungen. Sie hat inzwischen begriffen, dass es auch etwas anderes gibt als Arbeit.

Dazu eine interessante Meldung aus den USA: Bevor ein Amerikaner in den Ruhestand ging, stellte er eine Liste mit über 100 Wünschen auf, die er sich in seinem Arbeitsleben aus Zeitmangel nicht erfüllen konnte. Nun ist er dabei, die Punkte der Reihe nach mit seiner Frau "abzuarbeiten".

Augen auf für das Gemeinwohl!

Wer gern Rad fährt, kann die Wege in seiner Gemeinde abfahren und auf Radhindernisse, falsche Beschilderungen und Schwachstellen hinweisen. Wer ein Enkelkind hat und die Gehwege mit dem Kinderwagen überwindet, der wird sich wundern, welche Hindernisse das Schieben erschweren. Auch auf Unfallschwerpunkte wie verrostete Geländer an Brücken, unsichere Spielgeräte und vieles mehr kann der mit wachsamen Augen herumlaufende Senior ermitteln und der Gemeinde melden. Es gibt sogar solche, die am Abend die Beleuchtungen kontrollieren und auf defekte Lampen hinweisen.

In manchen Städten hat sich eine ausgefallene, jedoch bei Autofahrern unbeliebte, Spezies an Pensionären entwickelt. Diese als "Sammler und Jäger"fungierenden Menschen jagen unerbittlich Parksünder.

Studieren und Lehren

Wer noch eine gehörige Portion grauer Zellen sein eigen nennen darf, der kann sich in einer Senioren-Universität oder an Volkshochschulen weiterbilden. Wer sein Fachwissen weitergeben möchte, dem bieten sich Vorträge oder Beratungen an. Ältere können so jungen Firmengründern wertvolle Tipps geben.

In meinem Landkreis (Lörrach) gibt es im Landratsamt eine Fachstelle für Planung, Koordination und Beratung in der Altenhilfe. Die Vorstände von Seniorenclubs erhalten eine Referentenliste und Programm-Tipps für die Seniorenarbeit. Folgende Themen sind zurzeit "in": Land und Leute, Natur, Gesundheit, Psychologie und Spirituelles, Politik, Recht und Soziales, Verbrauchertipps und Infos, Kunst und Kultur, Lesungen in Hochdeutsch und Mundart, Musik, Zauberei und Tanz, interessante Hobbys.

"Aber oft bedarf es nur offener Augen und etwas Mut und Kreativität, um eigene Lösungen zu entdecken", schreibt Otto Buchegger aus Tübingen im Internet (www.seniorenfreundlich.de/senioren-aktivitaeten.html). Wer beispielsweise ein Instrument spielen oder singen kann, der wird sich bei privaten Veranstaltungen präsentieren oder sich einem Seniorenchor anschliessen. Und wer sich gut mit dem Computer auskennt, kann sein Wissen in Kursen weitergeben. Der genannte Autor betont weiter: "Das Wichtigste an all diesen Aktivitäten ist die Gesellschaft, die man dadurch bekommt. Da es keine Grossfamilien mehr gibt, sind wir auf diese Kontakte angewiesen."

Das Internet kann den Ruheständler in vielen Dingen unterstützen. So bekommt er unglaublich viele Informationen über alle Fachgebiete. Es ist ein exzellentes Hilfsmittel um Reisen zu planen. Ausserdem erlaubt es auch die Überbrückung der Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und bietet eine Plattform zur Selbstdarstellung. Senioren, die das Internet nutzen, leben gesundheitsbewusst, haben eine überdurchschnittliche Bildung, sind wissbegierig, kommunikationsfreudig und reiselustig.

Ungewöhnliches von einem 82-Jährigen

Schon seit längerer Zeit sehe ich 2 ältere Italiener ganz gemütlich durch meinen Wohnort streifen. Sie unterhalten sich, gehen in ein Café und trinken dort einen Espresso. Manchmal treffen sie sich mit Gleichgesinnten im Park zu einem Boule-Spiel. Dann gehts wieder nach Hause. Die beiden strahlen eine vollkommene Zufriedenheit und Ruhe aus.

Es gibt gerade für Senioren eine ganze Menge Freizeitangebote und Möglichkeiten, hier entsprechende Fähigkeiten einzusetzen. Die Rüstigen fungieren als Wander- und Reiseführer. Sie organisieren Wanderungen, Radtouren, Essreisen, Theater- und Ausstellungsfahrten. Wiederum andere publizieren Interessantes über ihr Hobby oder schreiben eine Ortschronik. Dazu zwei Beispiele: Der 82-jährige Clemens Fabrizio aus Schopfheim D organisiert Fahrten für die Museumsgesellschaft, wie kürzlich eine solche zu den Vogts-Bauernhöfen bei Gutach im Schwarzwald. Dieser Betagte sammelte zeitlebens Ansichtskarten, Liederbücher, Menükarten und alte Briefe. In seinen 4 Büchern mit den Abbildungen zahlreicher Ansichtskarten von anno dazumal stellte er sein Hobby einer grösseren Leserschaft vor. Das Besondere: Er wagte es im Alter von 80 Jahren, das Buch "Sing ein Lied" mit 200 Liedern auf Ansichtskarten in eigener Regie zu verlegen. Er ging ein finanzielles Risiko ein. Das Buch wurde jedoch gut verkauft und erhielt höchstes Lob.

Auch der 83-jährige Karl Bäumle, der als Architekt und Diplomingenieur bis zu seinem 80. Lebensjahr aktiv im Arbeitsleben stand, fand im Ruhestand eine sinnvolle Beschäftigung. Er schreibt zur Zeit eine Chronik über sein Heimatdorf Wiechs, das heute zur Stadt Schopfheim D gehört. Darüber hinaus verfasst er schöne und ergreifende Gedichte für Geburtstage, Jubiläen und Nikolaus- und Weihnachtsfeiern eines Seniorenclubs. Das gut zum Thema passende Gedicht "Lerne langsam nichts zu sein" finden Sie am Ende dieser Arbeit.

Diese Beispiele zeigen, dass dem Alter keine Grenzen gesetzt sind und man noch als Betagter zu grossen Taten fähig ist.

Das Schreiben einer Biographie

Wer als Autor als Nebenjob sein Einkommen verbessern konnte, wird sicherlich im Ruhestand auch seine Fähigkeit weiter unter Beweis stellen wollen. Viele treten kürzer; andere wollen der Umwelt beweisen, dass sie doch noch zu etwas fähig sind.

Wer nichts mit der Schriftstellerei am Hut hat, kann sich trotzdem mit dem Schreiben befassen. Er könnte beispielsweise seine eigene Biographie schreiben. Die Aufzeichnungen werden sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt von Familienangehörigen oder Bekannten gern gelesen. Jede Biographie ist von Nutzen. Ich kenne etliche Ruheständler, die sich in der Familienforschung engagieren. Sie erforschen ihre eigene Herkunft und erstellen für die Nachwelt einen Stammbaum.

Persönliche Aktivitäten

Nach der Frühpensionierung meinte meine Frau scherzhaft, nun hätte ich 6 Wochen Urlaub, und dann würde sie mir schon sagen, welche Dinge ich zu erledigen hätte. Gesagt, getan. Der "Unruhestand" begann mit Renovierungen und Entrümpelungen, also Arbeiten, die während des Arbeitslebens immer wieder hinausgeschoben wurden. Dann folgten Einkäufe, Enkelbetreuung und Fahrdienste.

Meine Ehefrau schreibt lustige Geschichten, Aussprüche und sonstige Begebenheiten über unseren Enkel nieder. Das gesammelte Werk bekommt der Bursche dann zu seinem 18. Geburtstag. Eine ähnliche Sammlung erhielt bereits unsere Tochter zu ihrem 18. Geburtstag.

Eine besondere Aktivität, bei der auch die geplagte Ehefrau etwas davon hat, übernahm ich von einem Arbeitskollegen, der schon ein halbes Jahr früher in Pension ging. Er und seine Frau machen an einem Wochentag eine Einkaufsfahrt und gehen in ein gutes Restaurant zum Essen. Ein Vorteil des werktäglichen Essens: Die Restaurants bieten hier preisgünstige und schmackhafte Tagesmenüs an.

Aber auch in der Küche konnte ich eine gewisse Kreativität entwickeln. Meine Spezialität sind Kuchen und Nachspeisen. Besonders beliebt sind die sehr schmackhaften "Nuss-Haferflocken-Kugeln mit Espresso" (siehe Rezept im Kasten). Innerhalb kurzer Zeit wird die gesunde Nascherei von Familienangehörigen weggeputzt. Der Erzeuger dieser Kugeln hat dann das Nachsehen, wenn er nicht schnell genug ist.

Einmal pro Woche wird auch für das körperliche Wohl etwas unternommen. Mit einem Gleichgesinnten wird in die nähere und weitere Gegend gewandert. Wir bewältigen in der Regel zwischen 10 und 20 Kilometer. Dabei kommen wir in Gegenden und Dörfer, die uns völlig unbekannt waren.

Für das geistige Wohl sorgen Arbeiten am Computer und schriftstellerische Arbeiten für diverse Zeitschriften und das Textatelier (www.textatelier.com). Als besonderer Höhepunkt war das Schreiben eines Buches über Rheuma (Verlag A. Vogel, Teufen, Herbst 2003). Eine weitere geistige Beschäftigung ist das Lesen von Chroniken, historischen Bildbänden über Städte und Dörfer und das Sammeln von Anekdoten über Berühmtheiten oder weniger berühmte Zeitgenossen. In meiner Sammlung finden sich auch Geschichten über das Leben in früherer Zeit. Besonders faszinierend sind Anekdoten über Landärzte, Apotheker, Bahn- und Schiffsreisen, Industriepioniere, Schulen, Pfarrer und Kirchen, Badezeremonien, Brauchtum, Arbeitswelt, Gesetze und Strafen, Dörfer und Städte. Es ist ein wirklich faszinierendes Gebiet. Einige amüsante und kuriose Anekdoten sind am Schluss aufgeführt.

Die Chroniken sind entweder in Buchantiquariaten oder in diversen Büchereien zu beziehen. In Lörrach nutze ich besonders die "Wissenschaftliche Regionalbibliothek", die einen grossen Buchbestand in ihren Regalen hat. Fehlende Bücher können dann per Internet von anderen Bibliotheken zur Ausleihe gegen eine geringe Gebühr bestellt werden.

Neben diesen Aktivitäten und dem Fotografieren bleibt noch Zeit für Beschäftigungen mit unserem jetzt dreijährigen Enkel. Die Unternehmungen mit dem Kleinen halten Oma und Opa geistig und körperlich fit.

Wenn es mir eines Tages trotzdem langweilig wird, dann werde ich eventuell Einkäufe, Ernährungsberatungen und Fahrten für Ältere übernehmen.

Es gibt also genügend Möglichkeiten, im Ruhestand nicht der Ehefrau auf die Nerven zu fallen, für das Gemeinwohl etwas Sinnvolles zu tun und seine eigene Befriedigung und Selbstbestätigung zu finden.

Probleme mit dem Altwerden

Es gibt jedoch auch Ruheständler, die den Sprung vom Arbeitsleben in die "andere Lebensphase" nicht so schnell bewältigen. Sie frönen dem Alkohol oder gehen dem Ehepartner oder Nachbarn auf die Nerven. Viele sitzen vor der Glotze und bemerken nicht, dass sie geistig abbauen und gesundheitliche Probleme bekommen. Hier hilft nur, den "inneren Schweinehund" zu überwinden und aktiv zu werden. Wer dies nicht schafft, kann sich einem Seniorenclub anschliessen. Solche Clubs sind in fast jeder Stadt vorhanden. In Schopfheim "regieren"beispielsweise die "Lustigen Ruheständler", die regelmässige Treffs und Fahrten veranstalten.

Auch mit dem Alter kommen viele nicht zurecht. So manche Ruheständler nehmen sich jüngere Lebenspartner, wiederum andere laufen zum Schönheitschirurgen. Es gibt sogar solche, die sich im "Playboy"ablichten lassen. Ich war immer der Meinung, diese Zeitschrift wäre eine Plattform für jüngere Frauen. Aber ich habe mich gründlich geirrt. In einer neuen Ausgabe des „Playboys“ wurden Fotos von einer 59-jährigen deutschen Schauspielerin publiziert. Sie begründete ihren Auftritt damit, dass sie anderen Frauen Mut machen wolle, das Alter besser zu akzeptieren. Eine junge Frau, die im selben Heft als "Playmate des Monats" ihren paradiesischen Körper präsentierte, meinte, sie verstehe die Frau nicht. "Aber vielleicht hatte sie das nötig!" Eine Bemerkung von meiner Frau dazu: "Wirkliche Schönheit hat nichts mit glatter, faltenfreier Haut zu tun, sondern sie kommt von inneren Werten und strahlt nach aussen".

In der Tat ist es doch so, dass sich nicht wenige Ältere vorgaukeln, man könne dem Alter entfliehen und ewig jung bleiben. "Tatsächlich wird der ehrliche Blick auf das Geburtsdatum im Pass hilfreicher sein, sich auf das Alter einzustellen und damit besser mit diesem Lebensabschnitt umzugehen", schreibt treffend Otto Buchegger. Recht hat dieser Mann. Man sollte das Älterwerden akzeptieren.

Sie strahlte mich an

Jung und alt sollten mehr Freundlichkeit an den Tag legen und auch gelegentlich Lob verteilen. In einer materiell eingestellten Welt sind Lob und Freundlichkeit mehr wert als Geld und Reichtum. Sie kosten nichts, erfreuen das Herz, spornen an und machen unser Leben angenehmer und glücklicher. Dazu ein Beispiel: Als ich nach einer Wanderung zum Ausgangspunkt zurückkehrte, kam mir ein vielleicht 16-jähriges Schulmädchen entgegen. Ich blickte es freundlich an, sie grüsste und strahlte mich an. Welch eine Wonne, welch ein netter Augenblick! Ein Wanderkollege, der hinter mir her lief und ein nicht so ein freundliches Gesicht machte, meinte: "Mich hat sie nicht gegrüsst!" Mit guter Laune, Freundlichkeit kann jeder andere begeistern. Auch bekommt ein freundlicher Zeitgenosse in vielen Lebenssituationen eher Hilfe als ein Missmutiger. Auch das manchmal getrübte Verhältnis zwischen jung und alt wird durch Lob und Freundlichkeit verbessert. Es ist doch schöner zu hören, wenn ein junges Ding anstelle "Dieser Muffelkopf" sagt: "Das ist aber ein netter Mensch!"

Man kann also eine Menge tun, um das Leben positiv zu gestalten. Von dieser Einstellung profitiert nicht nur der Freundliche, sondern auch alle, die mit ihm Kontakt haben. Was hält uns eigentlich davon ab, freundlich zu sein?

Heinz Scholz

Lerne langsam nichts zu sein

Lerne – statt zu reden – schweigen,
fällt es dir auch noch so schwer.
Ehe dir die andern zeigen:
Deinen Rat braucht man nicht mehr.

Lerne die Ruhe zu ertragen,
die auf stillen Wegen lebt.
Lerne, niemals zu verzagen,
weil die Zeit stets weiter webt.

Lerne auf die Seite treten,
eh' man dich zur Seite schiebt.
Geh! Bevor man ungebeten,
lächelnd dir den Abschied gibt.

Lerne ohne Hass zu sehen,
andere an deiner Stell.
Ihre Zeit wird auch vergehn,
wieder andere folgen schnell.

Lern in deinen alten Tagen
deinen Nachbarn zu verstehn.
Er hat wie du das gleiche Los zu tragen,
drum lern' das Miteinandergehn.

Lerne wenn's um dich ganz still geworden,
denke an "Deine"Zeit zurück.
Auch in deinem Leben gab's einen Morgen
und so manches stille Glück.

Lern die grösste Kunst im Leben,
macht es dir auch schwere Pein.
Lerne mit dem älter werden,
wieder langsam nichts zu sein.

Karl Bäumle

(Vorgetragen anlässlich des Richtfestes einer Seniorenwohnanlage in Schopfheim am 26. September 1968)

Nuss-Haferflocken-Kugeln mit Espresso

Zutaten: Blütenzarte Haferflocken, Mandeln, Haselnüsse oder Walnüsse, Espresso, Haselnuss-Nougat-Creme von GranoVita, Schokostreusel oder Kokosraspel.

Zubereitung: Je eine Kaffeetasse Haferflocken und Mandeln oder Nüsse (am besten eine Mischung aus Mandeln oder Haselnüssen mit Walnüssen (Baumnüssen) im Verhältnis 1:1) mahlen, 1 volle Tasse Espresso (Kaffee für 2 Tassen in den Kaffeeautomat einfüllen!) und etwa 5 Teelöffel der Haselnuss-Nougat-Mischung hinzufügen, mit einem Löffel gut durchkneten. Aus der nicht zu feuchten Mischung kleine Kugeln formen und diese in Schokostreuseln oder Kokosraspeln wälzen. Im Kühlschrank aufbewahren.

Alternativen: Anstelle von Espresso kann Wasser, Milch, Bambu-Kaffee oder eine Fruchtsirupmischung (z.B. Glühfrucht von Donath) verwendet werden. Anstelle von Mandeln, Haselnüssen oder Walnüssen bieten sich Kürbiskerngranulat, Pistazienkerne und andere Nüsse an.

Heinz Scholz

Arbeitsleben anno dazumal

Einige Beispiele aus der Sammlung "Geschichten aus Baden-Württemberg, dem Elsass und der Nordschweiz" von Heinz Scholz

Zuerst kam der Hund

Eine 85-jährige Rheinfelderin erzählte anlässlich des 75. Stadtjubiläums (1997) einige Erlebnisse aus ihrem Leben:

Kurz nach der Schule verdiente sich Irma Lentz ihr erstes Geld in verschiedenen Haushaltungen. Ein besonderes Erlebnis, über das sie sich heute noch ärgert, hatte sie als Zimmermädchen bei einem Basler Bankdirektor. Ihr wurde eine schnittige Arbeitskleidung verpasst. Diese bestand aus einem gestärkten Häubchen, Manschetten, weisser Schürze und einem schwarzweissen Kleid. Sie musste diese Kleidung bei jeder Gelegenheit tragen, auch bei noch so schmutzigen Putzarbeiten. Hatten die Bediensteten Hunger, dann mussten sie mit dem leeren Teller beim Hausherrn um Essen bitten. Sie erhielten die Nahrung jedoch erst, nachdem der Napf des Hundes gefüllt war.

Quelle: "Badische Zeitung", Sonderbeilage 75 Jahre Stadt Rheinfelden, 10. Oktober 1997.

Arbeit ist ein grosser Segen

Pfarrer Kohler verfasste anlässlich der Gründung der Spinnanstalt in Birkach (Stadt Stuttgart) 1795 Folgendes:

§1: "Der Mensch ist zur Arbeit erschaffen."

§2: "Arbeit ist ein grosser Segen für die Menschen. Regelmässige Arbeit stärkt unsere Gesundheit, weckt und vermehrt die Kräfte des Leibs und der Seele, ordnet unsere Gedanken und Begierden, macht heitere und frohe Menschen.

Das sind unsere vergnügtesten Stunden, die wir in unserer Berufs-Arbeit zugebracht haben. Wie häufig sind die Exempel solcher Leute, die auch bei einer mühseligen Arbeit und bei einem geringen Auskommen eine wundernswürdige Munterkeit von sich blicken lassen."

Fabrikwesen erzeugt Hörigkeit

"Das Fabrikwesen erzeugt eine Hörigkeit neuer Art. Der Fabrikarbeiter ist der Leibeigene eines Brotherren, der ihn als nutzbringendes Werkzeug verbraucht und abgenützt wegwirft." Dies äusserte der katholische Freiburger Professor Franz Josef Buss 1837 im badischen Landtag. Er wollte durch seine Rede die Lage der Arbeiter in den Fabriken verbessern.

Arbeitsloser als anonymer Schreiber

1929 schrieb ein anonymer Arbeitsloser an den Freiburger Oberbürgermeister u.a. folgende Zeilen:
"Wenn man 2 Jahre schon nur auf das Gnadenbrot der Arbeitslosenfürsorge angewiesen ist, kommen einem so allerhand himmlische Gedanken, dass es sich doch dort unten auf unserm schönen Friedhof friedlicher und ruhiger leben lässt. Dies uns zu ermöglichen, möchte ich den Herrn Bürgermeister bitten, eine Gaszelle errichten zu lassen, wo jeder müde Arbeitslose sich mit seiner Familie den Freitod unentgeltlich holen kann. Die Deckung der Unkosten wäre gewiss gering und sehr leicht von jener Bevölkerung aufzubringen, die den Arbeitslosen doch nur als Geschwür am Körper des Staatswesens erblickt."
Quelle der letzten drei Episoden: "Unser Land Baden-Württemberg", Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1986.

Arbeitsscheu

In den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts schlenderte ein stadtbekannter, arbeitsscheuer Mann an einem Schwetzinger Betrieb vorbei. Der Betriebsmeister meinte, er habe Arbeit und könne morgen schon anfangen. "Ist gut", rief der Mann dem Meister zu. Als dieser ausser Hörweite war, murmelte der Arbeitslose vor sich hin: "Verflucht noch mal, warum hat mich der Teufel hier vorbeigeführt."

Nach langer Zeit der Arbeitslosigkeit wurde einem weiteren Mann eine Arbeit angeboten. "Wie viel verdient man bei euch?" meinte dieser zum Chef. Dieser antwortete: "Am Anfang 800 Mark, später mehr." Der Arbeitlose: "Gut, dann komme ich später."
Quelle: "Schwetzinger Zeitung" unbekannten Datums.

Faulenzer wurden bestraft

Mitte des 19. Jahrhunderts hatten einige nichts zu lachen. Faulenzer mussten sich Arbeit suchen. Wer als "faul" galt, durfte den Ort nicht verlassen. Müssiggänger, die in der Wirtschaft herumsassen, wurden aus dem Wirtshaus gewiesen. Wirte, die Faulenzern Getränke servierten, erhielten eine saftige Geldstrafe.

Landwirte, die keine Lust hatten, Felder zu bestellen, wurden vors Bezirksgericht gebracht und mussten sich dort verantworten. Wer die Aussaat vernachlässigte, wurde für 48 Stunden eingesperrt.

Quelle: "Der Hinterhag – zur Geschichte der Gemeinde Häg-Ehrsberg" von Ernst Rümmele, 1977.

Kuriose Strafen anno dazumal

Wo sind die frommen Frauen von Basel?

1492 wurde eine getaufte Jüdin für ewig 10 Meilen aus der Stadt verwiesen, weil sie Folgendes sagte: "Es sey keine fromme Jungfrau noch Frau in der Stadt Basel. Und wenn man eine finden wolle, müsse man sie in der Wiege suchen." Da sie Urfehde nicht schwören wollte, wurde sie bei Wasser und Brot und ohne Bett in Gefangenschaft gehalten.

Geisbock im Münster

1742 erdreistete sich ein Geisbock (Geissbock) während der Predigt ins Münster zu laufen. Dieser wurde jedoch vom Sigrist sofort eingefangen, aus der Kirche geführt und ist in "Verhaft genommen worden, bis er von seinem Meister wieder ausgelöst wurde".

Zur Versöhnung ins Gefängnis

1668 beklagte sich bei der Basler Obrigkeit eine Frau, ihr Mann würde sie täglich misshandeln, während der Mann sie als Hausdrachen bezeichnete. Nach kurzer Beratung entschloss sich der Rat, beide in den Turm zu sperren, und zwar so lange, bis sie sich ausgesöhnt hatten.

Quelle der letzten drei Episoden: "Freud und Leid" von Eugen A. Meier, Birkhäuser Verlag, Basel 1981 und 1983 (1.und 2. Band).

Schwängerung vor dem Kirchgang

Junge Ehepaare wurden von den Vögten im 16. und 17. Jahrhundert genauestens unter die Lupe genommen. Sie waren angewiesen, einen möglichen Zeugungstermin genau zu berechnen. Kam der junge Erdenbürger zu früh auf die Welt, wurde dieser vor der kirchlichen Hochzeit gezeugt. Dann kam der Familienvater 2 Tage in den Turm und musste 10 Pfund bezahlen. Die "Schwängerung vor dem Kirchgang" war ein Verbrechen gegen die Sittlichkeit.

Die Unzucht lediger Paare wurde dagegen geringer bestraft. Da die Männer nach Bekanntwerden des Vorfalls oft über alle Berge waren, mussten die Mädchen ihren Kopf hinhalten. Meistens erhielten diese eine Strafe von einigen Pfund und eine kurze Turmstrafe. Waren die Bestraften mittellos, dann wurde der Turmaufenthalt verlängert.

Quelle: "Ein Kapitel Kulturgeschichte aus dem Breisgau" von Hermann Rombach, "Oberrheinische Heimat" ("Der Breisgau"), Jahresband 1941.

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