Textatelier
BLOG vom: 24.03.2016

Kurz belichtet: Das Budget in Grossbritannien

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London


George Osborne, der Chancellor, präsentierte am vergangenen Donnerstag sehr autoritär das Budget der Tories. Sein Slogan war: “We are all in it together” (frei übersetzt: “Wir sind alle im gleichen Boot”.)

Angesichts des prekären wirtschaftlichen Umfelds, verkündete er rigorose Sparmassnahmen und verhängte diese u.a. wiederum über den “National Health Service” (öffentliches Gesundheitswesen) – der einstige Stolz der Nation. Die konservativen Parlamentarier auf der vordersten Bankreihe jubelten beifällig, mitsamt dem “primus inter pares” David Cameron (Premier Minister). Er ist kein solcher Primus, sondern ein verkappter Diktator. Nach diesem Schauspiel zerfetzte Jeremy Corbyn, der Leader der Labour Opposition, sehr resolut die Budget-Massnahmen. Das ganze Budget war mit vielerlei Heftpflästerchen zusammen gehalten.

Eine Zuckersteuer wurde über Süssgetränke verhängt. Das mit viel Zucker belastete Ostergebäck blieb verschont ... Die Tampons für weibliche Hygiene wurde mit VAT (Mehrwertsteuer) belastet. Wesentliche Aspekte des Budgets kamen viel zu kurz. Weitläufig griff die Presse diese zwei eher beiläufigen Massnahmen auf.

Tags darauf, am Freitag, den 18. März 2016, platzte mit der Resignation von Iain Duncan Smith (Secretary of State for Work and Pensions) eine Bombe, die im ganzen Land Aufruhr erweckte. Grund seiner Demission: Die Ausgaben für Behinderte wurden stark gekürzt und eingeschränkt, indessen die Einkommensteuer der Wohlhabenden gesenkt wurde. Am Samstag wurden diese und andere Schwachstellen des Budgets im BBC 1 Programm “The Andrew Marr Show” zerpflückt. In diesem Programm legte Iain Duncan Smith kurz und bündig die Gründe seiner Demission dar.

Wieweit George Osborne und David Cameron diesem Kreuzfeuer entkommen, bleibt fraglich. Ich preise und anerkenne das Rechtsempfinden der Engländer.

 


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