Bei einer Zimtzicke erfolgt Zickenalarm
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland
Auf dem Weg kommen mir ein älterer Mann, wahrscheinlich der Vater, mit 2 Kindern entgegen, das eine ein Junge, etwa 14 Jahre, das andere ein Mädchen, etwa 15 Jahre alt. Ich höre, wie der Vater und der Junge ausrufen: „Zickenalarm, Zickenalarm“!
Natürlich weiss ich, was damit gemeint ist, nämlich „zickiges Verhalten“ des Mädchens, dem also die einer Ziege nachgesagte Störrigkeit und deren Eigensinn unterstellt wird.
Eine Zicke ist im heutigen Sprachgebrauch eine weibliche Ziege, der Ursprung für Zicke ist althochdeutsch „zikkin“, damals in der Bedeutung „(junger) Bock“.
„Alarm schlagen“ bedeutet, vor einer möglichen bevorstehenden Gefahr zu warnen, um sie möglichst schnell abzuwenden, denn wenn jemand „zickig“ wird, also launisch und eigensinnig, stört es das allgemeine Wohlbefinden.
„Mach’ keine Zicken, sei nicht zickig, zick’ nicht so rum!“ hört man manchmal, wenn sich eine Person nicht widersetzen, also keine Schwierigkeiten bereiten soll.
Eine Steigerungsform ist die „Zimtzicke“. Sie bezeichnet allerdings ausschliesslich Frauen, die in von anderen Personen als Nichtigkeit angesehenen Problemlagen glauben, diese nicht bewältigen zu können, anfangen zu heulen, oder anders gesagt, zu „flennen“.
Dieser Begriff ist etymologisch hochinteressant. Mit dem Gewürz Zimt hat er nämlich nichts zu tun. Oder vielleicht doch? „Zimt“ kommt althochdeutsch von „cinamon“. Die englische Bezeichnung „cinnamon“ erinnert daran.
Der Begriff in der anderen Bedeutung soll aus dem „Rotwelschen“ kommen, einer Geheimsprache von Gaunern. Stand das Wort früher in dieser Sprache für „Gold“, (Zimt war so wertvoll wie Gold!), so wandelte es sich im 19. Jahrhundert in der deutschen Umgangssprache in das Gegenteil, nämlich „Plunder, unnützes Zeug“.
Wer sagt: „Mach’ keinen Zimt“, meint: „Rede kein dummes Zeug“.
In einigen Mundarten heisst „Zimt machen“ auch „sich zieren“.
Zum „Zickenkrieg“ kann es ausarten, wenn mehrere Zicken sich streiten. Dieser Begriff wurde 2006 erstmalig in den „Rechtschreibduden“ aufgenommen.
Interessant ist auf der Website www.ziege.ch die Beantwortung der Frage:
„Deutet die Zickigkeit auf eine Brunst oder Trächtigkeit hin?“
„Das zickige Verhalten könnte durchaus auf die Brünstigkeit hinweisen. Ziegen sind in der Brunst nervös, schreien häufig, wedeln mit dem Schwanz und bespringen auch gelegentlich andere weibliche Tiere.“
- (bei Säugetieren) in der Brunst befindlich, paarungsbereit
- in besonders starkem Masse von sinnlichem Verlangen erfüllt, vom Geschlechtstrieb getrieben.
Gehört der Mensch nicht auch zur Gattung der Säugetiere? Oder ist das jetzt „Bockmist“?
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