Textatelier
BLOG vom: 07.12.2010

Partner – ein Wort, das mir sehr auf die Nerven geht

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Ein Schulkamerad, dem ich auf der Strasse begegnete, sagte mir, dass er jetzt einen neuen Partner gefunden habe. Damit meinte er eine Partnerin.
 
Das Wort Partner hat sich aus dem Englischen in unsere Sprache eingeschlichen und breit gemacht, in vielerlei Verbindungen, wie Partnertausch, Partnerwahl, Partnersuche, Partnerbörse, Sozialpartnerschaft, partnerschaftlich usf.
 
Partnerschaften bestehen nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Hund, Katze und Pferd.
 
Meine Abneigung gegen das Wort Partner und seine Verbindungen beruht auf einer geschäftlichen Partnerschaft, die aufflog, nachdem mich mein Partner betrogen hatte.
 
Ist meine Lebensgefährtin bloss eine Partnerin? Nein, sie ist meine Frau, Gattin, oder Gemahlin. Und ich möchte von ihr nicht Partner genannt werden.
 
Das Wort Partner überwuchert und ersetzt gediegene Ausdrücke wie Freund, Kamerad, Kollege, Genosse, Liebhaber, Verbündete.
 
Der verwaschene Begriff Partner wertet Beziehungen zwischen Menschen ab, ist billig wie Wechselgeld und somit leicht auswechselbar.
 
Wer etwa das Suchwort „Partnerbörse“ im Google eingibt, findet eine Menge von Portale, die aufdecken, worum es geht. Hier sind 2 Beispiele: „Kostenlose Partnerbörse: jetzt gratis anmelden und flirten“; „Mehr als 500 000 Singles chatten schon im Chatroom. Dauerhaft kostenlose Partnersuche, finden Sie Ihren Flirt“.
 
Als ungebundener Jüngling, pardon Single, bändelte ich gelegentlich gern mit einem hübschen Mädchen an. Zum Glück war ich nicht auf eine Partnerbörse angewiesen.
 
Viele langjährige Beziehungen scheitern, wenn eine Frau oder ein Mann hinterrücks und „solo“ Bekanntschaften einfach zum Plausch sucht. Der Verrat wird oft im mobilen Textaustausch entdeckt.
 
Natürlich halten auch kommerzielle Interessen im Partner-Rummel mit, so auch das „Microsoft Partner Network“, das auf Kundenfang erpicht ist.
 
Wo immer mich das Wort Partner anspringt, werde ich misstrauisch und wachsam.
 
Eine weitere Geschichte zu Beziehungen von Emil Baschnonga
 
Hinweis auf weitere Blogs von Meier Pirmin
Jules Bloch (1947 – 2026) – Monument eines «Landjuden» im aargauischen Surbtal
Peter von Matt: Genial eigenwillig, aber kein Literaturpapst
Fasten bis zum Tode – ein heikles Thema, der Reflexion würdig
Katholische Kirche: Verhältnisse und Proportionen einer Skandalgeschichte
Zum Tode der Autorin Ruth Schweikert (1965 – 2023)
„Banntagsgedanken“ über Verlegenheit in der Bürgerschaft
Karl Kloter – Ein Sozialist des Herzens
Schweizergarde - ein politischer Trumpf für das Land
Kritik – Eher eine Kunst als eine Wissenschaft
«Schnätterlig und Späck oder 9 Chatze us em Sack» - Bözbergimpressionen zum 1. August 2022
Was eine treffende Rede zur Bundesfeier ausmacht
Gedanken zum jahreszeitlichen „Computus“
Das musizierende Weltall nach Kepler
Uri - Eine vorbildliche Kantonsgeschichte
Peter Meier-Abt (1947 – 2021) – Arzt und medizinische Geistesgrösse aus dem Aargau